Im Museum in Wuppertal wird die Arbeit der Bandwebereien vorgestellt.

Walter Abram an seinem Arbeitsplatz im Bandwirker-Museum.
Walter Abram an seinem Arbeitsplatz im Bandwirker-Museum.

Walter Abram an seinem Arbeitsplatz im Bandwirker-Museum.

Stefan Fries

Walter Abram an seinem Arbeitsplatz im Bandwirker-Museum.

Wuppertal. Klong, klong, klong – immer wieder saust das „Schiffchen“ mit dem Faden von einer Seite zu anderen: Es ist laut im Bandwirker-Museum in Ronsdorf. Kein Wunder, hat Walter Abram doch gerade den historischen Webstuhl angeworfen. „100 Dezibel sind das wohl“, sagt der 63-Jährige. Und das sei eigentlich noch leise. „Es läuft ja nur einer. Früher, in den Fabriken, waren es bis zu 100 Webstühle.“

Früher, da war auch in dem Gebäude an der Remscheider Straße noch mehr los. Die Preußische Bandwirkerschule, 1899 gegründet, hatte dort, im Ronsdorfer Zentrum, ihren Sitz. „Eine Berufsschule für die Bandwirker, würde man heute sagen“, erklärt Christel Auer, die Vorsitzende des Heimat- und Bürgervereins, und zeigt aus dem Fenster auf den Anbau. „Und da in der Wirkhalle, wo jetzt die Fahrzeuge der Feuerwehr stehen, standen die ganzen Webstühle.“

Warum heißt es überhaupt Bandwirker und nicht Bandweber? „Eigentlich bezeichnen die Begriffe das gleiche“, sagt Abram. „Bandwirker halt, weil die früher den ganzen Tag ,gewirkt’, also gearbeitet haben.“

Wie? Das wird in der ersten Etage der ehemaligen Schule gezeigt: Die Entwicklung vom Handwebstuhl, den die Ronsdorfer zu Hause hatten, bis hin zu moderneren Exemplaren, die zum Teil auch heute noch eingesetzt werden.

Am eindrucksvollsten dürften Besucher aber die ratternden Holzstühle finden, an denen auch Walter Abram einst seine Lehre machte. Vor allem Hutbänder wurden in Ronsdorf hergestellt. Ohne die ging die feine Dame von Welt damals nicht aus dem Haus.

Viele Bandwebefirmen haben längst den Betrieb geschlossen

Öffnungszeiten: mittwochs 17 bis 18 Uhr oder nach Vereinbarung. Der Eintritt ist frei. Weitere Infos unter Telefon 0202/563-7222 (AB) und -7238 oder per E-Mail:

mail@bandwirkermuseum.de

Anfahrt mit dem Pkw von Düsseldorf über die A 46 bis Wuppertal, Ausfahrt 31 in Richtung Ronsdorf, weiter auf L 418, von der Oberbergischen Straße über Staubenthaler auf die Remscheider Straße 50.

Doch die Zeiten haben sich geändert. Wer will denn heute noch Hutbänder? Arbeit für die alte Technik gebe es aber immer noch, betont Abram. Viele Bandwebefirmen hätten sich spezialisiert – oder zugemacht. Auch für die Bandwirker-Schule bestand irgendwann kein Bedarf mehr.

Im Museum wird dafür aber weiter fleißig gewirkt. „Alles, was wir hier machen, wird auch genutzt“, sagt Abram. Einer der Webstühle produziert zum Beispiel schöne Ronsdorfer Wappen. Gut eine Woche brauche man, um die Maschine so einzustellen, damit am Ende ein solches Produkt entsteht. „Und dann heißt es aufpassen.“ Bis zu acht Webstühle hatte früher ein Weber unter Kontrolle, so Abram. „Wenn’s irgendwo geknallt hat, musste der dann springen.“

Doch im Bandwirker-Museum bleibt es für die Besucher nicht beim Zuschauen. „Wir sind ein Museum zum Anfassen“, betont Abram. „Kinder können hier auch drehen und mitmachen.“ Wie die Bandwirker es schon vor mehr als 100 Jahren taten.

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