In Österreichs Skiregion Turracher Höhe ist ein besonderer Kunden-Diener unterwegs: der Pistenbutler.

In Österreichs Skiregion Turracher Höhe ist ein besonderer Kunden-Diener unterwegs: der Pistenbutler.
Pistenbutler Elmar Ebner auf seinem knallroten Snowmobil.

Pistenbutler Elmar Ebner auf seinem knallroten Snowmobil.

Die Turracher Höhe bietet Spaß: der Nocky-Flitzer.

Karsten-Thilo Raab, Bild 1 von 2

Pistenbutler Elmar Ebner auf seinem knallroten Snowmobil.

Turracher Höhe. Am Anfang stand das Ende. Kärnten war, im Januar 1946, britische Besatzungszone. Auch die Engländer hatten die Nase voll vom Krieg und wollten endlich wieder das Leben genießen. Sie bauten sich auf der Turracher Höhe, in 1700 Metern Höhe in den Gurktaler Alpen, mit einfachen Holzstützen einen 250 Meter langen Skilift. Das war der Grundstein für ein Skigebiet, in dem heute 42 Kilometer perfekt angelegte Pisten mit 14 komfortablen Seilbahnen und Liften erschlossen sind.

Der „Engländer-Lift“, im Laufe der 70 Jahre immer wieder auf den modernen Stand der Technik gebracht, existiert immer noch. Er befördert heute vor allem Wintersportler aus Österreich, Deutschland, Ungarn, den Niederlanden und Tagesgäste aus Slowenien und Kroatien. Very british ist indes eine Institution, die es seit 15 Jahren auf der Turracher Höhe gibt: Ein Pistenbutler flitzt mit seinem Motorschlitten über die breiten Carving-Pisten, hilft, informiert und verwöhnt die Skihasen.

Für alle Fälle ausgerüstet

Elmar Ebner (48) trägt einen vom Kärntner Modedesigner Rettl gestalteten Butler-Dienstanzug – mit schottisch-karierter Skihose und farblich abgestimmtem Skihelm. Sein Fahrzeug, von einer umlaufenden Gummikette angetrieben, hat’s im wahrsten Sinne des Wortes in sich. „Wenn ich meinen Tisch abklappe, bin ich für fast alle Fälle ausgerüstet“, erklärt Butler Elmar. Er hat Streckenpläne an Bord, Traubenzucker, Äpfel, Lutscher, Taschentücher – und einen Handschuh oder Skistock, wenn jemand seinen unterwegs verloren hat.

Der Pistenbutler kennt das Revier wie seine Anoraktasche. Er brettert über die Schneebahnen, auf denen sich an Spitzentagen bis zu 6000 Gäste verteilen, legt auf Handzeichen einen Stopp ein und hat fünf feste Standplätze, an denen ihn seine Kundschaft findet. „Die Skifahrer kennen die Plätze – sie sind besonders sonnig“, erklärt Elmar, der immer auch ein paar Fläschchen Prosecco mit den dazugehörigen Gläsern im Gepäck hat. Dieser Pisten-Service ist kostenlos für alle Wintersportler auf der Turracher Höhe.

Wie wird man Skibutler? Elmar Ebner hat im ersten Haus am Platz, dem Hotel Hochschober, eine Lehre als Koch gemacht. Er ist ausgebildeter Skilehrer sowie Berg- und Wanderführer. Was ihm auch seinen Arbeitsplatz im Sommer sichert. Da ist er nämlich als Alm-Butler für Wandergäste unterwegs.

Eine Genuss-Safari auf Skiern

Butler Elmar hat eine Kollegin: Gertraud. Mit ihr wechselt er sich im Dienst ab, denn die Butler haben auch noch ein festes Wochen-Programm, das die Gäste der örtlichen Hotels in Anspruch nehmen können. Da ist ab 7.30 Uhr in der Frühe das Early Morning Skiing auf den frisch präparierten Pisten, oder die Morgenstund-Trilogie, zu der eine Schneeschuhwanderung auf die Almhütte gehört, ein zünftiges Frühstück bei Sonnenaufgang und – die Skiausrüstung ist inzwischen nach oben geschafft worden – die erste Abfahrt des jungen Ski-Tags.

Apropos jung: Der Ski-Butler hat auch Angebote für Kinder in seinem Dienstplan: zum Beispiel eine Waldwanderung mit Spurenlesen, Eisstockschießen auf dem tief gefrorenen Turracher See, oder der Bau eines Iglus. Wer will, kann den Butler auch für sich ganz allein mieten – das gibt’s allerdings nicht umsonst. Ein Tag von 9 bis 17 Uhr kostet für Hotelgäste 360 Euro. Die werden gern ausgegeben, wenn der Butler zum Beispiel eine Hochzeitsfeier hoch oben am Berg betreut. Und dann ist da noch die Genuss-Safari. Auf Skiern, versteht sich. Der Pistenbutler hat an der Talstation der Kornock-Sesselbahn ein gut geheiztes, gemütliches Wohnzimmer. Da treffen sich bei heißem Kakao die Genießer, um mit Elmar oder seiner Kollegin zur Erkundung der umliegenden Skihütten aufzubrechen und deren kulinarische Spezialitäten auszuprobieren.

Zum Beispiel Heusuppe mit Weinschaum, Köstlichkeiten aus dem Speck- und Käse-Humidor, oder Kärntner Käsnudeln mit steirischem Kürbiskernöl. Alles nur zum Probe-Kosten, die Hauptsache sind Abfahrten auf den Brettern und wieder Auffahrten mit Lift und Seilbahn.

Auf dieser Safari lässt sich noch ein besonderer Service entdecken: In den Waschräumen der gepflegten Hütten sind je zwei Sonnenmilch-Spender angebracht, mit Lichtschutz-Faktor 30 und 50. Und wenn unterwegs auf freier Ski-Bahn die Sonne brennt? Klar doch, Sonnenmilch hat Allrounder Elmar auch an Bord seines Butler-Mobils.

Der Autor reiste mit Unterstützung der Turracher Höhe.

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