Archipel an der Westküste Afrikas bietet Vulkane, Strände, Steinwüsten.

KAPVERDEN
Besuch auf Boavista: Der Passatwind hält die Dünen von Viana ständig in Bewegung – Spuren im Sand verwischen schnell.

Besuch auf Boavista: Der Passatwind hält die Dünen von Viana ständig in Bewegung – Spuren im Sand verwischen schnell.

Besuch auf Boavista: Der Passatwind hält die Dünen von Viana ständig in Bewegung – Spuren im Sand verwischen schnell.

Düsseldorf. Es sind nicht nur Romantiker, die ein tierischer Muntermacher aus allen Träumen reißt. Der krähende Hahn weckt jeden, der sich in einem kleinen Dorf auf der Hochebene Chã das Caldeiras, am Fuß des Pico do Fogo, von der jüngsten Wanderung erholt. Wäre man jetzt in den eigenen vier Wänden, könnte man sich vorsichtig zum Schalter der Nachttischlampe vortasten.

So aber gilt: Wer keine Taschenlampe dabei hat, muss sich eine Alternative suchen, zückt im Zweifelsfall sein Handy und lässt sich von der Display-Beleuchtung den Weg ins Freie leuchten. Denn der Stromlieferant, den kein Hahnengeschrei stören kann, ist über Nacht außer Dienst. Auch ein Generator braucht seinen Erholungsschlaf.

Leben in der Einsamkeit: Zwischen Tradition und Moderne

In der Casa Marisa ist elektrisches Licht ein kostbares Gut und ab 22 Uhr nicht mehr zu haben. Spätestens morgens, wenn die Pensionsgäste, mit Handys bewaffnet, durch den Innenhof wandern, kommen romantische Naturen deshalb ins Grübeln. Laptops gibt es nämlich. Mustafa Eren hat ein Exemplar vor sich liegen – auf dem Frühstückstisch.

Während die ersten Gäste auf der noch kühlen Kapverdischen Insel auftauen, ist der Hausherr längst bei der Arbeit, sichtet seine Mails und die allgemeine Wetterlage, plant Klettertouren und damit neue Höhepunkte im Ausflugsprogramm der 1600 Meter hoch gelegenen Krater-Landschaft.

Wandern am Vulkan: Fogos faszinierende Felsformation

Denn das Leben auf der Vulkaninsel steckt voller Kontraste und Überraschungen. Fogos faszinierende Felsformation wirkt wie eine karge Mondlandschaft – abgeschnitten vom Rest der Welt. Viel Holz, große Bäume oder üppig blühende Gärten sind am Fuße des 2829 Meter hohen Pico do Fogo („Gipfel des Feuers“) zwar nicht in Sicht.

Lage: Die Kapverdischen Inseln liegen vor der Westküste Afrikas im Atlantischen Ozean. Der tropische Inselarchipel besteht aus neun bewohnten und sechs unbewohnten Inseln.

 

Klima: Das ganze Jahr über herrscht ein warmes und trockenes Klima, das vom Nordostpassat bestimmt wird. Statt vier Jahreszeiten gibt es nur zwei: „Tempo das Brisas“ (Zeit der Winde) von November bis April und „Tempo das Chuvas“ (Regenzeit) von August bis September. Am kühlsten ist es im Januar und Februar mit einer Durchschnittstemperatur von 21 Grad Celsius.

 

Sprache: Die offizielle Amtssprache ist Portugiesisch, die meisten Inselbewohner sprechen das einheimische Crioulo (Portugiesisch mit afrikanischen Sprachelementen). Mitunter verstehen sie auch Englisch oder Französisch. Deutsch wird nur in den großen Hotels gesprochen.

 

Preisbeispiel: Einwöchige Rundreise mit Halbpension, anschließend sieben Übernachtungen im Iberostar Club Boa Vista (All inclusive), mit Flug ab Frankfurt: ab 2599 Euro pro Person bei Buchung bis 29. Februar (Neckermann).

 

Information: Botschaft der Republik Kap Verde, Stavanger Straße 16, 10 439 Berlin, Telefon 030/20 45 09 55. Weitere Infos gibt es im Netz unter www.embassy-capeverde.de

Dafür wächst das Staunen Schritt für Schritt – mit jeder Pflanze, die sich aus dem Boden schält. Pfirsiche, Papaya, Kongobohnen, Quitten, Tomaten und sogar Weinreben: Wanderführer Adi (29), der eigentlich Kreolisch spricht und nun nach englischen Vokabeln sucht, findet jedes noch so kleine Gewächs und zeigt darauf, als sei es ein unverwechselbares Geschenk.

Adi, der dezent durch die schroffe Kraterlandschaft lotst, ist kein Mann der großen Worte – aber ein Freund der Natur. Wer seinen Spuren im weichen, dunklen Lavaboden folgt, riecht Schwefelgeruch und ahnt, was 1995 passiert sein muss, als beim letzten Vulkanausbruch der Pico Pequeño, der kleine Bruder des großen Pico do Fogo, entstanden ist. Noch heute ist das Gestein so warm, dass jede Hand kurz zurückzuckt, wenn sie in kleine Luftlöcher zwischen den kieselgroßen Lavabrocken abtaucht.

Während Mustafa, ein Deutsch-Türke aus Aachen, den Charme des Kraters als Zugezogener entdeckt hat, ist Adi auf 1600 Metern Höhe aufgewachsen. Zwei Insulaner, wie sie kaum gegensätzlicher sein könnten: Der eine wagte den Spagat zwischen den Welten, ist Kletter-Profi und Pensionswirt, der andere scheut verbale Verrenkungen. Mustafa, der ehemalige Europameister im Speed-Klettern, ist um keine schnelle Antwort verlegen – Adi zieht sich lieber zurück. Beide verbindet die Liebe zu „ihrem“ Felskessel. Mit einem Durchmesser von neun Kilometern gibt ihnen das halbkreisförmige Areal ein Gefühl von Geborgenheit und Freiheit, erklären sie.

Das Surferparadies ist ein Schmelztiegel der Kulturen

Deutlich mehr Touristen finden sich auf Sal und Boa Vista: Dünen, Palmen und Steinwüsten, vor allem aber lange Sandstrände und das türkisfarbene Meer bieten die ideale Kulisse für Surf- und Tauchfreuden. Schwimmer sind da klar im Nachteil: Jenseits des Pools ist der Badespaß eine windige Angelegenheit. Den Nordostpassat bekommen auch Schiffe zu spüren: Fähren sind rar gesät oder rechnen sich beim heiteren Inselhüpfen zeitlich nicht.

Aus touristischer Sicht sind die Kapverden im Aufwind. Europäer erwarten einen Hauch von Afrika, vielen Festland-Afrikanern hingegen sind die Kapverdianer (zu) europäisch. So prallen Vorstellungen und Kulturen aufeinander: „Cabo Verde“ – wie die Inselgruppe in der Landessprache Portugiesisch heißt – ist eine Mischung aus portugiesisch-kolonialen Einflüssen, afrikanischer Exotik und brasilianischer Lebensfreude. Wer die Vielfalt erleben will, sollte die Vogelperspektive wählen. Doch auch beim Insel-Hopping müssen Entdecker flexibel sein. Sie sollten Zeit mitbringen – und kommen mitunter sehr viel später als geplant ans Ziel.

Der tropische Archipel ist etwas für echte Abenteurer. Wer keine Fahrt über die wenigen asphaltierten Straßen scheut, wird belohnt – auch in São Filipe, der Hauptstadt von Fogo, die eine Autostunde vom Vulkan entfernt ist. „Früher traf man sich hier, um Musik zu machen“, sagt Auswanderin Helga Amado. Die 47-jährige Kölnerin zeigt auf den Pavillon vor dem Rathaus in São Filipe, an dem heute Laptops den Ton angeben: Internet-Surfer treffen sich am dortigen „Hotspot“.

Die Musik spielt nun nur noch oben – im Vulkandorf, in dem die Bewohner den Tag mit Geigen und Tanz ausklingen lassen. Dafür, dass den Gästen dabei ein Licht aufgeht, sorgt Marisa, Mustafas Frau. Sie weiß, was Romantiker wünschen: Für alle, die ihr Handy zu Hause gelassen haben, hält sie Kerzen bereit.

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