Skispringen: Der Schweizer ist wie schon 2002 zweifacher Olympiasieger. Am Montag steigt das Teamspringen.

Whistler. In den Bergen von Whistler grüßt täglich das Murmeltier. Das Pfeifen (engl. whistle) der Nagetiere hat dem Wintersportort einst den Namen gegeben. Besonders groß war das Pfeifen am Samstag im Callaghan Valley beim Skispringen von der Großschanze. Es war wie im Film "Täglich grüßt das Murmeltier": Denn wie von der Normalschanze grüßten in derselben Reihenfolge vom Podest: der Schweizer Simon Ammann (Gold), der Pole Adam Malysz (Silber) und der Österreicher Gregor Schlierenzauer (Bronze). Das hat es in der olympischen Geschichte noch nicht gegeben.

Simon Ammann ist nun doppelter Doppelolympiasieger - 2002 in Salt Lake City war dem heute 28-Jährigen das Kunststück schon einmal gelungen. Der kleine Mann aus dem Schweizer Kanton St. Gallen ist nun der erfolgreichste Schweizer Wintersportler, hat mit dem vierten Olympia-Gold in der ewigen Bestenliste der Skispringer den Finnen Matti Nykänen um ein Gold-Stück übertrumpft und ist nur noch eine halbe Stufe von Wilhelm Tell entfernt. Nationalheld Ammann ist geplättet von seinem Selbstläufer: "Es fällt schwer, das alles zu realisieren. Eigentlich ist hier alles abgelaufen, ohne groß zu überlegen. In bin in einen emotionalen Drive gekommen."

Vor acht Jahren sei der Doppelerfolg unter "glücklichen Umständen heraus gebrochen, diesmal war alles viel durchdachter". Und wer dachte, das von den Österreichern inszenierte Theater um die neue Bindung des Schweizers würde ihn ablenken, sah sich grandios getäuscht. Ammann: "Die Vorwürfe haben nur dazu geführt, dass ich mich noch mehr fokussiert habe."

Die Deutschen hoffen heute auf bessere Bedingungen - und Form

Das gilt auch für die Leistungen der deutschen Springer. Vor dem Mannschaftswettbewerb am Montag herrscht Enttäuschung gepaart mit Ratlosigkeit, wobei zumindest einer mit einem guten Gefühl an die Großschanze geht. Das sind am Montag (18 Uhr/ZDF) die vier deutschen Springer:

Michael Neumayer: Der 30-Jährige wurde am Samstag Sechster (130/130 Meter) und sagte: "Ich bin sehr, sehr stolz auf diese Leistung, auch wenn ich vom Wind her Glück hatte. Platz sechs hört sich nicht schlecht an, damit kann man mal vor seinen Kindern angeben." Der Mann vom SK Berchtesgaden ist im Teamspringen Leistungsträger und hofft, dass "wir alle wieder mit einem Lächeln starten können".

Michael Uhrmann: Er war sauer. Platz 25 (122,5/116,5) war deutlich unter seinen Möglichkeiten. "Bei den Windverhältnissen hatte ich null Chance und hätte auch zu Hause bleiben können", sagte der 31-jährige Mannschafts-Olympiasieger von 2002. "Drei von uns haben heute nicht gerade Selbstvertrauen gesammelt. Da müssen wir uns für den Teamwettbewerb schon auf die Hinterbeine stellen." Er ist ein Wackelkandidat.

Martin Schmitt: Das war wenig. Der 32-jährige Schwarzwälder, der wie Uhrmann in Salt Lake City mit dem Team Gold geholt hatte, wurde 30. (122,5/108,0). Auch er hatte Rückenwind. "Heute war nichts zu gewinnen, aber am Montag. Wir wissen, wie es funktioniert." Zuletzt in Willingen hatte das deutsche Quartett tatsächlich gewonnen. Martin Schmitt ist ein Wackelkandidat.

Andreas Wank: Da waren Licht und Schatten bei den Sprüngen auf Platz 28 (127,5/110,0). Der deutsche Meister, der am Donnerstag 22 Jahre alt geworden ist, war auf der Normalschanze nicht zum Einsatz gekommen, hatte aber im Training von der Großen gute Sprünge gezeigt. Er ist der Aufsteiger im Team.

Vor vier Jahren war die deutsche Mannschaft in Turin auf Platz vier gelandet. "Klar haben wir uns nicht in den Favoritenkreis gesprungen. Aber wenn jeder an seinem Optimum springt, dann schaut es auch gut aus", hat Schmitt noch gesagt - damit es heute nicht heißt: Täglich grüßt das Murmeltier.

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer