Das ganze Jahr über jagt ein Fest das andere. Höhepunkt auf der Insel aber ist der Karneval. Wichtig: Rechtzeitig buchen.

Ana Maria in ihrem Paradekostüm, das „Die Verzauberte“ heißt – und rund 200 Kilogramm wiegt.
Ana Maria in ihrem Paradekostüm, das „Die Verzauberte“ heißt – und rund 200 Kilogramm wiegt.

Ana Maria in ihrem Paradekostüm, das „Die Verzauberte“ heißt – und rund 200 Kilogramm wiegt.

Horst Zimmermann

Ana Maria in ihrem Paradekostüm, das „Die Verzauberte“ heißt – und rund 200 Kilogramm wiegt.

Düsseldorf. In den wenigen unbeobachteten Augenblicken wirkt die Miene von Ana Maria Tovarez (18) leicht gequält. Kein Wunder, wenn man einen fünf Kilo schweren Kopfputz tragen muss. Dabei ist der Schmuck momentan, zur Begrüßung ausländischer Gäste, nur der kleine Dienstanzug.

Das Paradekostüm, das "Die Verzauberte" heißt, ist vier Mal vier Meter groß, wiegt 200 Kilo und wird durch ein Gestell auf Rollen gestützt. Ana Maria ist die amtierende "Reina del Carnaval", die Karnevalskönigin von Santa Cruz, der Hauptstadt Teneriffas.

Kaum sind die Blicke wieder auf sie gerichtet, lächelt sie strahlend. Am 10.Februar geht ihr harter Job mit der Wahl der Nachfolgerin zu Ende. "Dann bin ich wieder Kindergärtnerin in Ausbildung."

"Vor 200 Jahren begannen die Insulaner, Rio de Janeiro Konkurrenz zu machen."

Ramon, Karnevals-Experte

Die große Gala-Uniform aus unzähligen Federboas und Schmuckspangen hat ein Designer entworfen. Sie kostete so viel wie ein Kleinwagen. "Nein, nein, bei uns muss man nicht reich sein, um Königin zu werden", versichert Karnevalshistoriker Ramon Guimera. Jede Kandidatin hat einen Sponsor, bei Ana Maria war die Insel-Zeitung so spendabel.

In der Calle Antonio Dominguez Alfonso dröhnen Trommeln in packendem Rhythmus. Im Haus Nr. 11, Sitz der berühmten Karnevalsgruppe "Afilharmonica Nifu Nifa", von Kennern kurz "Fufa" genannt, probt Trommlerchef Unay mit seiner Band. "Jede Gruppe übt mindestens zwei Mal die Woche, ab November dann jeden Tag." Kein Wunder, dass die Bewohner aus der Straße geflohen sind. So kommen immer mehr Gruppen zu einem erschwinglichen Standquartier im Schatten der Kirche "Nuestra Senora de la Concepcion".

Spanisches Fremdenverkehrsamt, Grafenberger Allee 100, 40237 Düsseldorf, Telefon 0211/6803980. Oder: Turismo de Tenerife, Telefon 00800/10010100 (gratis).

Alle Trommeln tragen Namen, die Cheftrommel heißt Repirique. Einige Instrumente sind aus Kronkorken und Dosen gebastelt, sie machen vor allem eins: Krach. "Wir haben hier 20 Murgas, Singgruppen, die in ihren Liedern - so wie Büttenredner in Deutschland - über alle möglichen Themen herziehen", sagt Experte Guimera. Dann gibt es elf "Comparsas" (Tanzgruppen), und alle sind "muecas" - Faxenmacher. Jecken, würde man im Rheinland sagen.

Berühmt ist Teneriffas Karneval wegen seiner opulenten Kostüme und der fetzigen Samba-Merengue-Rhythmen. "Vor rund 200 Jahren kamen Chicharreros aus Südamerika zurück. Damals fing man hier an, dem Karneval von Rio Konkurrenz zu machen."

Heute nennt sich Santa Cruz selbstbewusst "Welthauptstadt des Karnevals". Die Chicharreros oder Tinerfenos, wie die Insulaner sich nennen, haben mehrmals um ihren Karneval gekämpft. Zuletzt hatte Diktator Franco den Mummenschanz verboten. Der Bischof von Teneriffa wusste einen Ausweg: Der Karneval überlebte, als "Winterfest" maskiert.

Die Karnevalisten sind heute das ganze Jahr im Einsatz: Um Kreuzfahrtschiffe oder Kongressteilnehmer zu begrüßen, Einkaufsmeilen und Hotels zu eröffnen. Einige sind inzwischen Berufsnarren. In seine heiße Phase, in der Whisky und Rum in Strömen fließen, geht der Spaß mit den Straßenfesten (12. bis 21. Februar) und den Umzügen (12. und 16. Februar), bei denen auch viel Haut vorgeführt wird.

Im Februar liegen Teneriffas Frühlingstemperaturen schon bei 20 Grad. Am 17. Februar, in Deutschland Aschermittwoch, findet unter großem Wehklagen die "Beerdigung der Sardine" statt. Aber damit ist nicht alles vorbei. Am 20. und 21. Februar finden noch einmal rauschende Straßenfeste statt. Da ist, seit 25 Jahren, auch eine Abordnung befreundeter Düsseldorfer Jecken dabei.

Experte Guimera: "Ich kenne Rheinländer, die daheim vorgeben, Karnevalsflüchtlinge zu sein, tatsächlich aber ganz heftig in unserem Karneval mitmischen. Und genauso gibt es bei uns Karnevalsflüchtlinge, die während der tollen Tage in Köln oder Düsseldorf schunkeln."

Was ist zu tun, wenn man beim Karneval auf Teneriffa mitmachen will? Natürlich kann man sich im Herzen des närrischen Vulkans in Santa Cruz einquartieren - wenn man ein paar Tage ohne Schlaf auskommen kann (Doppelzimmer ab 50 Euro). Frühzeitige Reservierung ist erforderlich. Aber man kann auch einen Urlaub an der Playa de las Americas für einige Stunden oder Tage unterbrechen (Santa Cruz ist mit Leihwagen in einer Stunde zu erreichen).

Karneval gibt es aber auch in Puerto de la Cruz, Laguna oder Los Cristianos. Und wenn man im Februar partout keine Zeit hat? Auf Teneriffa ist das ganze Jahr über irgendwo Grund zum Feiern: Fiesta de Mayo (Mai), Nelson-Schlacht (25. Juli), Vulkanfest (November), San Andres am 29 .November.

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