Meeresbiologische Schatzkammer
Das Riff vor der Küste ist eine meeresbiologische Schatzkammer. Foto: Selayar Dive Resort

Das Riff vor der Küste ist eine meeresbiologische Schatzkammer. Foto: Selayar Dive Resort

Noch ist die Vielfalt vor der Küste Selajars für jeden Taucher ein farbenfrohes Abenteuer. Doch Dynamitfischer, Zivilisationsmüll und der Klimawandel setzen dem Riff zu. Foto: Selayar Dive Resort

Jochen Schultheis betreibt das Selayar Dive Resort - und kämpft gegen die Dynamitfischer im Korallendreieck. Foto: Arnd Petry

Gartenschläuche und die mit weißem Granulat gefüllten Flaschen gehören zur Ausrüstung der Dynamitfischer, die mit diesen Sprengsätzen Fische töten und so auch das Riff vor Sulawesi gefährden. Foto: Arnd Petry

Traumhafte Bedingungen für einen Tauchurlaub bietet das Selayar Dive Resort in Indonesien. Foto: Selayar Dive Resort

Perfekte Bedingungen: Die Tauchschule des Selayar Dive Resort liegt nur ein paar Schritte vom Steg entfernt. Foto: Selayar Dive Resort

Für Taucher bieten die Riffe des Korallendreiecks eine enorm hohe Biodiversität. Foto: Selayar Dive Resort

Aufmerksame Taucher entdecken vor der Küste Selajars auch Pygmäen-Seepferdchen. Foto: Selayar Dive Resort

Auch Clownfische können Taucher vor der Südostküste Selajars beobachten. Foto: Selayar Dive Resort

Selaja befindet sich südlich von Sulawesi. Die Insel eignet sich gut für einen Tauch-Urlaub. Foto: dpa-infografik/dpa

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Das Riff vor der Küste ist eine meeresbiologische Schatzkammer. Foto: Selayar Dive Resort

Makassar (dpa/tmn) - Gerade noch schien es, als würde dies wieder so eine herrlich ereignislose Mittagspause: müde vom Stickstoff abhängen im Palmenschatten. Unvermittelt aber springt Jochen Schultheis auf, rennt über den Strand zum Steg und brettert mit dem Motorboot gen Horizont. Irgendetwas ist da draußen.

Nach einer halben Stunde ist Jochen wieder da. Er und seine Mitarbeiter hieven meterlange Gartenschläuche mit Lungenautomaten auf den Steg. Dazu Plastikflaschen und Kanister, beschwert mit Steinen und gefüllt mit weißem Granulat: die Ausrüstung von Dynamitfischern, die mit Sprengsätzen Fische töten. Tag und Nacht müsse man auf der Hut sein, sagt er. «Sonst ist das Riff hier bald auch kaputt.»

Kaputtes Riff? Wer nur ein bis zwei Wochen in Jochen Schultheis' Tauchresort im Herzen der indonesischen Inselwelt verbringt, kann das nur schwer glauben. Die Tauchplätze genügen höchsten Ansprüchen. Das dem Resort vorgelagerte Korallenriff bietet eine große Artenvielfalt. Denn die Insel Selajar liegt im sogenannten Korallendreieck.

Dieses Gebiet, das grob betrachtet die Philippinen, Papua-Neuguinea und die östlichen Inseln Indonesiens umfasst, ist eine meeresbiologische Schatzkammer. Bei jeder globalen Bioinventur liegen die Riffe des Korallendreiecks in puncto Vielfalt vorne.

Der Tauchurlaub wäre perfekt, könnte man hier - wenigstens hier - die Bedrohung der Weltmeere ignorieren. Doch die Zeichen des Niedergangs sind unübersehbar: Nicht nur die Fischer setzen dem Riff zu. Zivilisationsmüll kommt nachts mit den Wellen. Die Chipstüten und Plastikflaschen werden jeden Morgen vom Strand geharkt, damit sie die Urlaubsidylle nicht stören.

Dass das Saumriff vor der Südostküste Selajars überhaupt noch in so einem guten Zustand ist, ist auch Jochen Schultheis zu verdanken. Der Tauchlehrer aus Franken kam vor mehr als 20 Jahren eher zufällig vorbei. Eigentlich wollte er eine Tauchbasis im rund 60 Kilometer südöstlich von Selajar gelegenen Meeresnationalpark Taka Bonerate aufmachen. Doch das Tauchen dort habe ihn enttäuscht, sagt er. «Auf dem Rückweg nach Sulawesi haben wir hier geankert - und einfach mal einen Tauchgang gemacht.»

Seit der Jahrtausendwende betreibt Schultheis sein Selayar Dive Resort. Das Riff, genauer: ein Küstenabschnitt von etwa sieben Kilometer Länge, wurde damals auf sein Drängen hin per Gesetz geschützt. Fischen ist verboten. Aber was heißt das schon in Indonesien? Die Armut ist groß auf abgelegenen Inseln wie Selajar. Solange zahlungskräftige Taucher kommen, wird das Konzept wohl funktionieren.

«Heute Mittag tauchen wir an der Grenze des Schutzgebietes», sagt Jochen, während das Motorboot vom Steg ablegt. Dann legt er den Hebel um. Nach fünf Minuten Gleiten ist der Tauchplatz erreicht. Von oben ist kein Unterschied zu sehen. Die Szenerie unter Wasser ist deprimierend. Das Riff hat seine Farben verloren. Es gleicht einer Halde. Abgebrochene, kalkweiße Korallenstücke bedecken den Boden.

Zwischen dem Schutt schwimmen vereinzelt kleine Fische. Interessanter wird es erst wieder im Schutzgebiet: Eine Seeschlange stellt Riffbarschen nach. Unter einem Überhang döst eine Schildkröte. Dann rummst es dumpf. Dann noch mal. Schall breitet sich unter Wasser viel besser aus als in der Luft. Die Explosionen sind weit entfernt. Noch.

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