P7155377.JPG
Der Palast in Phnom Penh.

Der Palast in Phnom Penh.

Impressionen aus Phnom Penh.

Impressionen aus Phnom Penh.

Ein Massengrab in den Killing Fields.

Der Killing Tree mit den vielen Armbändern.

Der Gedenk-Stupa...

...in dem deckenhoch Schädel von Getöteten gestapelt sind.

Kambodscha bietet WZ-Redakteurin Juliane Kinast nicht nur schöne Seiten.

Juliane Kinast, Bild 1 von 8

Der Palast in Phnom Penh.

Meine erste Begegnung in Phnom Penh, der Hauptstadt von Kambodscha, ist ein Tuk-Tuk-Fahrer (in Kambodscha wird nicht "Hellomotorbike", sondern "Hellotuktuk" gerufen), der erst vier Dollar für die Fahrt zum meinem Hostel verlangt und dann mich und zwei Briten für jeweils einen Dollar mitnimmt, als wir uns partout weigern. Das erste Lehrstück in kambodschanischer Verhandlungstechnik ist gemeistert. Das zweite wird am nächsten Tag folgen und weniger leise ablaufen.

Phnom Penh ist eine lebhafte Stadt am Ufer des Mekong, mit einem goldenen Palast, dem Hügeltempel Wat Phnom, dem russischen Markt - einem Shoppingparadies - und einem endlosen Gewirr aus Restaurants, Bars und Nachtclubs. Bei Tageslicht eine Stadt zum Verlieben. Ich bin völlig unvorbereitet auf das, was passiert, als die Sonne untergegangen ist: Fünf Stunden lang ziehe ich durch die Straßen, habe hier Dinner, dort ein Bier für 50 Cent - und habe nach all dieser Zeit nicht eine einzige Bar ohne Prostituierte gesehen. Aber umso mehr bierbäuchige Europäer mit lichtem oder nicht vorhandenen Haar, hübsche kambodschanische oder vietnamesische (es gibt wohl einen regen Austausch beider Länder in Sachen Zwangsprostitution) Anfang-Zwanzigerinnen an der Hand. Selbst junge Typen auf Motorrädern, die auffallend langsam dieselbe Straße fünfmal rauf- und runterfahren, dann neben einem schönen, aber klapperdürren Mädchen halten. Angewidert ist kein Ausdruck für meine Gefühle. Und traurig, wenn ich Jungen sehe, die gierig ihre Nasen in Klebstofftüten pressen, inhalieren. Phnom Penh hat eine sehr elende Seite.

P7155400.JPG
Der Palast in Phnom Penh.

Der Palast in Phnom Penh.

Impressionen aus Phnom Penh.

Impressionen aus Phnom Penh.

Ein Massengrab in den Killing Fields.

Der Killing Tree mit den vielen Armbändern.

Der Gedenk-Stupa...

...in dem deckenhoch Schädel von Getöteten gestapelt sind.

Kambodscha bietet WZ-Redakteurin Juliane Kinast nicht nur schöne Seiten.

Juliane Kinast, Bild 1 von 8

Impressionen aus Phnom Penh.

Die elendigste allerdings liegt zum Glück in der Vergangenheit. Und in die tauche im am nächsten Tag ab: Ich besuche die Killing Fields. Jenen Ort, an dem die Roten Khmer Zigtausende ihrer Landsleute abschlachteten und wo heute ein einzigartiger Gedenkpark entstanden ist. Mit einem hervorragenden Audio-Guide, der mich erkennen lässt, wie wenig der Westen vom Genozid in Kambodscha weiß. Nicht umsonst begann der erste Prozess um die Gräueltaten der fanatischen Kommunisten um Pol Pot erst 2009 - 30 Jahre nach dem Ende der Schreckensherrschaft. Da war Pol Pot, der Bruder Nummer eins, schon seit über zehn Jahren tot. Unbehelligt hatte er in Thailand mit seiner Familie gelebt - in direkter Nachbarschaft zu dem Land, in dem er Millionen Menschen töten ließ, weil sie nicht in sein Idealbild eines reinen Bauernstaates passten; einem Land, dass er Jahrhunderte in die Vergangenheit katapultierte, als er alle Zahlungsmittel abschaffte, alle Intellektuellen und auch Lehrer zum Tode verurteilte. Er, der in Frankreich als Lehrer gearbeitet hatte.

Die Killing Fields sind nicht nur wegen des Wissens um diese schreckliche Geschichte so bedrückend. Sondern weil mir bei jedem Schritt bewusst ist, dass die Massengräber hier noch immer gefüllt sind. Man entschloss sich, die Knochen der vielen Toten ruhen zu lassen. Das Problem: Jetzt in der Regenzeit werden sie immer wieder an die Oberfläche gewaschen, zusammen mit Zähnen, Kleidungsfetzen. Es ist mehr als ein Museum.

P7175451.JPG
Der Palast in Phnom Penh.

Der Palast in Phnom Penh.

Impressionen aus Phnom Penh.

Impressionen aus Phnom Penh.

Ein Massengrab in den Killing Fields.

Der Killing Tree mit den vielen Armbändern.

Der Gedenk-Stupa...

...in dem deckenhoch Schädel von Getöteten gestapelt sind.

Kambodscha bietet WZ-Redakteurin Juliane Kinast nicht nur schöne Seiten.

Juliane Kinast, Bild 1 von 8

Impressionen aus Phnom Penh.

Am meisten indes setzt mir der "Killing Tree" zu, ein großer Baum in der Mitte des Parks. An seiner scharfen Rinde hängen hunderte Armbänder, die Besucher als Tribut für die Getöteten hinterlassen waren. Der Baum wurde von den Henkern genutzt, um Kleinkinder zu zerschellen - Kugeln waren zu rar und wertvoll. Ich sehe mich um und bin nicht die Einzige, die an dieser Station Tränen in den Augen hat.

Ich will nach diesem Besuch nur noch ins Hostel und allein sein. Doch als wir dort ankommen, erklärt der Tuk-Tuk-Fahrer plötzlich, er sei mit den vereinbarten 15 Dollar nicht mehr zufrieden, wolle 25 Dollar. Das Letzte, was ich jetzt brauche, ist Streit. Aber ich werde mich auch nicht abzocken lassen. Fast eine Stunde lang erkläre ich ihm mehr oder weniger in Ruhe, dass er nicht einfach den Preis ändern kann, während er lamentiert und sich wehrt und nicht locker lässt. Ich bin schon fast so weit, etwas mehr Geld als abgemacht zu zahlen - ein Kompromiss. Da guckt er mich finster an und sagt: "Also schön, ich zahle es dir schon zurück!" Ich gucke ihn verdutzt an. "Drohst du mir gerade?", frage ich ungläubig. "Du bekommst deine Rückzahlung", antwortet er nur. Da platzt mir der Kragen. Nicht einen Cent bekomme er von mir, lasse ich ihn wissen und stapfe davon. Ob ich da gerade etwas unglaublich Dämliches mache, weiß ich nicht, aber mein Gerechtigkeitssinn - vielleicht auch meine Sturheit - siegt. Ich bin sauer. Sauer, weil er mir den Start in Kambodscha verhagelt hat. Nach einem Monat in Vietnam, wo mich H'Mong-Mädchen aus Sapa zum Bier und Teenagerinnen in Hoi An zum Dinner eingeladen haben, ist meine erste Begegnung in Phnom Penh menschlich enttäuschend. Schade.

P7165413.JPG
Der Palast in Phnom Penh.

Der Palast in Phnom Penh.

Impressionen aus Phnom Penh.

Impressionen aus Phnom Penh.

Ein Massengrab in den Killing Fields.

Der Killing Tree mit den vielen Armbändern.

Der Gedenk-Stupa...

...in dem deckenhoch Schädel von Getöteten gestapelt sind.

Kambodscha bietet WZ-Redakteurin Juliane Kinast nicht nur schöne Seiten.

Juliane Kinast, Bild 1 von 8

Ein Massengrab in den Killing Fields.

Aber ich bin mehr als gewillt, diesem armen Land, das so viel zu erdulden hatte und in so kurzer Zeit so weit gekommen ist, weiter offen gegenüberzustehen. Mit Phnom Penh allerdings bin ich fertig. Vor allem mit dem nächtlichen. Für mich geht es weiter in den Süden. Und hoffentlich zu freundlicheren Begegnungen.

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer