Vor 150 000 Jahren schufen Gletscher aus Skandinavien mit ihrem Geröll Krefelds höchste natürliche Erhebung.

Vor allem bei den Kindern sind die Wildgehege auf dem Hülser Berg beliebt.
Vor allem bei den Kindern sind die Wildgehege auf dem Hülser Berg beliebt.

Vor allem bei den Kindern sind die Wildgehege auf dem Hülser Berg beliebt.

Dirk Jochmann

Vor allem bei den Kindern sind die Wildgehege auf dem Hülser Berg beliebt.

Krefeld. Der Niederrhein ist einfach nur platt. Da siehst Du zwei Tage vorher, wenn Besuch kommt. So weit das gängige Vorurteil über die Landschaft zwischen Rhein und Maas. In der Tat war die Gegend vor zehn Millionen Jahren Teil der jungtertiären Nordsee. Hier herrschte subtropisches Klima, gab es flaches, warmes Wasser, Sandstrand – bei Kervenheim wurde in den 90er Jahren ein Wal-Skelett gefunden.

Vor 150 000 Jahren war es frostig: Während der Saale-Eiszeit lagerten Gletscher, die sich von Skandinavien vorbeischoben, Geröll ab und modellierten den Niederrheinischen Höhenzug. Ein Teil davon ist der Hülser Berg, eine Strauchendmoräne, die immerhin (die Leser aus dem Bergischen mögen es verzeihen) auf eine stattliche Höhe von 63 Metern kommt.

Weil das nicht wirklich hoch ist, haben die Hülser Anfang der 70er Jahre auf die Spitze einen 30 Meter hohen, über 163 Stufen zu erklimmenden Aussichtsturm gesetzt, von dem aus man einen herrlichen Blick auf den Niederrhein, auf das nahe Ruhrgebiet und zwei weitere, etwas höhere Hügel hat. Der Kapuzinerberg (77 m) ist eine ehemalige Hausmülldeponie, der Inrather Berg (87 m) aus dem Schutt der im Zweiten Weltkrieg zerbombten Krefelder Häuser entstanden. Unterhalb des Turms auf dem Hülser Berg erstreckt sich ein Waldgebiet, in dem sich ein Kinderspielplatz, Waldlehrpfade, Wanderwege und jeweils ein Damwild-, Rotwild- sowie ein Wildschweingehege verstecken.

Das war nicht immer so: Vor 1900 gab es auf dem Hülser Berg keinen einzigen Baum. Er stand traurig als Sand- und Heidehügel in der Landschaft, bis findige Krefelder auf die Idee mit der Naherholung kamen: Bäume wurden gepflanzt, die ersten „Datschen“ errichtet (die heutigen Villen sind einen Blick wert) und die Bergschänke gebaut.

Wo heute demokratisch Schweinesteak mit Ratatouillegemüse serviert wird, gab es zu Anfang des vergangenen Jahrhunderts eine Dreiklassengesellschaft: Wer sich für etwas Bessere hielt, ließ sich auf der Terrasse und in der Bergschänke bedienen, das normale Ausflugsvolk strömte in den Biergarten. Dem Bollerwagen-Touristen blieb immer noch das „Rähmchen“: An der Seitentür bekam der Ausflügler heißes Wasser, mit dem er seinen Kaffee selbst aufbrühen konnte.

Zum Hülser Berg kommt man mit dem Auto (Rennstieg 1, Krefeld), dem Bus (Linie 060) oder dem „Schluff“. Der historische Zug pendelt an jedem Sonntag von Mai bis Oktober nach Fahrplan zwischen St. Tönis und dem Hülser Berg (Zwischenstopp Krefeld Nordbahnhof). Für Fahrräder gibt es einen Packwagen. Info:

www.swk.de

 

Als der Autor dieser Zeilen in den 60er Jahren seine Kommunion im Parkschlösschen am Fuß des Berges feierte, gab es eine Attraktion nicht mehr: den „Schluff“. Krefelds 1868 gegründete, historische Dampfeisenbahn gehört zwar zu den ältesten Privatbahnen Deutschlands. Doch wurde die Personenbeförderung 1951 eingestellt. Erst seit 1980 können Ausflügler wieder mit dem „Schluff“ die 13,6 Kilometer von St. Tönis über Krefeld zum Hülser Berg fahren.

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