Ökoparadies Mazunte
Seit dem Verbot der Schildkrötenjagd in den 1990er Jahren hat sich das Fischerdorf Mazunte in ein Hippieparadies verwandelt.

Seit dem Verbot der Schildkrötenjagd in den 1990er Jahren hat sich das Fischerdorf Mazunte in ein Hippieparadies verwandelt.

Die Landung: Mittlerweile kommen wieder eine Million Schildkröten pro Jahr an den Strand von Escobilla, um Eier zu legen.

Im «Cosmeticos Naturales de Mazunte» an der Hauptstraße sind die Regale gefüllt mit Lippenbalsam aus Eukalyptus, Kokosnuss-Sonnencreme und Kakao-Feuchtigkeitslotion.

«Die Mehrheit von uns ist immer noch arm», sagt Jaime Ziga, der 40-jährige Touristenführer im Schildkröten-Refugium.

Touristen können in Mazunte die frisch geschlüpften Baby-Schildkröten auf ihrem ersten Weg ins Meer begleiten.

In dem Kosmetikladen des Dorfs produzieren 13 Angestellte Beauty-Produkte aus Zutaten der Region.

Früher schlachteten die Fischer in Mazunte 20 000 bis 30 000 Schildkröten im Jahr. Heute stehen die Tiere unter Schutz.

Secretary of Tourism of the State of Oaxaca/dpa/tmn, Bild 1 von 7

Seit dem Verbot der Schildkrötenjagd in den 1990er Jahren hat sich das Fischerdorf Mazunte in ein Hippieparadies verwandelt.

Mazunte (dpa/tmn) - Schildkröten-Schauen im Schutzgebiet, Krokodiltouren und regionale Kosmetik: Der Ort Mazunte in Mexiko wirkt auf Touristen wie ein Ökoparadies. Wohlhabend hat der Naturtourismus die Bewohner nicht gemacht. Den Schildkröten geht es nun aber prächtig.

Einst war der Strand des Ferienortes Mazunte im Süden Mexikos Tag für Tag der Schauplatz eines Massakers. Heute jagen die Fischer hier nur noch Touristen - und versuchen, sie zu Ausflügen auf ihren Schiffen zu überreden. Dabei schwimmen die Gäste mit der früheren Beute der Fischer: den Meeresschildkröten.

Als Mexikos Regierung in den 1990er Jahren die Schildkrötenjagd verbot, verlor das Dorf am Pazifik seine Haupteinkommensquelle. Seitdem setzt Mazunte auf Ökotourismus. Wo die Fischer zuvor 20 000 bis 30 000 Schildkröten im Jahr schlachteten, führen sie nun Besucher zu den Plätzen, wo sie schlüpfen - oder zur Lagune voller Krokodile.

«Der Tourismus ist gewachsen und hat die Lücke geschlossen, die die Jagd nach Schildkrötenfleisch und -leder hinterlassen hat», erzählt Ernesto Albavera, der im örtlichen Schildkröten-Schutzgebiet forscht. Doch die Gegenwart ist nicht nur rosig. Wer die von Palmen gesäumte Strandfront mit den strohgedeckten Fischrestaurants hinter sich lässt, kommt in Gassen, wo sich heruntergekommene Häuser mit Plastikdächern an Schlaglochpisten ducken.

«Die Mehrheit von uns ist immer noch arm», sagt Jaime Ziga, ein 40-jähriger Touristenführer im Schildkröten-Refugium. Abends nach Dienstschluss verkaufe er mit seiner Frau Hamburger. Der Lohn, den ihm die Regierung zahlt, reicht nur für das Notwendige. Rund zehn Prozent der Kinder im Dorf gehen noch immer nicht zur Schule. «Die Uniform kostet 200 Pesos», klagt Ziga - umgerechnet elf Euro, manche Eltern können sich das nicht leisten. Ein Problem bleibt auch die Wasserversorgung. Und wenn es regnet, fällt oft der Strom aus.

Im «Cosmeticos Naturales de Mazunte» an der Hauptstraße scheint das Geschäft aber zu brummen. Die Regale sind gefüllt mit Lippenbalsam aus Eukalyptus, Kokosnuss-Sonnencreme und Kakao-Feuchtigkeitslotion. Der Laden beschäftigt 13 Angestellte. Zwei beugen sich im Labor über einen riesigen Herd und einen großen Mixer. «Sie machen unsere neue Sportcreme», erklärt Epitacia Galvan Salinas und lächelt stolz. Sie arbeitet seit acht Jahren in dem Laden, den eine Dorfkooperative betreibt. «Wir starteten mit sieben Produkten, heute sind es 15.» Die Zutaten stammen aus der Gegend. Neben Kosmetik werden organischer Kaffee, Schokolade und Küchenwerkzeuge aus Holz verkauft.

Einige Meilen die Straße hinunter, gleich neben dem Escobilla-Strand, wo die Schildkröten ihre Eier legen, wartet eine Gruppe von Touristenführern auf Kunden. Sie führen die Urlauber durch die Krokodillagune mit dem schönen Namen Agua Dulce («süßes Wasser»). Frösche quaken, Störche landen im seichten Wasser, Iguane und Süßwasser-Schildkröten sonnen sich auf den Felsen.

Oben in den Bäumen sollen sogar Boas auf Beute lauern, versichert der Guide Edgar Vasquez. Während er durch die Lagune rudert, deutet er auf ein vier Meter langes Krokodil neben dem Boot. «Das ist Jim Morrison», sagt Vasquez. «Er ist der Größte. Wir schätzen, dass er 75 bis 80 Jahre alt ist.» Die Tour kostet 35 Pesos für eine Stunde, rund zwei Euro - nicht viel für Europäer oder Amerikaner. «Ich habe meine Kollegen gefragt, ob wir mehr Geld verlangen sollen. Aber sie fürchteten, dass keiner mehr kommen würde.» Schon heute gehen die Führer an manchen Tagen ohne einen Peso nach Hause, klagt Vasquez.

Zumindest für eine Gruppe von Besuchern aber ist der Ökotourismus in Mazunte in jedem Fall eine große Erfolgsgeschichte. Vor dem Jahr 1989 kamen durchschnittlich 200 000 Schildkröten zum Strand von Escobilla, um ihre Eier dort abzulegen. Heute sind es eine Million.

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