Die schwimmenden Märkte von Cai Be.
Die schwimmenden Märkte von Cai Be.

Die schwimmenden Märkte von Cai Be.

Die schwimmenden Märkte von Cai Be.

Die schwimmenden Märkte von Cai Be.

Die schwimmenden Märkte von Cai Be.

Eine Frau bei der Herstellung von Reispapier.

Auch das ist Vietnam: aufgestapelte Krokodile auf einer Handtaschenfarm.

Die Delta-Bewohner trotzen der Regenzeit.

Das muslimische Cham-Dorf mit Moschee.

Ein vietnamesisches Mädchen mit Kopftuch zwischen den traditionellen Dörfern auf Stelzen.

Juliane Kinast, Bild 1 von 9

Die schwimmenden Märkte von Cai Be.

Die Idee, Vietnam auf dem Wasserwege zu verlassen, kam mir gleich, als ich beschloss, nach Kambodscha weiterzureisen. Es liegt einfach so nahe: Da ist das Mekong-Delta, die Reisschüssel Vietnams mit ihrem Gewirr aus Flüssen und Kanälen - und dann die Tatsache, dass der Mekong direkt in das Nachbarland fließt. Also buche ich in Ho Chi Minh City eine Zwei-Tages-Tour ins Delta, mit Übernachtung in einem schwimmenden Hotel und Übersetzen nach Kambodscha.

Ich bin traurig, Saigon zu verlassen und damit auch meine letzte richtige Station in Vietnam. Es war ein großartiger Monat. Aber mein Visum läuft an diesem Tag aus und ich muss mich zudem allmählich Richtung Westen bewegen - das Ende meiner langen Reise naht. Also geht es im Bus los nach Vinh Long und auf ein schmales Motorboot ins Delta. Wir schippern an den schwimmenden Märkten von Cai Be vorbei, wo Bauern ihre Waren auf Holzbooten anbieten und Kunden mit dem Holzboot vorfahren. Im Delta schwimmt das gesamte Leben. Die Häuser drängen sich auf schiefen Stelzen an das matschbraune Wasser, Transport, Handel - alles ist im Fluss.

Wir dümpeln mal hierher, wo Frauen uns zeigen, wie sie Reispapier für die Frühlingsrollen herstellen, dann dorthin, wo wir in einem Dorf zu Mittag essen. Zu einer Krokodilfarm, wo man die quasi gestapelten Krokodile besichtigen und im Shop gleich nebenan Krokodilledertaschen erwerben kann. Bizarr. Dann geht es nach Chau Doc, wo auch mein Hotel für die Nacht auf Stelzen im Mekong steht - und von wo aus ich der kambodschanischen Grenze schon ganz nah bin.

Am Morgen, meinem letzen in Vietnam, besuchen wir ein Cham-Dorf - eine weitere Minderheit in diesem Land mit seinen über 50 verschiedenen Stämmen und Volksgruppen. Ich weiß nicht, was mich mehr beeindruckt: Plötzlich Moscheen in einem Dorf zu sehen, vietnamesische Mädchen mit Kopftüchern - oder die europäischen Touristinnen, die sich zwecks dieses Dorfbesuches ihre kürzesten Hotpants und bauchfreie T-Shirts angezogen haben Nicht zum ersten Mal bin ich ein bisschen beschämt.

Dann schippern wir im strömenden Regen, der im Delta zu dieser Jahreszeit täglich fällt, zur Grenze, legen an, geben unsere Pässe ab. Ich marschiere zum Shop und habe innerhalb von zwei Minuten alle vietnamesischen Dong in kambodschanische Riehl umgetauscht. Da ruft mich unser Führer zurück. "Wir haben ein Problem. Dein Visum ist schon gestern abgelaufen. Der Grenzbeamte will eine Gebühr." Damit hatte ich gerechnet. Ich folge dem Führer in ein kleines Büro zu dem grimmigen Beamten in Grün, der zehn US-Dollar verlangt. Das Problem: Ich habe nur fünf Dollar bei mir. Dann soll ich Dong geben, verlangt er. Aber die, so erkläre ich ihm, habe ich ja auch nicht mehr. Und biete ihm zusätzlich zu meinen fünf Dollar Riehl an. Da zieht er sich seine Uniformjacke aus, steht auf und drängt uns aus dem Büro. Die Tür fliegt zu. "Also, sind die fünf Dollar jetzt okay?", frage ich unseren Führer, der verschwitzt und erleichtert lächelt: "Jaja, ist okay."

Ich laufe Richtung Grenzposten und überlege, ob ich soeben einen Regierungsbeamten bestochen habe. Wenn ja, dann war es ein Schnäppchen. Ich schaue noch einmal auf den breiten, braunen Mekong und überlege, wo genau hier wohl die Grenze ist. Vietnam endet. Ich werde es vermissen. Es war sehr gut zu mir. Selbst an der Grenze noch.

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