Ruf der Wildnis: Mit Splitboards können Snowboarder Hänge fernab des Pistentrubels erreichen. (Foto: K2)
Ruf der Wildnis: Mit Splitboards können Snowboarder Hänge fernab des Pistentrubels erreichen. (Foto: K2)

Ruf der Wildnis: Mit Splitboards können Snowboarder Hänge fernab des Pistentrubels erreichen. (Foto: K2)

In der Mitte geteilt, funktionieren die Splitboards wie Tourenski. Snowboarder müssen so ihr Brett nicht auf dem Rücken tragen, wenn sie abseits der Skilifte fahren wollen. (Foto: Völkl)

Unter die Hälften der Splitboards werden Steigfelle gespannt. Sie verhindern, dass man beim Aufstieg zurückrutscht. (Foto: Völkl)

Wenn die beiden Hälften zusammengeklickt sind, wird aus ihnen ein Snowboard - mit herkömmlichen Freeride Boards können die Splitboards allerdings nicht mithalten. (Foto: K2)

Die erste Spur in den jungfräulichen Pulverschnee ziehen: So sehen die Sehnsuchtsbilder von Freeridern aus. (Foto: Atomic/Andreas Mohaupt)

dpa, Bild 1 von 5

Ruf der Wildnis: Mit Splitboards können Snowboarder Hänge fernab des Pistentrubels erreichen. (Foto: K2)

München (dpa/tmn) - Die Pisten sind voll, die Liftkarten teuer. Viele Snowboarder wollen daher lieber fernab des Trubels durch Pulverschnee surfen. Hierfür bringen mehrere Hersteller jetzt Splitboards auf den Markt, die geteilt zu Tourenski werden.

Die Kamera zoomt heraus, das Panorama weißer Bergrücken und Gipfel weitet sich, der Snowboarder, der den Hang hochkrabbelt, wird kleiner und kleiner. Kein anderer Mensch, kein Haus, nur unberührte Bergwelt. Es waren Aufnahmen wie diese in dem Film «Deeper», die in der Snowboardszene einen kleinen Boom ausgelöst haben: Splitboards sind im Kommen. Denn sie sind für Abstecher in genau solche Bergwelten ausgelegt.

Die Boards bestehen aus zwei Hälften, die entriegelt zu Tourenski werden. Mehrere große Hersteller wie Völkl und K2 haben sie im kommenden Winter erstmals in ihrer Kollektion. Andere wie Never Summer, die seit langem Splitboards auf Anfrage fertigen, bauen sie nun in Serie. «Jetzt springt jeder auf den Zug auf», sagt Robert Oberzaucher vom US-Hersteller Burton.

Beim Aufstieg abseits der Piste bieten die Splitboards einige Vorteile. «Man muss nicht das Gewicht des Boards von neun bis zehn Kilo auf dem Rücken tragen», erklärt Reinhard Schitter, Produktmanager bei Atomic. Und während man sonst beschwerlich mit Schneeschuhen den Hang hochstapft, gleitet man auf den Hälften des Splitboards über den Schnee - zumindest auf flachen Passagen. Mittlerweile passen die Bretter laut Andy Threimer von K2 auch in die meisten Aufstiegsspuren, da die Tourenski immer breiter werden.

Die meisten Hersteller nutzen in ihren Splitboards das Verriegelungssystem von Voilé. Dabei werden die Bindungen mit Hilfe eines Metallstiftes von der schrägen Snowboard- in die gerade Aufstiegsposition ummontiert. Das Umbauen dauere wenige Minuten, Werkzeug sei nicht notwendig, sagt Threimer. Zum Aufsteigen müssen der rechte und der linke Ski vertauscht werden, damit sie sich nicht verhaken.

Atomic geht einen eigenen Weg mit einem speziellen Verschlusssystem und Boards mit «Schwalbenschwanz»: Zum Aufstieg wird das Board einfach umgedreht - die runden Enden der beiden Hälften werden dann zu den Schaufeln.

Im Grunde sind die Splitboards ein alter Hut. Schon vor 20 Jahren sägten Tüftler in Bayern Snowboards auseinander, um sie als Tourenski zu benutzen und damit den Berg hochzusteigen. Einige Jahre später startete in den USA die Serienproduktion. Doch der Verriegelungsmechanismus und die Materialien waren noch nicht ausgereift. «Vor zehn Jahren waren die Boards bergab noch fast unfahrbar», sagt Schitter. Und sie waren teuer: Ein Brett habe damals rund 20 000 österreichische Schilling gekostet, das entspricht nach heutigem Stand 1450 Euro, die Inflation also nicht eingerechnet.

Die Splitboards schienen ein Experiment zu bleiben, vergessen in einer Nische für Bastler und Extremsportler. Bis vor einem Jahr. «Seit letztem Winter sind die Leute richtig scharf drauf», sagt Threimer.

Der alte Hut ist plötzlich en vogue, und dafür gibt es mehrere Gründe. «Der Tourenbereich wächst seit zwei Jahren stark», erklärt Thomas Hellgermann von Völkl. Dazu kommt, dass die erste Generation von Snowboardern immer älter werde und sich nicht mehr über das Herumhüpfen im Park definiere, ergänzt Schitter. «Die wollen nicht mehr am Lift anstehen und auf überfüllten Pisten fahren, sondern in der Natur sein.» Und nicht zuletzt habe die Industrie ein neues Thema gesucht, nachdem das Snowboarden vor vier oder fünf Jahren plötzlich nicht mehr cool war, räumt Atomic-Manager Schitter ein.

Die passenden Sehnsuchtsbilder lieferte im vergangenen Jahr der Film «Deeper»: Snowboarder, die mit Tourenboards durch weite, menschenleere Hänge aufsteigen und durch jungfräulichen Pulverschnee abfahren, eingehüllt in meterhohe Schneewolken. Der Film habe einen großen Beitrag geleistet, er habe Splitboards massentauglich gemacht, sagt Threimer.

Fraglich bleibt, ob die Masse bereit ist, den Preis für das Naturerlebnis zu zahlen. Atomic verlangt inklusive Bindung und Fellen für den Aufstieg 999 Euro, das Komplettpaket von K2 ist mit 969 kaum günstiger. Bei Never Summer und Jones kostet das Board allein 999 Euro. Normale Snowboards kosten ein Drittel weniger oder sogar nur die Hälfte - und sie sind beim Abfahren weiter überlegen, wie Schitter zugibt.

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer