Mehr als unberührte Natur und kleine Dörfer auf Hügeln: Im touristischen Niemandsland die Kochkunst genießen.

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Das Gebiet an der toskanischen Küste zwischen San Vincenzo und Grosseto ist so etwas wie touristisches Niemandsland.

Das Gebiet an der toskanischen Küste zwischen San Vincenzo und Grosseto ist so etwas wie touristisches Niemandsland.

Anja Clemens-Smicek, Bild 1 von 2

Das Gebiet an der toskanischen Küste zwischen San Vincenzo und Grosseto ist so etwas wie touristisches Niemandsland.

San Vincenzo. Robertos Gesicht spricht Bände. Ein wenig Verzweiflung, aber auch Belustigung schwingt bei dem 26-Jährigen mit, während er die Gäste in seiner Küche dabei beobachtet, wie sie die Zwiebeln malträtieren.

„Mamma mia“, ruft der Italiener, nimmt ein scharfes Messer und zeigt mit wenigen Handgriffen, was es heißt, eine Zwiebel in identisch kleine Würfel zu schneiden. Die sind nötig für das Risotto mit dreierlei Tomaten, das Roberto mit vierfacher deutscher Hilfe zubereitet.

Ein Kochkurs mit einem Koch aus dem Team des legendären Alain Ducasse ist nur einer der Höhepunkte, die den Gästen des Resorts L’Andana in der italienischen Maremma geboten wird.

Inhaber Moretti ist auch Weinbauer, Bootsbauer und Bauunternehmer

Maremma – wo bitte? Das Gebiet an der toskanischen Küste zwischen San Vincenzo und Grosseto ist so etwas wie touristisches Niemandsland. Hier gibt es noch unberührte Natur und an die Hügel gequetschte Dörfer, in denen die Zeit still zu stehen scheint.

Der Weg zum Landgut L’Andana der Familie Moretti führt über eine lange Allee aus Pinien und Zypressen, vorbei an endlosen Reihen von Weinreben. Hotelinhaber Vittorio Moretti ist nicht nur Hotelier, sondern auch erfolgreicher Weinbauer. Und Bootsbauer. Und Bauunternehmer. Vor allem aber ist er Schöngeist und Perfektionist.

„Wenn man an zu viele Dinge denkt, muss man irgendwann einmal Ordnung schaffen.“

Vittorio Moretti, Hotelbesitzer

„Wenn man an zu viele Dinge denkt, muss man irgendwann einmal Ordnung schaffen. Denn allein davon hängt die Arbeits- und Lebensqualität ab.“ Das ist das Motto von Vittorio Moretti. In seinem Hotel, das er 2004 nach seinen Ideen bauen ließ, spiegelt sich diese Einstellung wider. Klare Formen und Liebe zum Detail empfangen die Gäste. Da wird der toskanische Landhausstil hin und wieder gekonnt mit afrikanischen Mustern gemischt.

Entspannt beginnt der Tag mit einem Frühstück im Garten mit Blick auf die vor der Küste liegende Insel Giglio. In der Küche, in der Roberto Einblicke gibt in die Geheimnisse der Kochkunst, ist morgens ein kleines, köstliches Büffet aufgebaut. Zwischen den schweren Pfannen und kupfernen Schüsseln fühlt man sich ein wenig wie in der rustikalen Küche einer italienischen Großmutter.

So gestärkt lässt sich die Maremma entdecken. Etwa die Tropfsteinhöhlen von Pitigliano oder die heißen Quellen in Saturnia, die schon die Etrusker und Römer zu schätzen wussten. Der Regenschirm kann getrost im Hotel bleiben. „Bei uns scheint immer die Sonne“, erzählt Maria Pia La Scala, PR-Chefin im Hause Moretti. Übertrieben ist das nicht. Elf Sonnenstunden weist die Tagesstatistik aus.

Zurück im L’Andana fällt die Entscheidung schwer: Vielleicht ein paar Runden im Pool? Oder doch eine Massage im Wellness-Bereich? Ein Muss ist auf jeden Fall der Besuch in der hoteleigenen La Trattoria Toscana – dem einzigen Restaurant des Sterne-Kochs Alain Ducasse in Italien.

Maria Pia hat dazu natürlich die passende Geschichte. Ganz in der Manier Morettis habe dieser nur den besten Koch haben wollen. „Er fragte einfach bei Ducasse nach, ob er sich eine Zusammenarbeit vorstellen könne.“ Siehe da: Ducasse zeigte nicht nur Interesse, sondern kam gleich selbst.

Nach einem Besuch in der Trattoria haben die Gäste dann noch mehr Lust auf einen Kochkurs bei Roberto. Der ist inzwischen beim Schokoladen-Soufflé angekommen und erklärt die hohe Wissenschaft der Ei-Trennung. Und da ist er wieder, dieser Blick leichter Verzweiflung.

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