Bundestrainer Dirk Bauermann sieht seine Basketball-Nationalmannschaft im Vorwärtsgang. Auf dem Weg zur WM 2010 liefert die Bundesliga Motivationshilfe.

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Bundestrainer Dirk Bauermann klatescht seine Spieler ab.

Bundestrainer Dirk Bauermann klatescht seine Spieler ab.

dpa

Bundestrainer Dirk Bauermann klatescht seine Spieler ab.

Osnabrück. Mit der vermutlichen "Hängepartie bis zur letzten Sekunde" beschäftigt sich Dirk Bauermann nicht wirklich. Zumindest sind Dirk Nowitzki und Chris Kaman, exakt deren Freistellung ihrer NBA-Clubs für die deutsche Nationalmannschaft, im Moment nicht das, was den Bundestrainer vorrangig bewegt.

"Wir haben uns im letzten Sommer für den Wechsel von erfahren auf jung entschieden, und das bleibt in jedem Fall so", lautet sein Bekenntnis zu den "jungen Wilden" nach deren "tollem Auftritt" bei der EM 2009 mit Blick auf die WM 2010.

Dabei stehen Qualität und Bedeutung besonders von NBA-Star-Nowitzki außerhalb jeder Diskussion auch für den Bundestrainer, der im Januar wie üblich den Würzburger in den USA besucht, mit ihm ein paar mal essen geht und ihm "viel zu erzählen" hat vom letzten Sommer und der neuen Generation der Nationalspieler.

Und er weiß, wie gern Nowitzki für sein Heimatland spielt, wie sehr ihn nach Peking auch London 2012 reizt. Ebenso die WM 2010, doch im Moment plant Bauermann erst mal nicht mit Nowitzki und Kaman. Vielmehr setzt er erst einmal auf das, was ihm bei der EM 2009 in Polen "große Freude" gemacht und ihn "echt überrascht" hat.

Die "jungen Wilden", Spieler wie Robin Benzing (Ulm), Tibor Pleiß (Bamberg), Lucca Staiger und Elias Harris (beide US-College), die an der Seite des glänzenden Heiko Schaffartzik für Furore sorgten bei ihrem Debüt mit einem Sieg und fünf knappen Niederlagen bei starken Leistungen.

"Wir haben nur den Druck, den wir uns selbst machen, uns weiter zu entwickeln."

Zum vierten Mal nach 1994 (12. Platz), 2002 (3.) und 2006 (8.) nehmen deutsche Basketballer an einer Weltmeisterschaft teil - diesmal dank der Wildcard des Weltverbandes, was als Wertschätzung zu verstehen ist. Dabei treffen sie im Sommer in der Türkei (28. August bis 12. September) in der Vorrunde auf Argentinien, Serbien, Australien, Angola und Jordanien.

Das erste Ziel ist der vierte Platz in der Gruppe, um in die Zwischenrunde zu gelangen. "Es hätte schlimmer kommen können", sagt Bundestrainer Dirk Bauermann über die Gegner.

Dirk Bauermann (52) hat reichlich nationale Titel mit Leverkusen und Bamberg geholt, sich auch in Belgien und Griechenland als Trainer einen Namen gemacht und ist seit 2003 Bundestrainer, bis 2008 parallel auch Vereinscoach.

Wir präsentieren im Rahmen unserer Serie die Sport-Höhepunkte des Jahres 2010. In der letzten Folge spricht Florett-Olympiasieger Benjamin Kleibrink aus Krefeld über seine Chancen bei den Fecht-Europameisterschaften in Leipzig (16. bis 22. Juli). Bisher haben wir den Schwimmer Paul Biedermann, die Hochspringerin Ariane Friedrich, den Springreiter Ludger Beerbaum, den Radprofi Linus Gerdemann und Handball-Bundestrainer Heiner Brand portraitiert.

Dirk Bauermann, Bundestrainer

"Das ist die Generation, mit der wir in den nächsten Jahren, vielleicht im nächsten Jahrzehnt arbeiten. Und dann werden immer wieder junge Spieler integriert", betont Bauermann. Woher diese und weitere Talente plötzlich kommen, und wie sie Urgesteine wie Robert Garrett, Demond Greene & Co. vergessen machen?

Bauermann sieht den deutschen Basketball auf einem insgesamt guten Weg, weil es keinen Kampf zwischen Ehrenamtlichen und Hauptamtlichen im Verband gebe, das Präsidium mitziehe, was gerade auch Inhalte der sportlichen Arbeit betrifft, der Wille der Kooperation mit Vereinen "erfreulich gut ausgeprägt" sei und sich vor allem in den Ligen viel bewegt habe.

Mit dem verstärkten Einsatz von deutschen Spielern vor allem in der 2. Liga (Pro A und Pro B), aber auch spürbar in der Bundesliga (BBL) würden der Jugend neue Reize und die Chance aufgezeigt, mit Basketball als Leistungssport auch Geld verdienen zu können.

"Wenn hochtalentierte Jugendliche sehen, egal wie hart ich arbeite, nehmen die BBL-Clubs doch nur Amerikaner, dann fehlt die Motivation im System", unterstreicht Bauermann. Die Vereine setzen jedoch Signale genau in die andere Richtung - ob mit Liga-Vorschrift oder aus freien Stücken. Auch auf diese Einstellung führt der Bundestrainer die steile Entwicklung der "jungen Wilden" zurück, denen er noch eines zutraut.

Vorausgesetzt, sie "versauen sich durch Dummheiten oder schlechte Trainingseinstellung nicht ihre Chancen" und arbeiten weiter neben erfahrenen Spielern wie zuletzt Patrick Femerling. Der Routinier sprang nach den Absagen von Nowitzki und Kaman ein und leistete maßgebliche Hilfe bei der EM 2009.

Was auch 2010 möglich ist, wenn Nowitzki und Kaman nicht freigestellt werden. Denkbar, dass Bauermann nach guten Erfahrungen auch einen "jungen Mann ins kalte Wasser" wirft - aus zentraler Position in Korbnähe.

Dabei hat die junge Nationalmannschaft bei der WM keinen "faktischen Hochdruck", sich für Olympia oder EM qualifizieren zu müssen, sondern laut Bauermann nur den Druck, "den wir uns selbst machen, erfolgreich sein zu wollen, uns weiter zu entwickeln".

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