Kreuzfahrt
Ebenfalls beliebt sind Kreuzfahrten. Die kommen zunehmend auch bei jüngerem Publikum an.

Ebenfalls beliebt sind Kreuzfahrten. Die kommen zunehmend auch bei jüngerem Publikum an.

Beliebtes Reiseziel: Immer häufiger zieht es deutsche Touristen in die Türkei, wie hier an den Strand von Antalya.

Stand bei der Tourismusmesse CMT in Stuttgart: Die Reisebranche ist in guter Stimmung.

dpa, Bild 1 von 3

Ebenfalls beliebt sind Kreuzfahrten. Die kommen zunehmend auch bei jüngerem Publikum an.

Stuttgart (dpa) - Zur ersten Tourismusmesse des Jahres übt sich die Reisebranche in guter Laune. Das Urlaubs-Portemonnaie der Deutschen ist wieder gut gefüllt, meinen Experten. Die Sorgen über die neue Ticketsteuer halten sich in Grenzen.

Die Reisekoffer sind gepackt: Deutsche Touristen haben 2011 immer häufiger die Türkei auf der Urlaubskarte - oder bleiben komplett auf dem Meer. Kreuzfahrten stehen hoch im Kurs. Diese gelten nicht mehr als elitäre, teure Reisen nur für ältere Menschen, wie der Professor für Tourismusmanagement der Hochschule Harz, Karl Born, erläutert. Zunehmend würden auch junge Passagiere an Bord der sogenannten Fun-Schiffe gelockt.

Insgesamt sieht sich die Tourismusbranche vor Beginn des ersten großen Branchentreffs in diesem Jahr, der Reisemesse Caravan, Motor und Tourismus (CMT) in Stuttgart (15. bis 23. Januar), im Aufwind. Etwa zwei von drei deutschen Tourismus-Managern rechnen 2011 einer Umfrage des Travel Industry Clubs zufolge mit einem Rekordjahr. Die CMT ist Europas größte Publikums-Reisemesse. Die Veranstalter erwarten rund 1900 Aussteller und mehr als 200 000 Besucher.

Mit Kenia gibt es erstmals ein afrikanisches Partnerland. Ob Afrika von dem Image als Kontinent der Fußball-WM 2010 langfristig profitieren kann, ist unsicher. Zwar verweist der Deutschland-Chef des Reiseveranstalters Tui, Volker Böttcher, auf steigende Buchungszahlen für Südafrika. Der Chef der Hamburger B.A.T. Stiftung für Zukunftsfragen, Ulrich Reinhardt, glaubt hingegen an keine Reisewelle gen Afrika.

Vielmehr werde sich Südafrika in die Liste der Länder einreihen, die als WM-Spielstätten keinen Reiseboom auslösten, sagt Reinhardt. «Ob Mexiko 1986 oder Japan und Südkorea 2002 - für die Tourismusbranche haben diese Weltmeisterschaften keine Spuren hinterlassen.» Afrikanische Länder gelten seiner Ansicht nach als unsicher und spielen für deutsche Reiseveranstalter eine marginale Rolle - nur 0,6 Prozent der deutschen Urlauber fliegen in Länder südlich der Sahara.

Im Aufwind sieht Reinhardt in diesem Jahr erneut die Türkei. Dank relativ preiswerter Angebote für Urlaub an der Mittelmeerküste löse das Land 2011 Italien als zweitbeliebtestes Auslands-Urlaubsziel der Deutschen ab, sagt der 40-Jährige. An Spitzenreiter Spanien komme die Türkei aber wohl nicht vorbei. Mit Dubai und China lockten zwei asiatische Destinationen dieses Jahr vermutlich mehr Touristen an.

2011 werde sich der Trend zu einem spezialisierten Reiseangebot fortsetzen, sagt Reinhardt. Zum Beispiel gebe es neue Angebote mit Kreuzfahrtschiffen nur für Homosexuelle oder nur für Singles. «Das ist die ideale Kontaktbörse», sagt er. Die sogenannten Fun-Schiffe, die nur eine Woche auf See und nicht so teuer wie klassische Kreuzfahrten sind, lockten zum Beispiel mit schiffseigenen Achterbahnen für die Kleinen und Spa-Bereichen für die Eltern, bestätigt auch der Tourismusexperte Born den Trend.

Die globale Terrorgefahr und politische Instabilitäten in einigen Ländern seien für die Deutschen kein Grund, Fernreisen abzusagen, schätzt Born. Fast ein Jahrzehnt nach den Anschlägen vom 11. September 2001 nähmen die Deutschen eine latente Gefahr in Kauf. «Die Menschen haben sich dran gewöhnt, dass was passieren kann, und denken, 'wenn es mich trifft, dann habe ich Pech gehabt.'»

Nur einen kleinen Dämpfer für die Reisebranche erwarten die Experten wegen der neuen Flugsteuer, die seit Jahresbeginn Abgaben zwischen 8 und 45 Euro pro Flug vorsieht. An ein deutliches Minus bei den Flugbuchungen glaubt der Vizepräsident des Travel Industry Clubs, Christian Buer, allerdings nicht. «Mitte des Jahres haben sich die Reisenden daran gewöhnt», sagt der Heilbronner Tourismus-Professor.

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