Bundestrainer Dirk Bauermann über seine Pläne mit Dirk Nowitzki im jungen Nationalteam und nötige Reformen in der Liga.

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Mann mit Visionen: Dirk Bauermann baut ein neues Nationalteam auf.

Mann mit Visionen: Dirk Bauermann baut ein neues Nationalteam auf.

dpa

Mann mit Visionen: Dirk Bauermann baut ein neues Nationalteam auf.

Karlsruhe. Die deutsche Basketball-Nationalmannschaft steht vor einem Umbruch. Wenn vom 7. bis 20. September in Polen die Europameisterschaft stattfindet, wird Bundestrainer Dirk Bauermann ein stark verjüngtes Team ins Rennen schicken. Wir sprachen mit ihm über den Umbau im Nationalteam, deutsche Talente, Superstar Dirk Nowitzki und die Bundesliga.

Herr Bauermann, nach Ihrem Bandscheibenvorfall sind Sie in die USA geflogen, um sich mit Dirk Nowitzki zu treffen.

DirkBauermann: Ursprünglich wollte ich im Februar hin, bin dann aber erst im März geflogen. Ich war fast neun Tage bei Dirk.

Wann hatten Sie zuletzt Kontakt?

Bauermann: Vor zwei Wochen.

Seit Dezember 2003 betreut Bauermann die deutsche Basketball-Nationalmannschaft. In seine Amtszeit fiel mit Platz zwei bei der EM 2005 in Serbien einer der größten Erfolge der Deutschen. Als Vereinstrainer war der 51-jährige ein Titelsammler. Mit Leverkusen und Bamberg wurde er zwischen 1990 und 2007 neunmal deutscher Meister und viermal Pokalsieger. Von 2003 bis 2008 war er in Doppelfunktion tätig. Bauermann lebt mit Frau Kerstin und Tochter Kim in Krefeld.

Sie haben also, nachdem die Affäre mit seiner Freundin bekannt wurde, nicht mehr mit ihm gesprochen?

Bauermann: Nein. Ich habe ihm angeboten, ihm zu helfen, egal wie, wohl wissend, dass er dieses Angebot nicht annehmen würde. Er war zuletzt völlig beschäftigt mit der schweren Play-off-Runde. Und er ist ein sehr privater Mensch. Aber es war mir einfach wichtig, ihm diese Botschaft zu senden.

Wie sehr wird ihn die private Affäre sportlich belasten?

Bauermann: Wie unglaublich er auf den Sport fokussiert sein kann, hat er ja im vierten Play-off-Spiel gegen Denver mit 44 Punkten und 13 Rebounds unter Beweis gestellt. Das ist schon fast übermenschlich. Genau so haben wir ihn in den letzten Jahren immer erlebt. Er war in den Spielen, in denen es um sehr viel ging, immer da und hat seine beste Leistung abgerufen.

Wird Nowitzki im Sommer bei der EM das deutsche Trikot tragen?

Bauermann: Mein Bauchgefühl sagt mir: Ich bin eher vorsichtig optimistisch als pessimistisch.

Nowitzki und Chris Kaman aus der NBA sind für die EM gesetzt, wenn sie kommen. Wer findet sonst noch Platz?

Bauermann: Steffen Hamann ist wie Jan Jagla, Sven Schulze und Konrad Wysocki gesetzt. Dazu kommen wohl Spieler wie Tim Ohlbrecht und Johannes Herber. Alle anderen werden neue Gesichter sein, ob das nun ein Heiko Schaffartzik aus Gießen ist, Johannes Lischka aus Gießen, Luca Staiger, der in den USA für die Universität Iowa spielt, Tibor Pleiß aus Köln oder Robin Benzing und Elias Harris.

Was dürfen wir von der deutschen Mannschaft bei der EM erwarten?

Bauermann: Es ist wie eine große Wundertüte. Wenn vielleicht nur einer oder sogar keiner der NBA-Profis spielt, müssen wir sehr geduldig sein. Es ist eine Generation, die viel verspricht, aber auf diesem höchsten europäischen Niveau noch nie gespielt hat.

Die Bundesliga weigert sich weiterhin, Regelungen zu treffen, mit denen der Einsatz deutscher Spieler in der Liga gefördert wird. Haben Sie Hoffnung, dass sich das jemals ändert?

Bauermann: Das sind Prozesse. Noch vor vier Jahren gab es überhaupt keine Beschränkungen bezüglich der Nationalitäten im Kader. In der kommenden Saison gibt es die Regelung "8und 4" - acht Ausländer, vier Deutsche. Aber damit bin ich nicht zufrieden. "6 und 4" bei zehn statt bisher zwölf Spielern auf dem Spielberichtsbogen, das wäre eine ebenso sinnvolle Lösung wie eine Vorgabe mit einem deutschen Spieler auf dem Parkett. Das wäre wichtig, um die Zukunft unseres Sports in Deutschland zu sichern.

"Es wird eine neue Generation geben, die man im Sommer zum ersten Mal in Deutschland sehen wird"

Was läuft noch falsch?

Bauermann: Es ist so, dass Vereine, die täglich darum kämpfen, noch in die Play-offs zu kommen, dass die glauben, eher eine Chance zu haben, wenn es viele Amerikaner in der Liga gibt. Weil es einen unglaublich großen Markt von Spielern gibt, die man für relativ wenig Geld verpflichten kann. Aber diese Mehrheitsverhältnisse tun dem Ganzen nicht gut.

Wie stark wird der Umbruch im Nationalteam ausfallen?

Bauermann: Spieler wie Pascal Roller, Ademola Okulaja, Rekordnationalspieler Patrick Femerling, möglicherweise Robert Garrett und Demond Greene - die stehen uns nicht mehr zur Verfügung. Es wird eine neue Generation geben, die man im Sommer in Deutschland sehen wird.

In der BBL stehen die Play-offs bevor. Wer ist für Sie Favorit?

Bauermann: Für mich ist eindeutig Alba Berlin Favorit, die Mannschaft mit dem stärksten Kader. Ich glaube, dass auch mein ehemaliger Verein Bamberg für eine Überraschung gut ist, auch wenn das Team nur Siebter war.

Sie waren mehrere Jahre parallel Bundesliga-Trainer in Bamberg und Nationaltrainer. Seit einem Jahr sind Sie nur noch Nationaltrainer. Wie stark hat sich der Stress reduziert?

Bauermann: Mein Leben ist langweilig (lacht). Ich vermisse natürlich die tägliche Arbeit mit den Spielern. Aber meine Aufgabe als Nationaltrainer ist sehr wichtig. Es macht mir viel Spaß, die Verantwortung für das Nationalteam und die gesamte Nachwuchsarbeit im DBB zu tragen. Ich freue mich darauf, dass es jetzt mit der A2-Nationalmannschaft im Juni losgeht, denn so langsam wird der Entzug doch problematisch.

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