Hier ist die Stille das Ziel der Reise. „Nature Watch Tour“ mit klitzekleinen, wunderbaren Entdeckungen.

ÖSTERREICH
Auf Schneeschuhen durch die stille Natur: Berg- und Wanderführer Joakim auf Nature Watch Tour.

Auf Schneeschuhen durch die stille Natur: Berg- und Wanderführer Joakim auf Nature Watch Tour.

Dagmar Gehm

Auf Schneeschuhen durch die stille Natur: Berg- und Wanderführer Joakim auf Nature Watch Tour.

Düsseldorf. „Hier ist ja was los!“ begeistert sich Wolfgang Bacher. Ich schaue mich um und erwarte ein Rudel Wölfe oder eine zumindest eine Herde Gämsen – entdecke aber weit und breit weder Wild noch Wölfe. Nicht mal ein Fuchs schnürt über die Lichtung. Also was ist hier los?

„Hier, im Wasser!“ lenkt der Naturführer meinen Blick nach unten. Dann erfahre ich, wie aufregend auch eine Ansammlung von Eintagsfliegenlarven im halbgefrorenen Wildbach sein kann. Ehrlich: Mindestens genauso beeindruckend wie die großen Waldbewohner.

Auf der winterlichen Nature Watch Tour von Almis Berghotel im Tiroler Obernberg unweit des Brenners, einem ruhigen Seitental des Wipptals, verschiebt sich die Wahrnehmung deutlich. So viel war mir im Geschwindigkeitsrausch auf Skiern bisher immer entgangen.

Die Großartigkeit im Winzigen entdecken

Die absolute Stille, die Lust am Entdecken, die vielen großen und kleinen Naturwunder. Ich lerne. Und bewege mich ganz langsam und leise durch die alpine Winterwelt. Ausgestattet mit einem hochwertigen Leih-Fernglas, das jeder Teilnehmer an einer Nature Watch-Tour erhält, erlebe ich die Großartigkeit im Kleinen.

Die Großartigkeit all’ der Lebewesen und Pflanzen, die meist völlig unbeobachtet im Makrobereich existieren und die, wenn man sie mal genauer unter die Lupe des umgedrehten Feldstechers nimmt, so faszinierend sind wie die sichtbaren Wunder des Winterwalds.

Information: Nature Watch Hotels und Angebote im Internet unter www.nature-watch.at/angebote

 

Pauschalangebot: Almis Berghotel, A-6157 Obernberg/Tirol, Aussertal 30, Telefon 0043-5274-87 511. Eine Woche mit Halbpension und Jause für unterwegs sowie zwei Nature Watch Touren kosten 402 Euro, www.almis-berghotel.at

Wie die Larven von Fluginsekten, von Steinfliege, von Kriebelmücken, von Eintagsfliegen im Seebach. Hätten Sie’s gewusst: „Zwei bis drei Jahre leben sie in diesem kalten Wasser“, erklärt Wolfgang, „um nach der letzten Häutung dann nur einen einzigen Tag als Insekt zu leben.“

Expedition auf Schneeschuhen

Der nächste Tag sieht eine längere Tour und einen neuen Nature Watch Guide vor: Berg- und Wanderführer Joakim Strickner. Auf Schneeschuhen stapfen wir durch den verschneiten Wald. Joakim zeigt auf eine abgestorbene Tanne: „Der Baum ist zwar tot“, belehrt der Biologe, „wird aber von verschiedenen Waldbewohnern als Hotel genutzt.

So frisst sich zum Beispiel der Borkenkäfer in den Stamm hinein und legt seine Eier ab, von denen sich später der Grünspecht bedient. So weit entfernt, dass wir ihn nicht stören, in greifbare Nähe heran gezoomt, um jede einzelne Feder zu erkennen – fantastisch!

Unter dem Motto „Das Unsichtbare sichtbar machen“ sind 17 Hotels mit drei bis fünf Sternen dem gemeinsamen Nature Watch-Projekt der Tirol Werbung und Swarovski Optik angeschlossen. Die Häuser bieten ihren Gästen ganzjährig Touren auf ausgewählten Routen in Tirol an. Die Teilnehmer der kleinen Gruppen werden mit den hochwertigen Ferngläsern und dem großen Wander-Atlas von Kompass ausgerüstet und von Nature Watch Guides begleitet, um die spezielle Flora und Fauna der Alpen zu entdecken.

Mit detektivischem Spürsinn verfolgen die Urlauber Spuren im Schnee, von Fuchs, Hirsch, Reh, Mauswiesel, Hermelin und Schneehase. Spurenleser Joakim erklärt: „Zuerst setzte er mit den Vorderpfoten auf“, weiß der Biologe, „dann ‚übereilen’ die Hinterläufe und setzen von außen neben den Vorderpfoten auf.“

Das „T“ im Schnee der Hasenspuren

Stolz wie eine Schneekönigin entdecke auch ich bald das charakteristische „T“ der Hasenspuren und das „V“ der Gämsen.

Auf der verschneiten Steiner Alm holt Joakim eine Schachtel aus dem Rucksack mit ovalen und runden Kügelchen. Grinsend erklärt er ihre Bewandtnis: „Hier seht Ihr getrocknete Losungen von Fuchs, Hase, Reh, Mauswiesel und Hermelin.“

Plötzlich durchdringt ein unglaublich hohes Zirpen die Stille: der Ruf des Wintergoldhähnchens. Mit Vogelstimmen vom Band versucht der Guide, verschiedene Vögel anzulocken.

Zwar hat ihn das Goldhähnchen diesmal nicht erhört, dafür aber hat Joakim eine andere Überraschung: Er führt seine Leute zu einem Naturjuwel auf 1590 Meter Höhe – zu den zwei Obernberger Seen, die im Frühjahr zu einem 16 Hektar großen Gewässer zusammenfließen. Im Sommer steigt durch die Schmelze der Wasserpegel bis zu sieben Meter. So entsteht das Phänomen, dass tatsächlich Forellen durch Wiesenblumen schwimmen, die unter Wasser stehen.

Im August werde ich das mal überprüfen.

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