26 neue Skulpturen bringen Formen und Farben an den Nordseestrand.

Beaufort. „Beaufort 04“, die vierte Triennale für Gegenwartskunst, beschert Flanderns Skulpturenpark längs der Nordseeküste 26 neue Exponate internationaler Künstler. Fast alle können bequem mit der Straßenbahn („Kunsttram“) erreicht werden. Hier eine Auswahl.

„Kerl, wat man aus Sperrmüll allet machen kann“, staunt ein aus Essen angereister Besucher im Jachthafen von Zeebrugge. Der Betrachter irrt: Was da zwischen zwei Seecontainern stapelt, ist kein ausrangiertes Mobiliar, sondern Umzugsgut.

Grüne und blaue Stahlkisten

Der schwedische Aktionskünstler Michael Johansson hat für „The move overseas“ Teile einer Wohnungseinrichtung lückenlos ineinander verschachtelt.

Möbel, Herd, Kühltruhe, Fernseher, Radio, Rechner, Spülbecken, Lexika, Benzinkanister, Kisten und Koffer sind genau auf die Maße der rechteckigen Transportbehälter zugeschnitten, wirken zwischen den blauen und grünen stählernen Kisten wie der Inhalt einer überdimensionalen Schrankwand.

Technische Gebrauchsgegenstände bevorzugt der Düsseldorfer Stefan Sous. Nahe am Hafen, in der Siedlung „Admiraal Keyes-plein“, ist sein neues Werk zu sehen. „Sanssouci“ zeigt eine Gruppe hoffnungslos in sich verkeilter Campingwagen. Der Verkehr steht still. Nichts geht mehr in der Wagenburg! Sous, Schüler des in Wuppertal ansässigen Bildhauers Tony Cragg, setzte bereits mit den Lichtbändern der Reitallee im Düsseldorfer Hofgarten Akzente.

Eine Tram verbindet die Kunstobjekte

Am Strand von Wenduine bei De Haan windet sich der „Sandworm“ durch die hügeligen Dünen. 45 Meter lang, zehn Meter hoch und breit ist der geschwungene Tunnel aus Weidengeflecht. Der finnische Architekt Marco Casagrande und Team verankerten ihn sturmfest. Der Ort solle Stätte der Begegnung werden, für Meditation, Picknick oder einfach ein schattiges Plätzchen an heißen Nordsee-Sonnentagen.

Schon bei der Anfahrt mit der Tram erkennt man den Beitrag des Belgiers Nick Ervinck am Strandabschnitt Bredene. Es scheint, als reckten sich die gewaltigen Flügel eines Urzeitriesen in den Himmel. Das acht Meter hohe, gelbe Monument „Olnetop“ stemmt sich mit stählernen Beinen gegen die Wellen, Mahnung an den ewigen Wechsel der Gezeiten.

Nicht weit davon ufern drei umgebaute Container. Die junge Estin Flo Kasearu hat sie zu Booten verformt, gibt „Coast to coast“ eine Doppeldeutung – Frachtverkehr oder einfach nur nutzlose, vergessene Objekte?

Ob winzige Miniaturen oder großvolumige Kreationen – der Italiener Ivars Drulle beherrscht beide Techniken. In Middelkerke-Westende trumpft er mit „I can hear it“ kräftig auf. Zwei 13 Meter lange stählerne Hörner schmücken den Strand in Höhe des denkmalgeschützten Rundbaus des „Hotel Bellevue“ (1909). Am Mundstück wartet die Bronzeplastik einer Schönheit aus der Belle Epoque auf Anschluss. Der freie Platz auf der Bank neben ihr ist begehrtes Fotomotiv. Der wie aus einem Kinderbaukasten entlehnte Raupentraktor „Caterpillar 5BIS“ auf der Promenade ist ein Ankauf der letzten Triennale.

Die höchste Düne misst 33 Meter

Die mit 33 Metern höchste Düne der Küste liegt im Naturreservat Hooge Blekker bei Koksijde. Sie bedeckt ein Feld aus Hunderten sechs Meter hohen Aluminiumstäben. Die dreibeinigen Konstruktionen wiegen sich im Wind und strahlen mit dem Licht der Sonne. Mit „Tripods“ schlägt der Litauer Zilvinas Kempinas mit Wahlheimat New York ein weiteres Kapitel seines Schaffens auf.

Der zweite weibliche Beitrag, „The wanderer“, stammt von der Zypriotin Melita Couta. Sie wählte ein Motiv aus der griechischen Mythologie: Ein Faun mit goldenem Horn reckt sich auf einer geschwungenen Strebe hoch über den Strand von Koksijde-Oostduinkerke. Die linke Hand der Figur hält einen goldenen Fisch. Das Gesicht starrt hinaus aufs Meer, der offene Mund bläst den Wind, trinkt den Regen.

Die in Niewpoort stationierten Exponate leben von der Dunkelheit. Im alten Munitionsdepot Bommenvrij verzaubert „Location (8)“ des Belgiers Hans Op de Beeck, eine vom Film-noir-Kino inspirierte Fortsetzung seiner Dokumentation auf der Biennale in Venedig. Über einem von Wasser umsäumten hölzernen Steg tastet sich das Publikum in einen runden Ruheraum. Zum Schein von vier Dutzend flackernden weißen Kerzen erklingt leise Sphärenmusik.

Wie ein mächtiger Findling hockt „Erratique“ am Kai. Beton und Maschendraht formen den grauen Klumpen des schweizerischen Brüderduos Chapuisat. Wer das düstere Innere erkunden will, muss mühsam in die verräucherte Höhle kriechen.

Zurück an der frischen Luft, entschädigt schmackhafte Fischsuppe für alle kleine Strapazen.

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