Die Manöver sind spektakulär - sie heßne Spins, Grabs, Jibs und Flips. Foto: Kaunertaler Gletscher
Die Manöver sind spektakulär - sie heßne Spins, Grabs, Jibs und Flips. Foto: Kaunertaler Gletscher

Die Manöver sind spektakulär - sie heßne Spins, Grabs, Jibs und Flips. Foto: Kaunertaler Gletscher

Das Kitzsteinhorn in Kaprun gilt als eines der beliebtesten Freeride-Gebiete in den Alpen. Foto: Snowpwark Kitzsteinhorn

Auch in der Schweiz ist die Liste der Snowparks in den vergangenen Jahren immer länger geworden. Foto: swiss-image.ch/Gian Giovanoli

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Die Manöver sind spektakulär - sie heßne Spins, Grabs, Jibs und Flips. Foto: Kaunertaler Gletscher

Feichten (dpa/tmn) - Spins, Grabs, Jibs und Flips: So heißen die Manöver, mit denen sich Freestyler von der Piste oder Hindernissen und Rampen in die Luft befördern - auf Skiern oder auf dem Snowboard. Das sieht spektakulär aus und findet immer mehr Freunde in Europa.

Die Spielwiese der Snowboarder ist nicht groß in Feichten im Tiroler Kaunertal - eigentlich ist es nur der Hang, der bis nach unten ins Dorf führt. Aber hier ist etwas Besonderes los am ersten Wochenende im Februar: Statt glatt präpariertem Schnee für den letzten Schwung sind Metallgeländer in den Boden gerammt. Für den Wettbewerb «Street vs. Snow» hat Florian Achenrainer die Besten der Besten ins Kaunertal geholt: Fahrer aus ganz Europa, aus den USA und Kanada gehen an den Start.

Die Szene der Streetrider ist übersichtlich - das hängt mit mehreren Faktoren zusammen: «Man fährt ziemlich viel Material zusammen, ehe man so gut ist, dass man bei Wettbewerben Geld verdienen kann», sagt Achenrainer. Boards auf Metall, auf Geländern, auf Holzbalkonen oder Beton - das ist nicht gut für die Gleitseite des Bretts. Aber es macht halt Spaß, und der Thrill, der Nervenkitzel, ist nicht zu unterschätzen. Zwar ziehen die Streetrider nicht nur im Schutz der Dunkelheit los, doch wenn sie an öffentlichen Gebäuden unterwegs sind, wird das nicht gern gesehen. Also weichen sie an entlegene Plätze aus - oder sie richten sich ihre Wettbewerbe ein. Mit Obstacles, Hindernissen, wie sie sie brauchen.

Die Faszination ist da, so viel steht fest: Mit viel Konzentration nehmen die jungen Fahrer den kurzen Anlauf und machen Figuren mit ihren Boards, die der normale Skifahrer wohl mehr als abenteuerlich findet. Die jüngsten Competitors sind gerade im Teenageralter, «spätestens Ende 20 denkt man darüber nach, was man sonst noch so machen kann», sagt Achenrainer, 27. Die Musik ist laut, die Umgangssprache Englisch - und die Stimmung immer locker. «Es ist einfach toll, wenn man mit coolen Leuten das machen kann, was einem Spaß macht.»

Doch nicht nur über Geländer und Treppen springen Snowboarder und Skifahrer. Auch in den meist bunten und gut beschallten Snowparks in den Skigebieten tummeln sie sich zunehmend. Was früher eher eine Besonderheit der nordamerikanischen Skigebiete war, etwa im kanadischen Whistler oder in den Resorts in Colorado, ist inzwischen in Europa angekommen.

Spins, Grabs, Jibs und Flips: das sind die Manöver, die die Snowboarder und Skifahrer trainieren. Dazu: Party. Jeden Abend, jede Nacht - und eigentlich auch zwischen den Heats, den einzelnen Durchgängen der Wettbewerbe. Oder dort, wo sie ihre Spielplätze abseits der Pisten finden.

In Südtirol zum Beispiel im Snowpark auf der Seiser Alm. Im King Laurin Snowpark finden die Fahrer einen zur Sonne ausgerichteten Spielplatz mit mehr als 1500 Meter Länge, darauf Hindernisse, die Namen tragen wie: C-Box, Donky Tube, Kinkrail, Straightbox oder Serpentwood. Einige Dutzend Hindernisse können sowohl Anfänger als auch Fortgeschrittene in den Dolomiten hintereinander fahren - und das in verschiedenen Schwierigkeitsgraden. Eine Besonderheit des in Italien mehrfach ausgezeichneten Snowparks ist die Wood Line. Die Elemente, an denen sich die Freestyler hier probieren können, sind ausschließlich aus Holz gefertigt.

Das Kitzsteinhorn in Kaprun gilt als eines der beliebtesten Freeski-Gebiete in den Alpen - sowohl für all jene, die den Spaß im Springen und Drehen suchen, als auch für die, die gerne abseits der präparierten Pisten durch den Tiefschnee ins Tal sausen. Schneesicherheit auf knapp 3000 Metern Höhe, zahlreiche Routen in direkter Liftnähe und eine Hütte, die voll auf die Freeski-Fahrer eingestellt ist. Dort hilft nicht nur ein modernes Informationssystem bei der umfassenden Aufklärung über alpine Gefahren, dort gibt es auch fehlendes Equipment und freien Internet-Zugang für alle Wagemutigen, die ihre Bilder und Filme gleich in den sozialen Netzwerken posten wollen.

Ähnlich ist es am Grasjoch im Montafon: In Sichtweite der Grasjochhütte kann jeder Gast den Wagemutigen zuschauen, die sich an den Obstacles im Snowpark versuchen. Doch das ist nicht die einzige Stelle in dem Skigebiet, in dem die Freeski-Fahrer den tiefen Schnee abseits der Piste genießen. «Wir sehen jedes Jahr mehr Gäste, die nicht nur auf den ausgewiesenen Pisten fahren», sagt Skilehrer Manfred. Das seien nicht nur Tourengeher, die den anstrengenden Anstieg mit Fellen unter den Skiern mit einer Abfahrt im tiefen Schnee krönen, sondern auch gute Skifahrer, die nicht auf den gewöhnlichen Pisten ins Tal carven wollen. Gesichert seien diese Routen, aber an den natürlichen Gegebenheiten wird nichts gemacht.

Auch in den österreichischen Skiorten Serfaus-Fiss-Ladis, in Obertauern, in Sölden und in Mayrhofen haben Skifahrer und Snowboarder alle Möglichkeiten, sich auf Obstacles auszuprobieren oder sich im tiefen Schnee abseits der Pisten auszutoben.

In der Schweiz ist die Liste der Snowparks in den vergangenen Jahren immer länger geworden - und die Skigebiete, die das Fahren im Gelände erlauben, werden mehr: Spitzenreiter ist das Skigebiet Skigebiet «4 Vallées», mit 412 Kilometern Pisten und 92 Liftanlagen das größte der Schweiz. Off-Piste ist vor allem in Verbier schon seit vielen Jahren ein echtes Erlebnis, ob mit Snowboard, Double-Tips oder im Telemark-Stil. Wenn der Schnee in dem bekannten Skiort ausreichend hoch liegt, findet jeder Tiefschnee-Fan einen Hang: Ob im Teilgebiet La Tzoumaz mit seinen vergleichsweise sanften Tiefschneehänge oder direkt in Verbier mit Freeride-Hängen, die mehr als 35 Grad Neigung haben.

Nichts für schwache Nerven sind auch die Snowparks in Saas Fee und Zermatt: Besonders hoch und besonders schneesicher ist im Wallis fast das ganze Jahr über Saison. Der Freestyle Park im Gebiet Morenia in Saas-Fee wird das ganze Jahr über präpariert: Kickers, Rails, Boxes und Transitions in allen Formen und Größen sind fast immer in Betrieb - ebenso wie die Halfpipe. Die Höhe und die Lage im nordostseitigen Gletscherkessel sorgen dafür, dass Freeskiier und Snowboarder das ganze Jahr über beste Verhältnisse vorfinden.

Mindestens ebenso beliebt wie die Obstacles am Fuß des Monte-Rosa-Massivs ist der Chill-out-Bereich mit seinen Strandkörben, Sofas und der Dauermusik, in der sich Boarder und Freeskier aus aller Welt treffen. Ebenfalls ganzjährig geöffnet ist der Gravity Park in Zermatt auf rund 3000 Metern Höhe. Auch hier, am Fuß des berühmten Matterhorns, können sich Boarder und Skifahrer austoben, bis ihnen die Knie zittern.

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