Andreas Rettig, zukünftiger DFL-Geschäftsführer, über die Folgen einer Ablehnung.

Interview

Jörg Carstensen/dpa

Augsburg. Andreas Rettig (49) bis vergangegen Sommer Manager beim Fußball-Bundesligisten FC Augsburg tritt ab Januar in die Geschäftsführung der Deutschen Fußball-Liga (DFL) ein.

Hat die Fußball-Bundesliga ein Gewaltproblem?

Rettig: Nein. Aber es gibt Vorfälle, die uns veranlassen, an der Sicherheit in den Stadien zu arbeiten.

Fanorganisationen behaupten, auf dem Oktoberfest passiert mehr als in den Stadien.

Rettig: Verbände, Fanorganisationen, Politik und Vereinsvertreter müssen verbal abrüsten, deshalb möchte ich keine plakativen Beispiele nennen. Tatsächlich ist es aber so, dass in Relation zum Zuschaueraufkommen ein sehr geringer Teil der Stadionbesucher zu Schaden kommt, aber jeder Verletzte ist zu viel.

Innenminister Hans-Peter Friedrich behauptet, einige Vereine würden das Problem nicht ernst genug nehmen.

Rettig: Wir dürfen nicht den Fehler machen, alles zu dramatisieren, dürfen es aber auch nicht verharmlosen. Polizei und Politik haben einen anderen Blickwinkel als Fanorganisationen. Die haben wiederum andere Ansichten als Vereinsvertreter.

Die jüngste Vergangenheit erweckte den Eindruck, dass ein Gewaltproblem nicht innerhalb, sondern außerhalb der Stadien besteht.

Rettig: Das macht es nicht besser. Ob mir jemand im Stadion eine auf die Nuss haut oder außerhalb, hilft dem Nasenbein nicht. Es ist kein fußballspezifisches sondern ein gesellschaftliches Problem. Das hat verschiedenste Ursachen. In den Familien herrscht Druck, weil ein Einkommen nicht mehr reicht. Das schlägt sich auf die Erziehung nieder. Dazu kommt Politikverdrossenheit bei jungen Leuten und fehlendes Sozialverhalten in der Schule. Leitlinien fehlen. Im Fußball, unter Gleichgesinnten, entlädt sich das hier und da.

„Es ist kein fußballspezifisches sondern ein gesellschaftliches Problem.“

Wie wollen Sie die Vereine auf Linie bringen?

Rettig: Ich habe kein Problem damit, wenn jemand eine andere Meinung vertritt. Aber die Begründungen stimmen mich nachdenklich, weil sie nicht inhaltlicher Natur sind. Es geht bei der Abstimmung nicht um Sieger und Besiegte. Deshalb hoffe ich, dass der Grundsatz, dass wir esnur gemeinsam schaffen können, von allen beherzigt wird.

Kritisiert werden vor allem mögliche die Ganzkörperkontrollen.

Rettig: Die DFL hat diese nie gefordert und es gibt keine statuarischen Vorgaben. Die Diskussion entzündete sich an den Kontrollen am Rande des Spiels Bayern München gegen Eintracht Frankfurt. Wenn der Veranstalter in begründeten Fällen beschließt, Fans sollen in Zelten die Jacken ausziehen und die Taschen entleeren, darf er das. Dann jedoch davon zu sprechen, Fans mussten sich bis zur Unterhose ausziehen, ist schlichtweg falsch.

Was passiert, sollte das Konzept nicht verabschiedet werden?

Rettig: Dann hätten wir ein echtes Problem. Dann wird uns die Politik das Heft des Handelns aus der Hand nehmen. Kein Beschluss bedeutet, dass wir in bestimmten Bereichen die Verbandsautonomie gefährden.

Was wäre ein mögliches Szenario?

Rettig: Wenn die Liga nicht alles dafür tut, die Sicherheit in den Stadien zu verbessern, wird die Politik mit mehr Polizei diese Unzulänglichkeiten ausgleichen. Die zusätzlichen Kosten werden dann den Vereinen in Rechnung gestellt.

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