Unterwegs entlang der tschechischen Elbe
Während der deutsche Teil der Fernroute schon sehr bekannt ist, können Radwanderer im Nachbarland noch viel Unbekanntes entdecken. Foto: Petr Polak

Während der deutsche Teil der Fernroute schon sehr bekannt ist, können Radwanderer im Nachbarland noch viel Unbekanntes entdecken. Foto: Petr Polak

Radfahrer auf dem Elberadweg in Decin. Foto: Petr Polak

Jiri Stejskal bietet in Hradec Kralove selbstgeröstete Kakaobohnen an. Foto: Michael Juhran

Silber machte Kutna Hora Ende des 13. Jahrhunderts zu einer der reichsten Städte Böhmens. Foto: Michael Juhran

Die Altstadt von Kutna Hora gehört zum Unesco-Welterbe - hier der Dom der heiligen Barbara. Foto: Michael Juhran

In Melnik befindet sich der Zusammenfluss von Elbe und Moldau. Foto: Libor Svacek

In Libotenice befindet sich die größte Ostereiergalerie Tschechiens. Foto: Michael Juhran

Die Nationalsozialisten errichteten in der Stadt ein Konzentrationslager. Von rund 141 000 in Theresienstadt internierten Juden überlebten nur rund 19 000. Foto: Libor Svacek

Svens Freund Ivo Jirousek (r) bringt die Radler mit seinem Boot «Marie» von Cirkvice nach Usti nad Labem. Foto: Michael Juhran

Der tschechische Teil des Elberadwegs hat viel zu bieten - darunter prächtige Barockarchitektur, Hopfenfelder, Weingüter und Sandsteinfelsen. Foto: dpa-infografik

dpa, Bild 1 von 10

Während der deutsche Teil der Fernroute schon sehr bekannt ist, können Radwanderer im Nachbarland noch viel Unbekanntes entdecken. Foto: Petr Polak

Kuks (dpa/tmn) - Das Grün der Elbauen, barocke Stadtarchitektur, die Basaltfelsen des Böhmischen Mittelgebirges: Der tschechische Teil des Elberadwegs verspricht viele Höhepunkte.

Leider regnet es am Anfang der Tour in Strömen. Tourguide Sven Czastka schlägt deshalb vor, den ersten Abschnitt der Mehrtagesroute von der Elbquelle bei Spindlermühle im Riesengebirge bis nach Kuks zu überspringen. «Es kann ja wohl nicht fünf Tage am Stück regnen», sagt er.

Zumindest in Kuks bleibt das Wetter aber schlecht. Bevor die ersten Kilometer auf dem Elberadweg gemacht sind, geht es also erst einmal in das barocke Kloster, das aufwendig renoviert wurde. Zu sehen gibt es Wandgemälde und Skulpturen aus dem 17. Jahrhundert.

Beim Radeln ist dann Demut gefragt: Dicke Tropfen prasseln auf den Asphalt. Nach 38 Kilometern sind die Finger in Hradec Kralove klamm. Glücklicherweise hat Jiri Stejskal in dem Ort vor sechs Jahren seine Chocolaterie «Jordi's chocolate» eröffnet. Er begrüßt durchnässte Radler mit Chili-Schokolade und Rum.

Die Idee für den tschechischen Teil des Elberadwegs wurde 2008 bei einer Konferenz in Prag ins Leben gerufen, man arbeitete eng mit deutschen Partnern zusammen. 2012 erschien ein erstes gemeinsames Handbuch zum Elberadweg.

Am nächsten Morgen ist der Himmel zwar noch grau, aber er hat seine Schleusen geschlossen. Zeit für einen Abstecher zur Pferderennbahn von Pardubice. Dort tragen gerade Einspänner mit sportlichen Kutschen einen Wettkampf aus. Einige Kilometer weiter führt die Route am Nationalgestüt von Kladruby vorbei. Mit wehenden Mähnen tollen leichtfüßige Altkladruber auf den sattgrünen Koppeln - eine der ältesten europäischen Pferderassen.

Weiter geht es jedoch im Sattel des Elektro-Fahrrads. Das Tagesziel ist Kutna Hora. Die Stadt liegt etwas abseits der Elbe, aber der Umweg lohnt sich. Silber machte Kutna Hora Ende des 13. Jahrhunderts zu einer der reichsten Städte Böhmens. Heute gehört die Altstadt zum Welterbe der Unesco, und der Dom der heiligen Barbara versetzt Besucher mit seiner Architektur ins Staunen.

Auf dem Weg über Brandys nad Labem nach Melnik geht es in Stara Boleslav an der Basilika vorbei, an deren Pforte einst Wenzel, der tschechische Nationalheilige, von seinem Bruder ermordet worden sein soll. Hinter Kostelec folgt ein steiniger, holpriger Weg. In den schmalen Fahrrinnen erweist sich das schwere und damit nicht sehr wendige E-Bike als unvorteilhaft. Nach etwa 70 Kilometern ist Melnik erreicht.

Am nächsten Morgen vertreibt die Sonne den Elbe-Nebel schnell. Nächstes Ziel: die größte Ostereiergalerie Tschechiens in Libotenice mit unzähligen gewachsten, gebatikten, gekratzten und mit Stroh beklebten Eiern in allen Farben. An den kunsthandwerklichen Meisterstücken hätte auch Fabergé seine Freude.

Weiter nach Terezin - Theresienstadt. Die Nationalsozialisten machten die Stadt zu einem Konzentrationslager für die Juden Böhmens und Mährens. Von rund 141 000 in Theresienstadt internierten Juden überlebten nur rund 19 000. Mehr als 33 000 Menschen starben dort, etwa 88 000 wurden deportiert und meist in anderen Lagern getötet.

Kurz hinter der Stadt beginnt der schönste Abschnitt der Radtour. An den Ausläufern des böhmischen Mittelgebirges geht es erst an Hopfenfelder vorbei und dann zu Weingütern. Vor langer Zeit reihte sich hier ein Vulkankegel an den anderen. Die vulkanische Asche gibt dem Boden noch heute eine besondere Mineralität, die auch dem Wein zugute kommt.

In Usti nad Labem steht die Schreckensburg auf dem Programm. Es geht bergan, dank E-Bike kein Problem. Von oben hat man eine gute Aussicht auf die Industriestadt, die zunächst nicht allzu spannend wirkt. Die Innenstadt präsentiert dann aber eine interessante Mischung aus barocker Architektur, Jugendstil und Plattenbau.

Die letzte Etappe führt über 28 Kilometer von Usti nach Decin, das ein «Mekka für Aktivtouristen» ist, wie Czasta sagt. Hier geht es sportlich zu: Auf der Elbe sind viele Kajakfahrer und Menschen in Schlauchbooten unterwegs. Mountainbiker und Wanderer zieht es auf die Sandsteinkämme, es gibt auch Klettersteige.

Von Decin aus sind es nur noch wenige Kilometer bis Schmilka auf deutscher Seite. Hier türmen sich die Sandsteinfelsen beiderseits der Elbe auf. Die Natur zeigt sich auf dem letzten Abschnitt dieser 243 Kilometer langen Radtour noch einmal von ihrer schönsten Seite.

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer