Der WM-Gastgeber weist jeden Zusammenhang mit der Lage in Angola zurück und betont: „Wir haben alles voll im Griff.“

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Ein Verletzter wird nach dem Anschlag auf Togos Nationalmannschaft in ein Krankenhaus gebracht.

Ein Verletzter wird nach dem Anschlag auf Togos Nationalmannschaft in ein Krankenhaus gebracht.

Reuters

Ein Verletzter wird nach dem Anschlag auf Togos Nationalmannschaft in ein Krankenhaus gebracht.

Johannesburg. Der Terroranschlag in Angola sei "ein schrecklicher Schlag für das Ansehen Afrikas" kommentierte die südafrikanische Zeitung "Sunday Argus" - und sorgte sich sogleich um die Auswirkungen auf die Fußball-WM in Sommer. In Südafrika hat mit dem Angriff auf die Spieler Togos das Bangen um das Weltturnier im Sommer begonnen, auf das das ganze Land so viele Hoffnungen setzt.

Mit Beunruhigung wurden Stimmen aus dem Ausland registriert, die einen Zusammenhang zwischen dem Anschlag im Vorfeld des Afrika Cups in Angola und dem Turnier in Südafrika herstellten.

"Wenn Angola die Spieler nicht vor Terroristen schützen kann, wird Südafrika die größten Stars der Welt schützen können?", wurde die englische "Daily Mail" zitiert. Ähnliches habe zwischen den Zeilen auch der "Telegraph" geschrieben, sorgte sich die "Sunday Argus" und schimpfte über "ignorante Kommentatoren".

"Wir erwarten von der Welt, dass sie nicht mit zweierlei Maß misst"

Trainer Phil Brown vom Premier-League-Club Hull City habe gemeint, die Vorfälle in Angola setzten auch ein "Fragezeichen" für die WM in Südafrika, berichtete die südafrikanische "Sunday Times". Der US-Sportsender ESPN bezeichnete auf seiner Website den Anschlag in Angola als einen "zerstörerischen Schlag" für den ganzen Kontinent, auch wenn es einfach "lächerlich ist, daraus eine Gefahr für die WM zu konstruieren".

Südafrikas Regierung wies wortreich jeden Zusammenhang zwischen den Vorfällen in Angola und der WM in Südafrika zurück. Vincent Magvenya, Sprecher des südafrikanischen Präsidenten Jacob Zuma, nannte es absurd, die Sicherheitslage in beiden Ländern vergleichen zu wollen. Der Vize-Polizeiminister Südafrikas, Fikile Mbalula, versicherte, dass man "alles voll im Griff" habe.

Großbritannien

"The Guardian": "Afrikas größtes Jahr beginnt mit einer schockierenden Tragödie. Nach dem Angriff auf Togos Nationalelf kann das Turnier nicht wie vorgesehen über die Bühne gehen."

"News of the World": "Die Ereignisse in der von Gewalt bestimmten Provinz in Cabinda mit Sicherheitsbedenken für die WM zusammenzubringen, ist ziemlich absurd. Es ist so, als würde man die Leute davor warnen, eine Bootstour im Hafen von Kapstadt zu unternehmen, weil sie von somalischen Piraten entführt werden könnten."

Spanien

"El Mundo": "Drei Tote, aber die Fifa rührt sich nicht. Der Weltverband will angesichts der bevorstehenden Weltmeisterschaft den Anschein erwecken, als herrsche Normalität. Dagegen sind die 31 WM-Teilnehmer - alle mit Ausnahme des Gastgeberlandes Südafrika - aufgeschreckt und in Alarm-Stimmung."

"As": "Fünf Monate vor Beginn der WM macht sich Angst breit. Südafrika ist ein Land, in dem die Sicherheit infrage gestellt ist."

Österreich

"Die Presse": "Vorerst ist der Afrika-Cup für Südafrika und die Weltmeisterschaft zu einem fürchterlichen Klotz geworden. Aus dem Optimismus ist wieder pure Angst geworden."

Auch das WM-Komitee in Südafrika betonte, dass "Terroranschläge überall in der Welt geschehen könnten". Afrika sei schließlich "kein Land, sondern ein Kontinent aus 53 Staaten", so WM-Kommunikationschef Rich Mkhondo. Afrika habe 2009 bereits drei Mal unter Beweis gestellt, dass hier erfolgreich Sportveranstaltungen ausgetragen werden könnten: Mit dem Confederation Cup in Südafrika sowie den U17- und U19-Weltmeisterschaften in Nigeria und Ägypten.

"Wir erwarten von der Welt, dass sie nicht mit zweierlei Maß misst", forderte WM-Organisationschef Danny Jordaan. Wenn es in einem europäischen Land einen Terroranschlag gebe, habe das doch nichts mit den anderen Staaten Europas zu tun, meinte er beschwörend.

"Ich habe Vertrauen in Afrika."

Joseph Blatter, Fifa-Präsident

Aber so wenig es einen sachlichen Grund gibt, sich wegen des Angriffs auf die Spieler Togos im Norden Angolas Gedanken um die Fußball-WM in Südafrika zu machen, so sehr sind sich die Südafrikaner des psychologischen Effekts bewusst. Schließlich wird die WM 2010 das erste Weltturnier auf afrikanischem Boden sein - und noch sind viele Karten nicht verkauft.

Es sollte "ein goldenes Jahr für Afrikas Fußball werden", nun gehe das "Zittern um die Fußball-Weltmeisterschaft" los, schrieb der "Sunday Argus". Die Konkurrenz "Sunday Times" titelte hingegen forsch: "Südafrika bleibt optimistisch".

Aber es war ausgerechnet Fifa-Präsident Joseph Blatter, der indirekt einen Zusammenhang zwischen Angola und Südafrika herstellte. "Ich habe Vertrauen in Afrika, und diesem Vertrauen ist es auch geschuldet, dass wir gemeinsam das wichtigste Turnier im Weltfußball 2010 organisieren", schrieb Blatter in seinem Beileidsschreiben an den Präsidenten des Afrikanischen Fußballverbands CAF, Issa Hayatou.

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