Dünne Luft, perfekte Pisten und ehrfürchtiges Staunen über die Alpen – wer hier abfährt, wird eins mit der Natur.

Neuschnee auf den Pisten und das Panorama des Matterhorns: Die Skisafari beeindruckt mit Höhenmetern.
Neuschnee auf den Pisten und das Panorama des Matterhorns: Die Skisafari beeindruckt mit Höhenmetern.

Neuschnee auf den Pisten und das Panorama des Matterhorns: Die Skisafari beeindruckt mit Höhenmetern.

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Neuschnee auf den Pisten und das Panorama des Matterhorns: Die Skisafari beeindruckt mit Höhenmetern.

Zermatt. Es ist kalt im Dörfli. Klirrendkalt. Wir folgen unseren Atemwolken zur Sunegga-Bahn. Mit der ersten Gondel entschweben wir den Schatten des Zermatter Tals. Oben auf dem 3103 Meter hohen Rothorn fegt eine schneidige Morgenbrise jegliche Müdigkeit aus den Knochen.

Normalerweise würden wir gleich loslegen - zumal bei der Matterhorn Ski Safari 12500Höhenmeter auf dem Programm stehen - wohlgemerkt ohne eine einzige Gondel, eine Sesselbahn oder einen Schlepplift zweimal zu fahren. Und ohne eine einzige Abfahrt zu doppeln.

Aber wir halten erstmal auf der Aussichtsplattform inne. Sage und schreibe 33 Viertausender erröten zusehends im Morgenlicht. Jeder einzelne dieser Berge ist wunderschön, aber ein kurzer Blick in die Runde genügt und schon steht fest: Das 4478 Meter hohe Matterhorn ist ein Geniestreich unter den Berggipfeln dieser Welt.

Die Sonne strahlt jetzt voll in die verschneite Ostwand des "Hörnlis", wie die Zermatter ihr Weltwunder liebevoll nennen, und wärmt uns den Rücken. Wir werden eins mit der Natur und klinken uns ganz still in ein kitschiges, aber überwältigendes Postkartenmotiv ein.

Selbst die Skilehrer, die dieses Spektakel eigentlich auswendig kennen, genießen die frühe Vorstellung der Natur ehrfürchtig. Erst als auch der letzte Grat der Gipfelpyramide im Sonnenlicht aufleuchtet, nicken sie zufrieden und steigen auf die Ski. Auf einer lockeren Pulverauflage schweben wir jetzt wie benommen an der Fluhalpe vorbei. Immer wieder bleiben wir stehen und bestaunen das geologische Wunder Matterhorn.

Zermatt ist ein autofreier Kurort. Mit dem Auto über Zürich oder Basel nach Bern, Thun, Spiez und über die Autoverladestation Kandersteg-Goppenstein, durch den Lötschbergtunnel nach Visp und Täsch (ab München 490km, etwa sechs bis sieben Stunden). Mit dem Zug ab München über Stuttgart, Zürich, Visp, Täsch nach Zermatt (Internet: www.bahn.de).

Tageskarte international 78Schweizer Franken (etwa 52 Euro). Broschüre "Matterhorn Safari" an den Talstationen gratis.

Zermatt Tourismus, Bahnhofplatz, Postfach 247, CH-3920 Zermatt, Telefon 0041/27/9670181.

Die Gondel zum Hohtälli bringt uns wieder auf 3286 Meter Seehöhe. Auf jungfräulichen Hängen mit majestätischer Breite ziehen wir weite Schleifen bis hinunter nach Riffelalp. Mit der altehrwürdigen Gornergrat-Zahnradbahn tuckern wir danach gemächlich zum Riffelberg bergan. Die Nase fest an die Scheiben gepresst, saugen wir immer noch gierig dieses Mega-Panorama auf.

Mit dem Sessel gleiten wir zwischen monströsen Werbetafeln zum Gifthittli hoch. Darauf lächeln Ex-James Bond Pierce Brosnan und Cindy Crawford im kleinen Schwarzen charmant für eine Uhrenmarke. Die blaue Piste ist fein planiert. Es läuft gut.

Wir schwingen Vollgas an einem Igludorf vorbei. Doch ein Tumult zwingt uns wenig später doch zur Vollbremsung. Ein Unfall? Nein, weit gefehlt. Ein kalbsgroßer Bernhardiner posiert mit obligatorischem Rumfass und verspiegelter Sonnenbrille vor dem Matterhorn. Die halbe Welt und noch einmal so viele Japaner stehen Schlange, um zu fotografieren.

In Furi werfen wir einen ersten Blick auf die Route. Den Mini-Faltplan dazu gibt es überall in Zermatt gratis. Aha, zuerst hoch nach Schwarzsee. Zum Glück ist die Safari noch zusätzlich durchgehend mit eigenen Schildern markiert. Denn der Mix aus dünner Luft, perfekten Pisten und großartiger Optik erzeugt jede Menge Adrenalin.

In dieser Euphorie kann angesichts von 313Pistenkilometern und mehr als 60 Seilbahnen der rote Faden schon mal verloren gehen. Ein kurzer Rutscher über den Theodul-Gletscher bringt uns zum Trockenen Steg. Dann jubelt das Höhenmeter-Konto: Die Großkabine hievt uns auf 3883 Meter hinauf. Das ist Spitze - europäischer Rekord.

Auf Skitouren-Freaks wartet hier der am leichtesten zu befahrende Viertausender der Alpen - das 4165 Meter hohe Breithorn. Es wird von einem gewaltigen überhängenden Eisbalkon gekrönt. Richtig eisig geht es auch im Gletscherpalast zu. Eine steile Röhre führt direkt in die riesige, bläulich schimmernde Eisgrotte.

Funkelnde Eisskulpturen und eine kleine Eisbar schaffen ein gemütliches Lounge-Ambiente. Der weite Theodul-Gletscher gleicht einer Autobahn. Trotz bestem Wetter pendelt sich die Temperatur hier oben bei minus 15 Grad ein. Ein Hoch auf unsere Gesichtsmasken.

Ein Schlepper zieht uns hoch zur Testa Grigia. Die verwehte Kante markiert die italienische Grenze. Nur wer ein paar Fränkli Aufpreis für die internationale Liftkarte investiert hat, der darf auch die italienischen Lifte nutzen - Voraussetzung auch für die 12500 Höhenmeter-Safari. Wir überqueren die Rösti-Pasta-Schnittstelle, der Blick nach Süden gibt eine ganze Reihe weiterer Gipfelketten preis.

An solchen Tagen reicht der Blick bis zur mächtigen Eiskappe des Mont Blanc. Im Pingpong-System sammeln wir weitere Tausender für unser Höhenkonto.

Runter ins Tal nach Breuil-Cervinia, hoch zur Testa Grigia für eine Stippvisite in der Schweiz und wieder runter zum italienischen Plan Malson. Die Sonne wandert bereits hinter das Matterhorn und beleuchtet es raffiniert. Die Grate wirken kühn, unbezwingbar.

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