Ein schmackhafter Rundgang durch den Stadtteil am Main-Ufer erfreut auch Freunde der Architektur.

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Kurze Pause beim Bummel durch Sachsenhausen.

Kurze Pause beim Bummel durch Sachsenhausen.

dpa

Kurze Pause beim Bummel durch Sachsenhausen.

Ein Spaziergang durch Sachsenhausen gehört klassischerweise zu jedem Frankfurt-Besuch. Der Stadtteil am südlichen Main-Ufer hat aber nicht nur Apfelwein-Tradition und jede Menge Szenekneipen zu bieten. Hier finden sich Boutiquen und Handwerkerlädchen.

Hier prallen aber auch in architektonischer Hinsicht spannende Welten aufeinander: Vom Mittelalter bis in die Gründerzeit sind es oft nur ein paar Schritte. Wer Sachsenhausen über die Alte Brücke betritt, kommt direkt in den Ortskern hinter dem Deutschordenshaus und der dazugehörigen, prächtig erhaltenen gotischen Kirche.

Wo einst Ritter, Färber und Gemüsebauern lebten

Im Gassengewirr, wo sich Apfelweinschänken und Touristenkneipen abwechseln, lebte einst der Frankfurter Ritteradel. Später wohnten hier die Gerber, Färber und Gemüsebauern. Spuren aus alten Zeiten finden sich in Sachsenhausen fast überall. In der Großen Rittergasse steht der Kuhhirtenturm - das ist ein alter Wehrturm, und in manchem Hinterhof sieht man noch ein Stück alte Stadtmauer.

In der Schellgasse ist sogar eins der ältesten Fachwerkhäuser Deutschlands aus dem Jahr 1291 zu sehen. Erst in den 1970er Jahren wurde das wahre Alter des Gebäudes entdeckt und geschätzt, erinnert sich Stadtführer Christian Setzepfandt. "Dann wurde lange diskutiert, ob es in den Hessenpark oder ans Museumsufer versetzt werden soll."

Kleiner Abstecher ins Kunstmuseum Städel

Während die historische Altstadt nördlich des Mains dem Zweiten Weltkrieg zum Opfer fiel, bald danach in Teilen aber wieder aufgebaut wurde, wird das erhaltene Fachwerk in Alt-Sachsenhausen erst seit wenigen Jahren richtig gepflegt.

Tourismus und Kongress GmbH, Telefon 069/21238800.

Ein paar hundert Meter flussabwärts, am Schaumainkai, bietet sich den Besuchern ein völlig anderes Bild: Das prunkvolle Museumsufer beherrschen gut erhaltene Gebäude aus der Gründerzeit wie das Kunstmuseum Städel. Eine gute Gelegenheit, ein Stündchen dem Trubel zu entfliehen.

Im 19. Jahrhundert wuchs Frankfurt rasant, und Sachsenhausen breitete sich nach Westen aus. Die Entwicklung ging sogar so schnell voran, dass selbst klassizistische Bauten weichen mussten, übrig blieben nur einzelne wie die Villa der Bankiersfamilie Metzler, die heute das Museum für angewandte Kunst beherbergt. "Früher bestand die gesamte Main-Front aus klassizistischen Bauten", erklärt Setze-pfandt. Nun ziehen sich die Gebäude aus der Gründerzeit bis in die Schweizer Straße.

Ein Abstecher in die lebendige Einkaufsstraße mit ihren Cafés und Boutiquen lohnt sich aber nicht nur wegen der schönen Fassaden. Wer es etwas ausgefallener liebt, wird an der Brückenstraße/ Ecke Wallstraße fündig. Dort haben sich eine Reihe kreativer Designerläden angesiedelt. Und wer vom Stöbern nicht genug bekommt, wird unter Umständen auf dem Flohmarkt fündig, der sich an jedem zweiten Samstagvormittag am Museumsufer ausbreitet.

Handkäs’ mit Musik zum süffigen "Äppler"

Nicht fehlen darf bei einem Besuch in Sachsenhausen die Einkehr in einer traditionellen Apfelweinkneipe. Neben dem "Gemalten Haus" oder dem "Wagner" in der Schweizer Straße findet man die traditionellen Schenken wie das "Lorsbacher Thal" oder das "Eichkatzerl" vor allem in Alt-Sachsenhausen.

Zum "Äppler" schmecken Frankfurter Klassiker wie Handkäs’ mit Musik, Frankfurter Rippche oder hartgekochte Eier in der berühmten Frankfurter ’Grii Soß’ - einer schmackhaften Kräutersoße - besonders gut. Oder sollen es lieber flotte Frankfurter Würstchen sein?

Ob man sich nun in einer echten Apfelweinkneipe befindet, merkt man spätestens an der leicht säuerlichen, empörten Reaktion der Bedienung, wenn man versucht, einen Gespritzten, also mit Limonade verdünnten "Äppler" zu bestellen. Auch Bier wird in manch echter Apfelweinkneipe nicht gern gesehen. Traditionsbewusste Frankfurter lassen auf ihr "Stöffche" im blauen Tonkrug, den einzigartigen Bembel, eben nichts kommen.

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