Gladbachs Sportdirektor Max Eberl platzt nach dem Sieg über den HSV der Kragen. Das Protokoll einer minutenlangen Brandrede.

Gladbachs Sportdirektor Max Eberl platzt nach dem Sieg über den HSV der Kragen. Das Protokoll einer minutenlangen Brandrede.
Blick zurück im Zorn: Max Eberl ist mit der Hinrunde zufrieden, mit dem Borussia-Publikum weniger.

Blick zurück im Zorn: Max Eberl ist mit der Hinrunde zufrieden, mit dem Borussia-Publikum weniger.

Witters

Blick zurück im Zorn: Max Eberl ist mit der Hinrunde zufrieden, mit dem Borussia-Publikum weniger.

Mönchengladbach. Borussia Mönchengladbach fährt in der Fußball-Bundesliga einen 3:1-Heimtriumph gegen den Hamburger SV ein und stürmt so zu Beginn des letzten Hinrundenspieltages zurück in die Europapokalränge – dennoch hängt im Fohlenstall der Haussegen schief. Weil beim Zwischenstand von 1:1 tausende Zuschauer unüberhörbar gepfiffen haben, auf den Rängen gemurrt und geknurrt wurde. Eine Gemengelage, die Gladbachs Sportdirektor Max Eberl nach dem Schlusspfiff vor Wut kochen ließ, zumal Borussia mit 28 Punkten die viertbeste Hinrunde der vergangenen 17 Jahre hingelegt hat.

„Diese überhöhte Erwartungshaltung kann uns erschlagen – wie es andere Traditionsvereine auch schon erschlagen hat.“

Max Eberl

Eberl tobt nach dem Heimerfolg wie ein Rumpelstilzchen, schimpft im Kabinengang lautstark auf die „Arschlöcher“ im Publikum. Tritt dann vor die Presse und lässt seinem Unmut freien Lauf. „Eine bodenlose Frechheit, wenn unsere Mannschaft, die ein hervorragendes Heimspiel macht, bei Rückpässen ausgepfiffen wird und hier solch ein Unmut im Stadion entsteht. Und da rede ich nicht von der Nordkurve, sondern von den Zuschauern, die ab und zu mal Fußball gucken wollen. Es geht mir so auf den Sack!“

Eberl legt nach: „Dann sollen sie zu Bayern München gehen – oder zu PSG, aber über die beschweren sie sich ja auch, weil die zu viel Geld haben. Hier wird ehrlicher Fußball gespielt, hier wird mit jungen Spielern gearbeitet, mit zwei 18-Jährigen im Mittelfeld (Reece Oxford, Michaël Cuisance, d. Red.) – und es wird gepfiffen, wenn wir beim Spielstand von 1:1 mal zurückspielen.“

Eberl holt noch einmal Luft: „Wenn wir ausgepfiffen werden, weil wir verloren haben – damit kann ich leben. Aber nicht mit so etwas. Wenn wir jetzt schon bei guten Spielen ausgepfiffen werden – das ist nicht mehr Borussia, wie ich es kenne.“

Eberl schimpft weiter: „Die Leute können jetzt auch ,Eberl raus!’ rufen, oder Plakate hochhalten, oder mir unzählige Briefe schreiben, in denen sie mir vorwerfen, sie dürften nicht ihre Meinung sagen. Ich finde das der Mannschaft und dem Club gegenüber, der sich hier acht Jahre lang den Arsch aufreißt, damit wir mal gegen Barcelona spielen dürfen, eine Frechheit.“

Beruhigen mag der Manager sich allerdings immer noch nicht. „Ich weiß nicht, was diese Menschen von uns wollen. Ich weiß nicht, was da zelebriert wird. Ich finde das enttäuschend, weil sie den Jungs nicht helfen. Auch dem Club nicht. Es ist pervers, wir haben verdiente 28 Punkte, und die Leute pfeifen.“

Die Wutrede ist immer noch nicht zu Ende. „Ich habe hier einen Vertrag verlängert, aus voller Überzeugung. Und ich hoffe, dass dieser Verein der Verein bleibt, für den ich mich entschieden habe. Diese überhöhte Erwartungshaltung kann uns erschlagen – wie es andere Traditionsvereine auch schon erschlagen hat. Das geht in die falsche Richtung. Da muss ich mit meinen Emotionen raus – sonst bekomme ich einen Herzinfarkt. Und das möchte ich nicht.“

Eberl gibt schließlich noch eine Kampfansage heraus. „Ich werde da nicht klein beigeben. Ich werde für meinen Verein und meine Mannschaft alles geben. Da wehre ich mich mit Händen und Füßen, wie für mein Baby, das ist etwas Besonderes, was hier entstanden ist. Und die, die da gepfiffen haben, haben die tollen Jahre wahrscheinlich nicht miterlebt. Wahrscheinlich auch nicht die zweite Liga und die Torturen, die wir hier durchzustehen hatten. Die Pfeifer kommen jetzt – und die können jetzt auch zu Hause bleiben. Ich hoffe, die Nordkurve kommt dahin, dass wir wieder ein Verein sind. Das demonstrieren, was uns so stark gemacht hat.“

Drei Tage später hat sich Eberl wieder beruhigt, von seiner Kritik will er aber auch im Sport1-„Doppelpass“ „keinen Millimeter“ abrücken. Nur das Vokabular sei „nicht das Beste“ gewesen. „Das war kein Ruhmesblatt.“

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