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Juliane Kinast, Bild 1 von 4

Die letzte Station in Myanmar: Yangon. Ungeplant letzte Station. Ich wäre so gern weitergereist an die Küste, die offenbar vom Tourismus noch komplett verschont ist, das Myeik-Archipel ein Paradies aus über 800 Inseln mit unberührter Natur. Aber eben auch ohne Infrastruktur. Busreisen sind laut Reiseführer für Ausländer nicht mehr erlaubt - eine kleine Erinnerung daran, dass wir uns in einem noch immer von ethnischen Konflikten erschütterten Land befinden. Fliegen könnten wir, teilt uns ein Herr in einem kleinen Reisebüro mit - aber ich bin nun einmal Flugangstpatientin und würde im Leben nicht bei einer Airline einsteigen, vor der das Auswärtige Amt ziemlich offiziell warnt. Also soll es in Yangon enden.

Und dieses schockiert uns nach einer zwölfstündigen Übernacht-Busfahrt doch auf den ersten Blick sehr. Smog fast wie in Bangkok, Hupen, Gewühl, Müllgeruch, schwüle Hitze. Nach einer Stunde Gelatsche finden wir wenigstens ein Hostel, in dem wir früh einchecken können, und nach einer weiteren Dreiviertelstunde geben wir die Suche nach einem Frühstück nach halbwegs europäischen Maßstäben auf und kehren wie die Myanmar in eine Garküche ein, wo wir um halb neun morgens gebratenen Reis mit Ei und Hühnchen-Curry mit Softdrinks bestellen. Die Besitzerin ist sehr offensichtlich aufgeregt über ihre ausländischen Gäste, bringt uns noch eine Nudelsuppe (als Geschenk, sagt sie) und lässt mich wie die alte Dame aus dem Bergdorf zwischen Kalaw und Nyaungshwe wissen, wie reizend sie mich finde. Dann präsentiert sie uns eine Rechnung von 2700 Kyat - umgerechnet nicht einmal 2,50 Euro - und versöhnt uns vollständig mit Yangon.

Wir verbringen den Tag mehrheitlich mit extremem Schwitzen, während wir zum Inya-See fahren, wo wir das Haus der demokratischen Ikone Aung San Suu Kyi suchen, in dem sie jahrelang unter Arrest stand - mangels Klingelschildern fotografieren wir allerdings letztlich so ziemlich jedes Gebäude am See und müssen erst noch herausfinden, welches wohl das richtige war. Dann laufen wir Richtung Shwedagon Paya - und allein diese Tempelanlage, eine der heiligsten buddhistischen Anlagen überhaupt, wäre den Besuch in Yangon wert gewesen.

Überzogen mit tonnenweise echtem Gold ragt die Hauptpagode der Shwedagon Paya über der Stadt in den Himmel, die Spitze mit Diamanten und Edelsteinen besetzt, von denen es Fotos in einer Galerie gibt. Rundherum sind weitere kleinere Stupas voll betender Gläubiger gruppiert und Schreine für jeden Wochentag, an denen man um Glück bitten kann, je nachdem an welchem Tag der Woche man geboren wurde. Im Sonnenuntergang leuchtet die Pagode alle fünf Minuten in einem neuen, prächtigen Licht. Und auch mein tempelaffiner Freund muss zugeben, solch einen Prunk noch nie gesehen zu haben.

Das Schlüsselerlebnis allerdings haben wir auf der Rückfahrt, als wir einen Taxifahrer bitten, uns nach Downtown zu bringen. Er fragt, was wir zahlen wollen, wir rechnen herum und bieten 4000 Kyat an - es ist schon eine gute Strecke und es herrscht Rush Hour. Der Mann lacht. "Das ist zu viel", sagt er. "Ihr zahlt nur 3000!" Und steigt ein. Wir schauen uns völlig entgeistert an. "Das ist mir noch nie in meinem Leben, nirgendwo auf der Welt, mit einem Taxifahrer passiert", sagt Manuel und ich kann ihm nur beipflichten. Es ist unsere letzte von vielen prägenden Begegnungen in Myanmar. Und eine, die uns wieder gezeigt hat, wie gut und ehrlich die Menschen hier sind.

Wir werden jetzt zurück nach Thailand fliegen, wo uns ebenfalls viel gute Laune und Freundlichkeit erwarten, aber auch gewiefte Geschäftsleute und Gefeilsche um den besten Preis. Und ich verlasse Myanmar mit dem Wunsch, dass das Land sich zwar weiter öffnet und seine Bevölkerung in Freiheit leben kann - aber ohne vom großen Rest dieser Welt verdorben zu werden. Dass es klappt, wage ich allerdings zu bezweifeln. Dafür ist es leider zu verdammt schön hier.

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