Hamburg (dpa) - Bei ihrer Gründung vor 60 Jahren war die Deutsche Olympische Gesellschaft (DOG) eine Sportorganisation von Gewicht. Ihren runden Geburtstag feiert sie in München am Rande des Existenzminimums.

Zur Geburt der Deutschen Olympischen Gesellschaft am 5. Januar 1951 in Frankfurt schrieb Theodor Heuss als Grußwort: «Wenn ich diese Gründung richtig verstehe, soll sie mithelfen, dass das sportliche Leben nicht in der Banalisierung und Kommerzialisierung aufgeht.» Er wünsche sehr, dass dieser «richtige Gedanke» in seiner «menschlichen und menschheitlichen Bedeutung recht erfasst und dann fruchtbar verwirklicht wird».

Wie dieser Wunsch des ersten deutschen Bundespräsidenten in Erfüllung gegangen ist, wird ein Thema sein, wenn die DOG im Rathaus von München ihren 60. Geburtstag begeht. Es wird aller Voraussicht nach eine Feier in Moll werden. Denn viele Zeichen deuten darauf hin, dass die einstmals verdienstvolle Vereinigung zur Förderung des olympischen Sports ihrem Ende nahe gekommen ist.

Ein wichtiges Indiz dafür hat die DOG in einer bemerkenswerten Selbstdarstellung geliefert. Sie balanciere in einer «fast endlosen Geschichte» ihres Überlebenskampfes «heute ökonomisch näher denn je am Abgrund», heißt es in einem Kommentar der Dezember-Ausgabe ihrer Zeitschrift «Olympisches Feuer». Daraus müsse eine «inhaltliche Neuorientierung folgen, die der Öffentlichkeit plausibel macht, warum eine olympische Werte verpflichtete DOG für die Gesellschaft von Nutzen ist».

In ihren ersten Jahrzehnten war die DOG neben dem Deutschen Sportbund (DSB) und dem Nationalen Olympischen Komitee (NOK) eine geschätzte Organisation, personalisiert durch den Gründerpräsidenten Georg von Opel und später auch durch Willi Daume (1979 bis 1988). Ihre Spendensammlung von 1,1 Millionen Mark ermöglichte dem deutschen Sport seine erste Nachkriegs-Teilnahme an Olympischen Spielen in Helsinki 1952. Anfang der 60er Jahre ermittelte die DOG den öffentlichen Investitionsbedarf für Sportstätten mit 6,3 Milliarden Mark und schuf damit eine Grundlage für Wiederaufbau.

Den ersten Bedeutungsverlust erlitt die DOG durch die Gründung der Stiftung Deutsche Sporthilfe 1967. Nun gab es eine eigene Organisation für das Wohl olympischer Spitzensportler. Es blieb der ideelle Anspruch, das «gute Gewissen» des Sports sein zu wollen mit einer Fair-Play-Kampagne und der Bewegungsförderung von Kindern und Jugendlichen. Doch es fehlten Führungskraft, Ideen und materielle Unterstützung. Der gegenwärtige Präsident Harald Denecken, vormals Sportbürgermeister in Karlsruhe, ist ohne Stimme geblieben im Konzert deutscher Sportpolitik.

Zuletzt hat der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) seinen Zuschuss für das «Olympische Feuer» gestrichen. Damit droht ein Diskussionsforum des deutschen Sports für kritische, unabhängige Auseinandersetzung zu erlöschen. Der Wunsch von Theodor Heuss an die DOG, mitzuhelfen, damit der Sport nicht in Banalität und Kommerzialisierung aufgeht, bliebe nach 60 Jahren ganz und gar unerfüllbar. Und das in einer Zeit, in der Banalität und Kommerzialisierung im Sport immer größere Siege feiern.

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