125 Jahre Kleinbahn «Molli»
«Molli» leistet seit 125 Jahren gute Dienste.

«Molli» leistet seit 125 Jahren gute Dienste.

dpa

«Molli» leistet seit 125 Jahren gute Dienste.

Bad Doberan (dpa) - In Fahrt ist die Dampfeisenbahn «Molli» schon von weitem zu sehen. Die dicken weißen Dampfwolken sind das Erkennungszeichen der Traditionsbahn und eine Erinnerung an längst vergangene Zeiten.

Die Dampfeisenbahn «Molli» hat viel erlebt in den vergangenen 125 Jahren. Der 7. Juni 2007 wird den Verantwortlichen aber noch lange in Erinnerung bleiben. An diesem Sommertag stürmten etwa 1500 Gegner des Gipfels der acht wichtigsten Industrienationen (G8) im nahen Heiligendamm die «Molli»-Gleise, um die Fahrt von Journalisten aus Kühlungsborn ins Tagungshotel zu verhindern.

Aus wirtschaftlicher Sicht ist der G8-Gipfel der «Molli»-Geschäftsführerin Angelika Münchow trotz dieser kurzfristigen Betriebsunterbrechung in bester Erinnerung. Mit dem rauchenden Ungetüm waren 2007 rund 630 000 Menschen zwischen Bad Doberan und Kühlungsborn befördert worden - so viele Fahrgäste wie nie zuvor. Zudem hatte der Gipfel für das denkbar beste Marketing gesorgt, «Molli» war weltweit bekannt. Am Wochenende (5. - 7. August) wird in Bad Doberan der 125. Geburtstag der Mecklenburgischen Bäderbahn «Molli» gefeiert.

2010 waren es noch rund 520 000 Fahrgäste, die meisten von ihnen Touristen. Sie ließen sich mit einer den fünf Lokomotiven, die täglich auf schmaler Spur (Spurweite 900 Millimeter) mit Dampf und Gebimmel unterwegs sind, in längst vergangene, eher verträumte Zeiten zurückversetzen. Mit dabei sind immer viele Molli-Fans, die nach Worten der Marketing-Beauftragten Inka Degner von der Bahn gar nicht genug bekommen können.

Doch auch im Vergleich zu «normalen» Jahren ist derzeit ein Rückgang zu beobachten. Schuld daran sei wohl, dass auch Touristen verstärkt auf ihre Urlaubskasse achten müssen. Mit Themenfahrten wie Touren zum Bad Doberaner Münster oder ins Grand Hotel nach Heiligendamm wird versucht, eine neue Klientel zu begeistern, sagt Degner. Zu dieser Begeisterung sollen auch die Dampflok- Erlebniswochenenden beitragen, an denen die Fans den Lokführern über die Schulter schauen können. Diese Schnupperkurse für jeweils vier «Amateur-Lokführer» sind schon lange im Voraus ausgebucht.

Eine Sensation - nicht nur für diese großen Eisenbahnfans - war die Inbetriebnahme der neuen Lok vor zwei Jahren. Der erste deutsche Dampflok-Neubau seit fast 50 Jahren kostete 2,5 Millionen Euro. Die Lok war im thüringischen Meiningen in 15-monatiger Arbeit gebaut worden.

Seit 1976 ist «Molli» als Denkmal der Verkehrsgeschichte registriert und wurde schon in mehreren Fernsehfilmen gezeigt. Sie spielt damit, ebenso wie der «Rasende Roland» auf Rügen, eine zentrale Rolle im Marketing des Landestourismusverbands. «Sie sind Zeichen des entstehenden Fremdenverkehrs in Mecklenburg-Vorpommern», sagt Verbandsgeschäftsführer Bernd Fischer. Ende des 19. Jahrhunderts seien auch die in vielen Ostseestädten noch sichtbar klassische Bäderarchitektur oder auch die Bäderschifffahrt, beispielsweise zwischen Stettin und Binz, entstanden. «Was für den Balkan der Orient-Express, sind 'Molli' und der 'Rasende Roland' für Mecklenburg-Vorpommern», betont Fischer.

Nach Ende der Saison wird es für mindestens fünf Monate ruhig zwischen Bad Doberan und Kühlungsborn. Grund sind fünf Baustellen auf der 15,4 Kilometer langen Strecke. «Um den Zeitplan einzuhalten, muss der Wettergott mitspielen», sagt Münchow.

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