Hier lockt Frankreich mit der Côte sauvage und mit edlen Meeresfrüchten.

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Fort Louvois, eines der mächtigen Bollwerke zum Schutz der Atlantikküste im Becken von Marennes.

Fort Louvois, eines der mächtigen Bollwerke zum Schutz der Atlantikküste im Becken von Marennes.

Wilhelm Kropp

Fort Louvois, eines der mächtigen Bollwerke zum Schutz der Atlantikküste im Becken von Marennes.

Düsseldorf. Das Meer braust und schlägt stürmisch gegen die steilen Ufer an der Côte sauvage in der Nähe der Stadt Marennes, die der Île d’Oleron gegenüber auf dem Festland liegt. Am Himmel türmen sich immer wieder Wolkengebirge auf, die der Wind vor sich her treibt.

Wer hierher kommt, tut es aber nicht nur der Sonne und des Meeres wegen. Die Gegend um Marennes ist bekannt unter Liebhabern für eine besondere Meeresfrüchtespezialität, von hier kommen die Marennes - Oleron - Austern, die ihrer leicht grünlichen Farbe wegen für Gourmets eine begehrte Delikatesse darstellen.

Von Austernparks und Mastbecken

Marennes schmückt sich mit dem Namen "Austernstadt". Alles dreht sich um Austern. Mastbecken liegt neben Mastbecken, sie teilen das Land in unregelmäßige, vom Wasser schimmernde Rechtecke. In ihnen werden die Edelmuscheln zwischengelagert, damit sie sich für den vollendeten Genuss von Sandpartikeln und anderen, den Geschmack beeinträchtigenden Beimengungen befreien können.

Sie vollziehen, kurz gesagt, einen Klärungsprozess. Daher heißen sie denn "Fines de claire", und wegen des grünlichen Farbtons, den sie durch ein besonderes Pigment im Laufe ihres Wachstums erhalten, hört man oft "Fines de claire vertes".

Hinter dem Luxus steckt viel harte Arbeit

Überall lassen sich Austern probieren, natürlich auch in dem kleinen Hafen, der etwa drei Kilometer weiter vom Stadtzentrum entfernt liegt und der einen abenteuerlich klingenden Namen trägt: Port de La Cayenne. Bilder von Verbannung und Fiebersümpfen, von undurchdringlichem Urwald tauchen auf, aber weit gefehlt, kleine, in bunten Farben gestrichene Hütten geben dem Ort ein freundliches Gepräge.

Mit dem Auto kommt man relativ zügig über die Autoroute10 von Paris in Richtung Bordeaux nach Marennes. Kurz vor Bordeaux verlässt man die A10 bei Saintes/Royan über die Ausfahrt 35. Eine weitere Möglichkeit bietet der Zug: Von Paris-Montparnasse fährt man mit dem TGV nach Angouleme. Hier steigt man dann in den Train Express Regional nach Saintes/Royan.

In und um Marennes findet man Hotels Ferienwohnungen und Campingplätze in allen Kategorien. Ferienwohnungen kosten je nach Ausstattung um 800 Euro pro Woche. Im Drei-Sterne-Hotel bezahlt man für ein Doppelzimmer zwischen 70 und 80 Euro pro Nacht.

Im nahegelegenen Saintes lohnt ein Besuch des Amphitheaters und des Triumphbogen des Germanicus. In Talmont-sur-Gironde findet man die auf einem Felsvorsprung gelegene romanische Kirche der heiligen Radegunde, die zum Jakobspilgerweg gehört. Wer Cognac liebt, sollte unbedingt Cognac und eine der vielen Brennereien besuchen. Und im Trockendeck von Rochefort liegt eine Rekonstruktion der Fregatte Hermione, mit der der Marquis de la Fayette in die Neue Welt gesegelt ist.

Die Häuschen sind auch Namengeber für den Ort, denn das Wort "Cayenne" hängt mit dem modernen französischen Wort "Cabane" zusammen. Nach Arbeit riecht es, nach viel Arbeit, nicht nach dem Luxus, den das Wort "Auster" suggeriert.

Ausflugsboote bieten Rundfahrten zu den Austernkulturen in der Bucht von Marennes an, sie fahren hautnah an Landungsstegen vorbei, an denen die Züchter ihre Fracht abladen. Hier kann man ihnen bei der Arbeit zuschauen, wenn sie die prall gefüllten Säcke von flachen Spezialbooten hieven und schließlich mit geübtem Griff und kennerischem Auge Auster für Auster nach Größe und Form sortieren. Wo könnte man die Edelmuschel frischer probieren als hier? Pur, ohne jeden Firlefanz und jedes falsche Getue, von frischem Meerwind umweht und den Blick auf die Wellen gerichtet.

Spiel der Naturgewalten an der Küstenlandschaft

Wer danach nun das Meer in seiner stürmischen Variante erleben will, der muss unbedingt die Côte sauvage besuchen, eine fragile, vom Wind durchbrauste und zersauste Küstenlandschaft. Sie erstreckt sich südlich von Marennes in Richtung Royan. In leichten Kurven führt eine Straße durch Nadelwälder, hinter denen man das Meer schon ahnt.

Über den Dünen erhebt sich in rotem und weißem Anstrich leuchtend der Leuchtturm von la Coubre. In seiner Funktion ist er zwar längst abgelöst durch Radar und GPS. Aber welche nostalgischen Träume löst dieses Bild aus!

Der Fußweg in Richtung Meer führt durch Pinienwälder, in denen Zikaden ohrenbetäubend lärmen. Schmal winden sich Pfade die spärlich bewachsenen Dünenkämme hinan. Hat man sie erklommen, ergibt sich ein weit den Horizont streifender Blick über Strände und gischtendes Meer. Hier kann der, der seine Erholung in der Sonne, am Sandstrand und am Meer sucht, sein Badelaken im vor Trockenheit knirschenden Sand ausbreiten und Sonne tanken.

Fort du Louvois - Bollwerk im Becken von Marennes

Weiter nach Norden, in Richtung Île d’Oleron, gelangt man nach Bourcefranc-le- Chapus, einem winzigen Fischerdorf. Von hier hat man einen wunderbaren Blick auf die Brücke, die die Insel Oleron mit Marennes auf dem Festland verbindet. Sie schwingt sich in einem eleganten Bogen über das Becken von Marennes.

Vom Bogenscheitelpunkt fällt der Blick hinab auf ein Fort, das auf den Fluten zu schwimmen scheint. Es ist das Fort von Louvois, dessen Sockel nur bei Ebbe aus dem Meer auftaucht. Es wurde gebaut, nachdem die heute im Hinterland gelegene, aber noch fast vollständig erhaltene Festungsstadt Brouage ihre Funktion eingebüßt hatte. Sie ist im Lauf der Zeit verlandet.

Kein Geringerer als der berühmte französische Festungsbaumeister Vauban hat das Fort für die Verteidigung gegen englische Angriffe zu Zeiten Ludwigs des XIV. angelegt. Es ist als Zeugnis der Zeit renoviert worden. Im Zweiten Weltkrieg ist es lange von deutschen Truppen belagert und durch Artilleriebeschuss stark beschädigt worden.

Heute dient es als Museum, dessen Schwerpunkt neben den Fortifikations-Anlagen ein Austernmuseum ist. Bei Ebbe kann man es über einen gemauerten Steg zu Fuß erreichen. Rechts und links heben sich bei sinkendem Wasser langsam die vom Tang grün schimmernden Austerntische aus dem Meer. Irgendwo stehen dann Züchter in hüfthohen Gummihosen im Schlick, um ihren kostbaren Zuchterfolg zu kontrollieren.

Von Meer und Austern gesättigt kann, wer nun andere Genüsse sucht, das Städtchen Cognac besuchen. Im Musée du Cognac erfährt man alles Wissenswerte über die edle Spirituose, Verkostung inbegriffen.

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