Alte Inselhäuser wurden für den Hotelbetrieb schonend renoviert, wie das «Norderriff» am Dünenrand. Foto: Hilke Segbers
Alte Inselhäuser wurden für den Hotelbetrieb schonend renoviert, wie das «Norderriff» am Dünenrand. Foto: Hilke Segbers

Alte Inselhäuser wurden für den Hotelbetrieb schonend renoviert, wie das «Norderriff» am Dünenrand. Foto: Hilke Segbers

Pause mit Ausblick: Rentner genießen die Sonne am Strand von Langeoog. Foto: Hilke Segbers

Ankunft im Hafen: Rund eine halbe Stunde dauert die Überfahrt von Bensersiel nach Langeoog. Foto: Hilke Segbers

Nur mit zwei PS: Langeoog ist komplett autofrei. Pferdekutschen sind ein beliebtes Fortbewegungsmittel. Foto: Hilke Segbers

Trainieren für das Sportabzeichen: Am «Sportpalast» üben Urlauber Weitsprung. Foto: Hilke Segbers

Entspannter als früher: Am Hafen steht ein Teehaus unter Reet. Einst waren dort kurze Hosen unerwünscht, der heutige Betreiber sieht das lockerer. Der Kuchen schmeckt noch immer. Foto: Hilke Segbers

In gemächlichem Tempo über die Wiesen: Am Hafen steigt der Gast in die Inselbahn, die ihn ins Dorf bringt. Foto: Hilke Segbers

dpa, Bild 1 von 7

Alte Inselhäuser wurden für den Hotelbetrieb schonend renoviert, wie das «Norderriff» am Dünenrand. Foto: Hilke Segbers

Langeoog (dpa/tmn) - «(W)elcher (S)eemann (l)iegt (b)ei (N)anni (i)m (B)ett.» Wer sich die Reihenfolge der ostfriesischen Inseln nicht merken kann, dem hilft dieser Spruch. Langeoog ist das dritte Eiland in der Reihe - eine Insel, auf die viele seit Generationen kommen.

Die nachhaltigste Kindheitserinnerung von Urlauben in Langeoog ist Sand. Sand war immer einfach überall. Er scheuerte in den Schuhen, rieselte aus den Buchseiten, klebte an den Apfelschnitzen und ruinierte die Leckmuschel. Aber er ließ sich auch ganz wunderbar - mit Seewasser aus dem Plastikgießkännchen - zu Kuchen formen, während Papa eine Sandburg um den Strandkorb herum auftürmte.

Sand gibt es auf der ostfriesischen Insel immer noch reichlich - und überhaupt hat sich wenig geändert in den vergangenen Jahrzehnten. Was eine gute Nachricht ist. Zwar sind die Gästezahlen nach Angaben der Gemeinde von rund 40 000 im Jahr Anfang der 1960er auf inzwischen 250 000 gestiegen. Aber das hat das Bild der Insel, die seit 1949 anerkanntes Nordseeheilbad ist - nicht nachhaltig verändert. Sie fühlt sich immer noch so an wie früher - und riecht auch immer noch gleich: nach Meer und Wildrosen.

Auf der Überfahrt von Bensersiel duftet es auf dem Fährschiff «Langeoog 3» allerdings erst einmal nach Würstchen. Aber auch das schon seit Jahrzehnten. Die köstliche heiße Bockwurst wird mit einem halben Toast und einem Klecks Senf gereicht und ist für viele Fahrgäste ein Muss. Die Überfahrt durch das Watt dauert eine halbe Stunde. Wenn die Sonne scheint, glitzert das Meer wie mit Millionen Diamanten bestreut. Immer aber liegt Salz in der Luft, und die Gischt knistert leise.

Viel zu erleben gibt es nach wie vor nicht auf der zwölf Kilometer langen Insel. Inselsingen, Lesungen, Theateraufführungen, ein kleines Kino. Dafür ist es himmlisch ruhig - und man hat Muße für ein dickes Buch und lange Spaziergänge. Der Strand mit seinem schneeweißen, feinen Sand ist immer noch die Hauptattraktion von Langeoog.

Zeitgemäßer geworden sind vor allem die Hotels, Pensionen und Apartmenthäuser. Das Frühstück in der Pension bringt kein Fräulein mit weißer Schürze mehr, aber dafür sind auch die Gemeinschaftsduschen und -toiletten passé. Hotels wie die der Familie Kolb - fünf Häuser mit sehr unterschiedlichen Konzepten - oder das große «Logierhus» im Inselzentrum wurden neu gebaut. Und auch alte Inselhäuser wurden für den Hotelbetrieb schonend renoviert, wie das malerische «Norderriff» am Dorfrand.

Je nach Jahreszeit werden Ausflüge mit dem Krabbenkutter angeboten oder zu den Seehundbänken. Über 25 Kilometer Radwege führen über die Insel, ein besonders schöner führt vom Dorf durch das Wäldchen zum Hafen. Hier steht ein Teehaus unter Reet, wo wunderbarer Kuchen zum Ostfriesentee mit Kluntjes gereicht wird. Früher waren dort kurze Hosen unerwünscht - die Wirtin reichte dann mit grimmiger Miene eine Art Rundumschürze. Das sieht der heutige Betreiber deutlich entspannter.

Die meiste Zeit verbringt der Urlauber - der im Schnitt neun Tage auf Langeoog bleibt - aber am 14 Kilometer langen Strand, auch bei schlechtem Wetter. Bei Regen werden einfach die Strandkörbe gegeneinandergestellt, und man wartet im schummrigen Inneren aneinander gekuschelt den Regenguss ab. Der Wind an der Nordsee sorgt dafür, dass die Wolken sich meist schnell wieder verziehen.

Wenn die Sonne scheint, gibt es zwei Richtungen für einen Strandspaziergang: Am Westende locken die Muschelbänke und am Ostende die Meierei mit selbst gemachter Dickmilch. Sie wird dort von der Langeoogerin Dagmar Falke in - ebenfalls seit Jahrzehnten gleichem, einfachstem Ambiente - mit Sanddornsaft und einem Stück Schwarzbrot gereicht. Für die Kinder gibt es Eis am Stiel. Und dann sitzt man satt und zufrieden im Garten, während die Sommersonne den Nasenrücken und den Scheitel verbrennt.

Der Frühling, der Frühsommer und der Herbst sind auf Langeoog sehr viel ruhiger als der Sommer, aber nicht minder schön. Viele Gäste, die schon lange kommen, favorisieren inzwischen die Nebensaison. Oder gar den Winter, wenn sich am Strand Eisschollen zu bizarren Gebilden zusammenschieben. Auf jeden Fall fährt kaum ein Gast fort ohne den Wunsch nach einer Rückkehr nach Langeoog. Auch wenn die Sonnencreme, die auf der Fähre noch einmal gezückt werden muss, ein wenig im Gesicht schrappt. Der Sand, natürlich.

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