Das beschauliche Dorf in der Krummhörn lebt von der Krabbenfischerei. Und von der Tradition der Seeleute.

Er stinkt nicht nach Fisch, und ein Anker ist auch nirgendwo zu entdecken. Jann-Tjado Gosselaar sieht mit seinen grau melierten Haaren und der lässigen Sonnenbrille nicht so aus, wie man sich einen typischen Seebären vorstellt. Aber der Ostfriese ist Fischer mit Leib und Seele. Er spricht von Leidenschaft und Berufung, wenn sein Blick über die Krabbenkutter im Hafen von Greetsiel gleitet. Die großen Netze hängen an den Seiten der Masten wie gefaltete Flügel. Plastikkisten sind ordentlich gestapelt. 27 Schiffe, eine der größten Kutterflotten Deutschlands, dümpeln gemütlich vor sich hin. Um Mitternacht will Gosselaar wieder aufbrechen.

Die Fischerei ist immer noch die größte Einnahmequelle des beschaulichen Dorfs in der Krummhörn. Pro Tag und Boot fangen die Fischer rund 200 Kilo Nordseekrabben. Straßen sind nach Klaus Störtebeker benannt, Lokale heißen „Hafenkieker“ oder „Fischers Fründ“, es gibt ostfriesischen „Seebären“-Tee und „Nordseeschlamm“-Likör in den Souvenirgeschäften. Auf den Speisekarten der Restaurants stehen Krabben in allen Variationen: Krabbensuppe, Krabbencocktail, Eierpfannkuchen mit Krabben, Krabben auf Schwarzbrot oder mit Bratkartoffeln. Der Ort lebt von der Krabbe. Oder wie es Nicole Ukena von der Touristikgesellschaft Krummhörn-Greetsiel sagt: „Das Dorf lebt vom Tourismus und der Tourismus lebt von der Fischerei.“ Eine Symbiose aus Folklore, Tradition und Neuzeit. Vor fast 30 Jahren haben sich die Bürger für den Tourismus ausgesprochen. Die Krabben werden jetzt in Marokko gepult.

Wenn durch die schmalen Straßen, die sich mit ihren liebevoll restaurierten Giebelhäuschen um den mehr als 600 Jahre alten Hafen drängen, eine leichte Brise weht, kommt Seefahrer-Romantik auf. Dabei ist das Krabbenfischen ein echter Knochenjob.

Gosselaar ist 42 Jahre alt und arbeitet in 30-Stunden-Schichten, ist bis zu 80 Stunden in der Woche mit seiner „Flamingo“ auf See. Das Boot trug den Namen schon, als er es vor 20 Jahren von einem Kollegen übernahm. „Es bringt Unglück, ein Schiff umzutaufen“, erklärt er.

Die Krummhörn mit ihrem Fischerdorf Greetsiel und den 18 Warfendörfern ist ein Gebiet der Superlative: In Rysum ist die älteste bespielbare Orgel Europas zu finden – trotz ihres hohen Alters von 556 Jahren erklingt sie noch immer jeden Sonntag. Der Campener Leuchtturm, der wegen einer entfernten Ähnlichkeit auch stolz der „Eiffelturm der Nordsee“ genannt wird, ist mit seinen 65 Metern der höchste Leuchtturm Deutschlands.

informationen Touristik GmbH Krummhörn-Greetsiel, Zur Hauener Hooge 11, 26 736 Greetsiel, Telefon 04 926/91 880. www.greetsiel.de

 Mit dem Zug bis Emden, weiter mit Bus oder Taxi nach Greetsiel. Mit dem Auto über die Autobahn 2 und die A 31 Richtung Emden, ab Emden-Mitte auf der B 210 Richtung Norddeich.

Am Samstag, 10. August findet der diesjährige traditionelle Kutter-Korso statt. Der Kartenverkauf beginnt etwa einen Monat vorher.

Kleiner, aber trotzdem berühmter, ist das Leuchtfeuer in Pilsum. Seit Otto Waalkes den rot-gelben Turm 1989 als Kulisse für seinen Film „Der Außerfriesische“ benutzt hat, ist es nicht mehr einsam auf dem Deich. Einmal im Jahr nimmt Jann-Tjado Gosselaar Touristen während des traditionellen Kutter-Korsos an Bord.

Dann schmücken er und seine Kollegen ihre Boote und fahren raus auf die Nordsee. Ahoi!

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