Tourenskigehen
Schöne Schinderei: Immer mehr Skifahrer steigen wieder die Hänge hinauf. Zur Belohnung gibt es Abfahrten durch Pulverschnee.

Schöne Schinderei: Immer mehr Skifahrer steigen wieder die Hänge hinauf. Zur Belohnung gibt es Abfahrten durch Pulverschnee.

Markt Garmisch-Partenkirchen/dpa/tmn

Schöne Schinderei: Immer mehr Skifahrer steigen wieder die Hänge hinauf. Zur Belohnung gibt es Abfahrten durch Pulverschnee.

Davos/München (dpa/tmn) - Immer mehr Wintersportler zieht es zum Tourenskigehen in die Berge. Wer in die weiße Wildnis hinaufsteigen will, muss aber die Gefahren im Hochgebirge kennen. Anfänger gehen deshalb zunehmend am Rand der Pisten hinauf - nicht zur Freude aller.

Die Schweißperlen auf der Stirn glänzen mit dem Pulverschnee um die Wette. Mit jedem Schritt werden die Beine schwerer. Dann endlich die Belohnung für lange Qualen: Ein Glücksgefühl flutet durch den Körper, als der Gipfel erreicht ist. Diese Momente sind es, für die mehr und mehr Tourengeher trotz all der Sessellifte und Gondeln die Berge hinaufsteigen. Und für die Abfahrt danach durch jungfräulichen Pulverschnee natürlich.

Das Tourengehen stamme aus Frühzeiten des Alpinismus, erklärt Hansueli Rhyner vom WSL-Institut für Schnee und Lawinenforschung (SLF) in Davos. In den vergangenen Jahren haben viele Wintersportler die Natursportart wieder für sich entdeckt.

Im freien Gelände sei man ganz für sich, so beschreibt Cornelius Schneider, passionierter Tourengeher aus München, den Reiz. Aber man braucht Erfahrung und das Wissen um die Gefahren im Hochgebirge. Die Lawinengefahr einzuschätzen, ist lebenswichtig.

Vielleicht ziehe es deshalb immer mehr Tourengeher auf die Piste, vermutet Stefan Winter vom Deutschen Alpenverein (DAV) in München. Sie wollen die körperliche Anstrengung dieses Ausdauer- und Kraftsports spüren, aber vor Lawinen sicher sein.

«Kurz nach Betriebsschluss sieht man auf der Piste oft noch Tourengeher», bestätigt Peter Ries, Tourismusdirektor von Garmisch-Patenkirchen. Sie steigen kurz auf, um dann zu einer Brotzeit auf der Hütte einzukehren. Danach geht es auf menschenleeren Pisten ins Tal. «Es gab aber schon unangenehme Situationen zwischen Tourengehern und Pistenbetreibern», erzählt Ries.

Im freien Gelände steht meist der Aufstieg im Vordergrund. Dabei gilt: «Je leichter der Ski, desto besser», sagt Franz Perchtold, Berg- und Skiführer aus dem bayerischen Lenggries. «Dafür nehme ich in Kauf, dass bei der Abfahrt Stabilität verloren geht», erklärt Andreas König vom Deutschen Skiverband in Planegg.

Wer flott und sicher bergab wedeln gehen soll, entscheidet sich besser für tourentaugliche Freeride-Ski oder moderne All-Mountain-Ski. Neben den Ski müssen auch Schuhe und Bindungen tourentauglich sein. Bei einer Tourenbindung ist lediglich die Fußspitze fest verbunden, die Ferse aber frei beweglich. Um beim Hochsteigen nicht vom Hang zu rutschen, werden Steigfelle unter die Ski geschnallt. Sie werden oft gleich mit dem Ski geliefert, damit sie passen.

Ist die Ausrüstung komplett, kann es losgehen - zumindest wenn man neben der Piste aufsteigt. Für die Tour in die Natur bedarf es mehr Vorbereitung. «Der Lawinenlagebericht ist die zentrale Pflichtlektüre», sagt Hansueli Rhyner.

Die Lawinen-Notfallausrüstung gehört immer ins Gepäck. Dazu gehören Lawinenverschüttetensuchgerät (kurz: LVS), Lawinenschaufel und Lawinensonde. Bei der Kleidungswahl empfiehlt Cornelius Schneider das Zwiebelprinzip. Außerdem dürften Gletscher-Sonnenbrille und Sonnencreme nicht fehlen. «Der Proviant besteht aus Trockenobst, einer Brotzeit und ausreichend Getränken.»

Die Faszination des Tourenskigehens versteht wohl nur, wer es ausprobiert. Man lerne seinen Körper kennen und erfahre seine Grenzen, sagt Schneider. Und Hansueli Rhyner schwärmt: «Die eigene Spur in den Tiefschnee zu legen ist pure Glückseligkeit.»

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