Nimwegen rühmt sich damit, die älteste Stadt der Niederlande zu sein. Schon die Römer siedelten hier, heute kommen Deutsche.

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Modern: Jan Jansen und seine Schuhe.

Modern: Jan Jansen und seine Schuhe.

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Modern: Jan Jansen und seine Schuhe.

Nimwegen. Der Reiseführer würde sagen, es ist lebhaft. Ist es, aber eben auch laut. Nimwegens (niederländisch: Nijmegen) Herz pocht vernehmlich, der Puls ist hoch auf dem Grote Markt. Hier, wo sich die vielen, mediterran wirkenden Straßencafés aneinanderreihen, laufen die Fäden der Stadt zusammen. Und hier befindet sich das Waaggebouw (Waagengebäude) aus dem Jahr 1612, einst die öffentliche Waage für die Marktwaren, heute eine Gaststätte und das meistfotografierte Gebäude der Stadt.

Daneben steht eine Skulptur von 1956, das Marieken. Einer mittelalterlichen Legende zufolge lebt das Mädchen sieben Jahre mit dem Teufel zusammen, ehe es auf dem Nimweger Marktplatz einen Satansprozess mitverfolgt, in dem die heilige Maria als Fürsprecherin der Menschen auftritt. Marieken ist tief bewegt.

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Modern: Jan Jansen und seine Schuhe.

Modern: Jan Jansen und seine Schuhe.

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Sie pilgert nach Rom und tut Buße. Der Papst bestraft sie, sie muss eiserne Ringe um Hals und Arme tragen, bis ihre Sünden vergeben sind. Danach sollen die Ringe von alleine abfallen. Und so kommt es. Marieken wird erlöst.

Gleich hinter dem Waaggebouw liegt die älteste Kneipe der Stadt, "In de blauwe hand", nach eigenen Angaben aus dem Jahr 1542. Hier treffen sich auch gerne Studenten, rund 18000 gibt es in der 160000-Einwohner-Stadt. Entsprechend groß und lebendig ist das gastronomische wie kulturelle Angebot. Durch einen Torbogen geht es zur gotischen St. Stevenskerk aus dem 13. Jahrhundert mit ihrem malerischen Kapitel. Dort finden häufig Klassik-Konzerte statt, auch im Sommer.

Vom Marktplatz führen die Einkaufsstraßen ab, die üblichen Verdächtigen des Modehandels in hochmodernen Passagen gibt es dort ebenso wie schnuckelige Mini-Läden, wie man sie bei uns nur noch selten findet. Vielleicht kaufen die Deutschen auch deshalb so gerne hier ein. Kein Wunder, dass praktisch jeder in Nimwegen deutsch spricht. Ein Tipp: die Lange Hezelstraat. Hier gibt es Didgeridoos, Cowboystiefel und Destilliertes aus Schottland genauso wie antike Uhren und mittelalten Gouda.

Über die A57 Richtung Nimwegen, die in den Niederlanden zur A77 wird, dann am Kreuz Rijkevoort auf die A73, schließlich am Kreuz Lindenholt auf die N326 Richtung Nimwegen.

Typisch für die Niederlande: die "Patat" (Pommes) mit Mayo. Frikandel und Kroket gibt es am Automaten. Auch Pflicht: Softeis.

Selbst Räder (zu holländisch: Fietsen) gibt es am Nimweger Bahnhof Lent am Automaten. Zum Leihen versteht sich. Allerdings muss man erst Mitglied des Verbands OV sein.

Tagestickets etwa am Eiermarkt kosten acht Euro. Unter dem Valkhof zahlt man bis zu 2,20Euro pro Stunde. Am Straßenrand kann man nur mit Parkkarte zahlen. Umsonst geht’s nur in der Umgebung.

Keizer Karelplein 32h. Öffnungszeiten: mo-fr 9.30- 17.30 Uhr, sa 10-17 Uhr.

Von dort lohnt sich der Schwenk zur Waalkade, der Promenade der Stadt. Auch hier wieder Cafés und Restaurants so weit das Auge reicht. Hier werden auch Schifffahrten auf der Waal angeboten, auf einem Boot bekommt man die verschiedensten Pfannkuchen. Ein paar Schritte weiter liegt das Holland-Casino, ein Stück dahinter das Fahrradmuseum, das Velorama, mit mehr als 300 historischen und modernen Rädern.

Wer den Berg hinauf geht, kommt zum Valkhof, der eine Brücke schlägt zwischen altem und neuem Nimwegen. Nimwegen ist eine alte Hansestadt und rühmt sich damit, die älteste Stadt der Niederlande zu sein. Vor vier Jahren wurde das 2000-jährige Stadtjubiläum gefeiert. Von 20v.Chr. bis 400 n.Chr. siedelten hier die Römer am Grenzstützpunkt Ulpia Noviomagus Batavorum. Viel ist davon nicht mehr zu sehen. Karl der Große ließ hier 777 eine Pfalz bauen, Friedrich Barbarossa baute sie 1150 in eine gewaltige Burganlage um, den Valkhof. Davon sind fast nur noch Ruinen geblieben. Auch, weil die Frontstadt Nimwegen 1944 von den Alliierten bombardiert wurde - die Bomben waren eigentlich für Kleve bestimmt, den Nachbarn auf deutscher Seite. Einzig die karolingische St.Nikolaus-Kapelle im kleinen Park ist noch da. Von dort lohnt der Blick auf die Waal und die Waalbrücke, die nach Arnheim führt.

Imposanter Hingucker des Platzes ist das Museum "Het Valkhof" mit seiner gläsernen Fassade. Derzeit unter anderem zu sehen: eine Ausstellung über den Schuh-Designer Jan Jansen, ein Sohn Nimwegens. Er entwirft Exquisites, Extravagantes und gerne Hochhackiges. Jansen ist ganz und gar unkonventionell, er spielt mit Farben, Formen, Mustern. In der Houtstraat kann man seine Werke kaufen.

Zwei weitere Highlights der Museumslandschaft: das MuZieum, in dem Menschen in dunklen Räumen ihre Sinne neu erfahren. Dort kann man sogar ein Dinner im Dunkeln buchen. Das Natuurmuseum, untergebracht in einer alten Synagoge, sollte man sich schon für den nächsten Sommer merken. Dann wird dort eine Ausstellung über den Stuhlgang gezeigt, mit dem wohlklingenden Namen "Poepgoed".

Das Stadion De Goffert beherbergt nicht nur den Fußball-Erstligisten NEC, dort sind auch häufig großartige Bands zu bewundern, im September etwa spielt Coldplay dort zweimal. Musikalisch ist die Stadt kein schlechtes Pflaster. Van-Halen-Gitarrist Eddie stammt aus Nimwegen. All dieser Trubel ist jedoch nichts gegen das, was sich vom 21. bis 24. Juli in und um Nimwegen abspielt. Etwa 40000 Wanderer aus aller Welt kommen zu den "Vierdaagse", der größten Wanderveranstaltung der Welt, mit Routen von bis zu 50 Kilometern pro Tag. Wer mitlaufen möchte, muss sich vorher einschreiben (www.4daagse.nl).

Diese Vielfalt, die Mischung aus Gestern und Heute, das mediterrane Flair, die Cafés und Kneipen machen Nimwegen so attraktiv. Nimwegen hinterlässt Eindruck. Fernsehjournalist Fons de Poel sagt: "Ich konnte aus Nimwegen wegziehen, aber Nimwegen nie aus mir."

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