Wandern auf dem romantischen Malerweg.

wza_726x1500_668442.jpeg
Mitunter müssen bei Wanderungen auch steile Stufen erklettert werden.

Mitunter müssen bei Wanderungen auch steile Stufen erklettert werden.

Mitunter müssen bei Wanderungen auch steile Stufen erklettert werden.

Paradiesisch. Malerisch. Wildromantisch. Klischees aus Reisekatalogen, die einfach nicht in eine Reportage gehören. Aber wie anders sollte man die Sächsische Schweiz beschreiben? Ist die Felsengruppe des Neurathener Felsentors nicht wildromantisch - wo sie doch von einem Romantiker in Öl gemalt wurde. Wo man vor der Wanderung auf dem Malerweg zu den Zeichnungen Caspar David Friedrichs greift und zu den Kupferstichen Ludwig Richters?

Die Sächsische Schweiz war im 19.Jahrhundert malerisch im Wortsinn, und sie ist es noch heute. Zwar hat sich die Landschaft nicht zuletzt durch den Bau von Eisenbahnen und Straßen verändert, teilweise dramatisch. Doch ist sie an vielen Stellen noch so ursprünglich, wie sie die Romantiker einst vorfanden.

Das Neurathener Felsentor inspirierte im Jahr 1823 Caspar David Friedrich zu seinem Ölbild "Die Felsenschlucht”. Von steilen Massiven umrahmt, ragen drei "Felsenfinger” in die Höhe. Für die Romantiker symbolisieren sie das Erhabene, während die Schlucht darunter für das Unergründliche steht.

Früh um sieben Uhr hat es uns hierher an den Basteiweg gezogen, und der aufsteigende Nebel gleicht dem auf Friedrichs Gemälde. Zwar stehen mittlerweile einige Bäume im Weg, doch die Perspektive, die Friedrich nutzte, lässt sich auch heute noch nachstellen. Und schon fallen die Änderungen ins Auge, die der Künstler vornahm: Zwei Felsen links hat er schräg gestellt, rechts einen weiteren hinzugefügt. Die Brücke hingegen, die damals in kleinerer Version bereits existierte, hat er weggelassen. Künstlerische Freiheit.

Kunstwerke weisen auch heute noch den Weg

Schon Ende des 18.Jahrhunderts zog die Sächsische Schweiz Wanderer von Dresden elbaufwärts. Sie bevorzugten eine Route, die am Liebethaler Grund begann, über das Basteimassiv führte und am Prebischtor endete. Ihre Schilderungen von wildromantischen Schluchten und bizarren Felsen lockten die Schweizer Künstler Adrian Zingg und Anton Graff in die Region. Ihnen wird der Name Sächsische Schweiz zugeschrieben, und ihnen folgten weitere Künstler-Generationen, darunter eben auch der Romantiker Friedrich. So bildete sich ein Hauptwanderweg heraus, der heute als historischer Malerweg bezeichnet wird.

Anhand von alten Reiseführern und Kunstwerken kann man den damaligen Wegeverlauf nachvollziehen, doch ganz nachwandern kann man ihn nicht mehr. Im Tiefen Grund etwa würde man heute, eingerahmt vom lieblichen Geheul des Autoverkehrs, auf Asphalt wandeln müssen. Dennoch: Aufbauend auf der Grundidee des historischen Malerwegs hat der Tourismusverband Sächsische Schweiz vor nunmehr drei Jahren eine äußerst spannende Route gefunden und beschildert, die zum Teil entlang dieser Strecke führt, sie linkselbisch fortsetzt und die schönsten Punkte der Sächsischen Schweiz verbindet.

Wir nehmen eine Teiletappe des neuen Malerwegs im zentral gelegenen Städtchen Bad Schandau in Angriff. Unten schlängelt sich die Elbe, oben gerät das Wandern zum Kraxeln. Zwischen Gorisch und Papstdorf weist ein kleines schwarzes Dreieck auf weißem Grund auf einen Klettersteig hin. Einige Steigungen müssen über Stiegen oder sogar Leitern bewältigt werden. Doch wer die Waden hat, braucht sich um den Sport nicht zu sorgen. Was nicht heißen soll, dass es sich hier um einen sehr anspruchsvollen Wanderweg handelt - aber die Tour ist abwechslungsreich, auch für Kinder und Jugendliche.

Wie sehr sich das Wandern gewandelt hat, zeigt sich dann bei unserer zweiten Wanderung, die von Bad Schandau durch das Schrammtor zu den Schrammsteinen bringt - wie die Bastei eines der beliebtesten Ziele in der Sächsischen Schweiz. Und wie an der Bastei kann es auch hier zeitweise recht voll werden. Was nicht unbedingt an den Wanderern liegt, sondern an jenen Besuchern, die sich per Bus möglichst nah an die Aussichtspunkte karren lassen. Doch das ist selten entlang des Malerwegs - teilweise stapft man recht einsam über glatten Sandstein oder Waldboden, nie aber über Geröll.

Wieder geht es über kleine Brücken, schlagen sich die Wege scheinbar mitten durch die Felsen und müssen über Stiegen und Leitern bewältigt werden. In der Sächsischen Schweiz kommt es weniger auf die zurückgelegte Entfernung an. Im Gegenteil: Durch das ständige Auf und Ab muss man deutlich mehr Zeit einrechnen als auf anderen Wandertouren. Langsamkeit ist ein seltenes Gut, dass man hier zu schätzen lernt.

Die Romantiker wussten schon, was sie an dieser besonderen Landschaft haben. "Felsenfinger”, umgeben von Grün in allen Nuancen. Die Vielfalt der großen und kleinen Formen. Dunkler und heller Sandstein vor blauem Himmel. Wenn das nicht romantisch ist.

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer