Rudolfo Müller führt Wanderer durch das hügelige Alentejo im äußersten Südwesten Portugals. Foto: Bernd F. Meier/dpa-tmn
Rudolfo Müller führt Wanderer durch das hügelige Alentejo im äußersten Südwesten Portugals. Foto: Bernd F. Meier/dpa-tmn

Rudolfo Müller führt Wanderer durch das hügelige Alentejo im äußersten Südwesten Portugals. Foto: Bernd F. Meier/dpa-tmn

Knallbunte Blumenwiesen gibt es in der Provinz Alentejo. Menschenleer erscheint die Landschaft. Foto: Bernd F. Meier/dpa-tmn

In den Dünen von Almograve ist im tiefen Sand Kondition gefragt. Foto: Bernd F. Meier/dpa-tmn

Auf dem Rundweg von Carrapateira leiten Holzstege über lockeren Sand hinweg zu Aussichtsplattformen auf den Klippen. Foto: Bernd F. Meier/dpa-tmn

Der Leuchtturm steht am Cabo de São Vicente, dem Namensgeber des Wegenetzes. Foto: Bernd F. Meier/dpa-tmn

Vor Jahren entdeckte António Ferreira den Ort Pedralva, in dem nur noch neun Einwohner lebten - heute ist es ein Gästedorf. Foto: Bernd F. Meier/dpa-tmn

Im Dörfchen Pedralva wurden 24 Häuschen zu Gästewohnungen ausgebaut. Foto: Bernd F. Meier/dpa-tmn

Archäologen haben auf einer Landzunge die Reste einer maurischen Fischersiedlung aus dem zwölften Jahrhundert freigelegt. Foto: Bernd F. Meier/dpa-tmn

Rudolfo Müller ist Schweizer. Ihn verschlug es in den 1980er Jahren in diese Ecke am südwestlichsten Rand von Europa. Foto: Bernd F. Meier/dpa-tmn

Carrapateira gilt unter Wellenreitern als Hotspot. Surfer beleben hier die Strände. Foto: Bernd F. Meier/dpa-tmn

Auf dem Fischerpfad weht stets der salzige Wind vom Atlantik her. Foto: Bernd F. Meier/dpa-tmn

Furchtloser Fischer: An der Küste führt der Fischerpfad Trilho dos Pescadores direkt an den Klippen entlang. Foto: Bernd F. Meier/dpa-tmn

Geprägt von herber Romantik ist der Fischerpfad Trilho dos Pescadores. Foto: Bernd F. Meier/dpa-tmn

Die Rota Vincentina verläuft im Westen Portugals. Foto: dpa-infografik GmbH

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Rudolfo Müller führt Wanderer durch das hügelige Alentejo im äußersten Südwesten Portugals. Foto: Bernd F. Meier/dpa-tmn

Alentejo (dpa/tmn) - «Keep calm - que estamos no Alentejo» - im Sprachenmix macht die Tafel in der Bar von Azenha do Mar unmissverständlich klar: Bewahre Ruhe, Du bist im Alentejo.

Die Uhren gehen anders in der Provinz Alentejo - ein vielzitiertes Klischee, das Wanderer auf dem insgesamt rund 350 Kilometer umfassenden Wegenetz des Weitwanderweges Rota Vicentina erleben. Sanft ist das Hügelland im äußersten Südwesten Portugals hinter der Atlantikküste. Kuhweiden, Haferfelder und knallbunte Blumenwiesen wechseln sich ab mit Wäldern voller Korkeichen. Menschenleer scheint die Landschaft. Nur ab und zu ein Dorf, gekrönt von einer altersschwachen Windmühle.

In dem winzigen Weiler Vale das Éguas stoßen die Wanderer auf Rudolfo Müller, 55, Schweizer, Bauernsohn aus dem Kanton Aargau, den es in den 1980er Jahren in diese Ecke am südwestlichsten Rand von Europa verschlug. Der Liebe wegen, wie er selbst sagt. Er ist Wanderfreund, ein wenig Lebenskünstler wohl und auch Visionär. Zusammen mit einigen gleichgesinnten Einheimischen reifte ab 2008 die Idee, ein Netzwerk von Wanderwegen zu schaffen.

Wanderer an Portugals Südwestküste, im geschützten Land des Naturparks Sudoeste Alentejano e Costa Vicentina? Würden die überhaupt kommen, in diese dünn besiedelte Gegend weitab von allem Trubel, irgendwo im Nirgendwo zwischen Lissabon und den Touristenhochburgen der Algarveküste? Müller und seine Mitstreiter konnten sie überzeugen - die Lokalpolitiker, Touristikexperten und die Regionalfürsten, immerhin aus den beiden Provinzen Alentejo und Algarve, drei Distrikten, fünf Landkreisen und 15 Gemeinden.

Und sie kamen und kommen, die Wanderer. Aus Frankreich, Großbritannien, Deutschland, den Niederlanden, sogar aus den USA und Neuseeland machen sie sich auf den Weg: Genau 213 Kilometer auf dem Caminho Histórico, dem historischen Weg durch uralte Dörfer zwischen Santiago do Cacém im Norden und dem Leuchtturm am Cabo São Vicente, dem Namensgeber des Wegenetzes.

In zwölf Tagesetappen, zwischen zwölf und 25 Kilometer lang, ist der Caminho Histórico aufgeteilt. Manche Wanderer gehen die Strecke komplett, bepackt mit Rucksäcken. Andere nutzen den Gepäcktransport, den die Gastgeber entlang der Route und inzwischen auch Reiseveranstalter als Pauschalarrangements anbieten. «Es gibt Wanderer, die machen den Weg im Schnelldurchlauf. Nur um eine weitere Fernstrecke abzuhaken», hat Müller beobachtet.

Wer so eilig marschiert, dem wird sich das langsame Leben im Alentejo niemals erschließen: Wo die Männer am Morgen auf einen Kaffee in der Bar hocken, die Frauen in den blütenweißen Dörfern auf ein Schwätzchen am offenen Fenster stehen, Störche am tiefblauen Himmel ihre Runden drehen. Und kein Laut über dem hügeligen Bauernland hängt, nur das Knattern eines Mopeds in der Ferne die Stille für Momente unterbricht.

Kürzere Distanzen am Küstenstreifen bieten fünf ausgeschilderte Rundwanderwege im Wegenetz der Rota Vicentina. Die Routen sind zwischen dreieinhalb und gut vierzehn Kilometer lang.

Die kleinen Nachtquartiere am Wegenetz der Rota Vicentina sollten wegen der geringen Zimmerzahl im Voraus gebucht werden: Typisch sind die Landherbergen «Turismo rural», die aus ehemaligen Bauerngehöften entstanden sind.

Ganz einfach haben es die Fernwanderer zwischen Carrapateira und Vila do Bispo: Die Route führt mitten durchs Dörfchen Pedralva, in dem 24 Häuschen zu Gästewohnungen ausgebaut wurden. Das Gästedorf steht beispielhaft für den ruhigen Südwesten der Provinz Algarve: Hotelburgen und Massentourismus gibt es hier nicht - auch das ist die Algarve.

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