Im Wood Buffalo-Nationalpark stehen die Chancen gut, Büffel, Bären und den seltenen Schreikranich zu entdecken.

Die Zahl der Büffel hat sich im Wood Buffalo-Nationalpark erholt.
Die Zahl der Büffel hat sich im Wood Buffalo-Nationalpark erholt.

Die Zahl der Büffel hat sich im Wood Buffalo-Nationalpark erholt.

Unterwegs mit Ranger Richard Zaidan in den Salts Flats. Dort lassen sich die seltenen Schreikraniche beobachten. Fotos (2): Oliver Gerhard

Weiß glitzert der Salzsee Grosbeak Lake in der Sonne.

Canadian Tourism Commission, Bild 1 von 3

Die Zahl der Büffel hat sich im Wood Buffalo-Nationalpark erholt.

Wood Buffalo/Kanada. „Was für ein Glück!“ Richard Zaidan deutet in die Ferne und fokussiert dann sein Fernrohr. „Dort hinten steht ein Schreiadler. Den bekommen nur ganz wenige Menschen zu sehen“, sagt der Parkranger. Die Besucher stehen auf einer hölzernen Aussichtsplattform, unter ihnen leuchten Salzseen in der Sonne, dazwischen dunkelgrüne Kiefernhaine und am Horizont scheinbar unendlicher Wald. Durch das Fernrohr ist der „Whooping Crane“ zu erkennen, ein Exemplar der größten Vogelart Nordamerikas: helles Gefieder, schwarze Flügelspitzen und ein roter Fleck auf dem Kopf. „Ich habe in neun Jahren als Ranger selbst erst zwei gesichtet“, sagt Richard.

Der Park wurde zum Schutz der Waldbisons gegründet

Nur noch höchstens 150 Brutpaare gibt es, der Wood Buffalo National Park ist der letzte Nistplatz in freier Wildbahn. Besonders groß war die Population des Schreikranichs, der von Texas bis in den Norden Kanadas durch Amerika pendelt, nie. Mitte des 20. Jahrhunderts sah es so aus, als würde die Art ganz aussterben. Doch dann wurden die letzten Vögel in Wood Buffalo sorgsam vor Störungen abgeschirmt, Zuchtprogramme liefen an. „Der Schreikranich ist nur eine unserer Erfolgsgeschichten“, erklärt der Ranger, während die Gruppe über einen schmalen Pfad ins Tal herabsteigt.

Gegründet wurde der Park 1922 in der Provinz Alberta und den Northwest Territories zum Schutz der letzten Waldbisons. Ihre Zahl war in Kanada von geschätzten 170 000 auf wenige Dutzend zurückgegangen. Später wilderte man zusätzlich Präriebüffel aus, die daraufhin sofort weit nach Süden wanderten. In jedem anderen Land hätte man sie zurückgetrieben – in Kanada erweiterte man einfach die Parkgrenzen. Heute ist Wood Buffalo mit 45 000 Quadratkilometern der größte Nationalpark des Landes.

„Wir haben gerade 17 Feuer unter Beobachtung.“
Richard Zaidan, Ranger

Er umschließt Karstgebiete, Salzebenen und das gewaltige Peace Athabasca-Binnendelta – ein Rastplatz für hunderttausende Zugvögel. „Und jetzt Schuhe aus“, sagt Richard, als die Besucher den Talboden erreichen. Die Füße wühlen in warmem, weichem Salz. „Man sagt, dass es eine ähnlich heilsame Wirkung hat wie am Toten Meer“, sagt der Ranger, als er durch einen schmalen Bach watet. Dessen Wasser ist stark salzhaltig, ebenso wie das vieler von weißen Krusten bedeckten Quellen in den Salt Flats. Dort befand sich einst ein urzeitlicher Meeresboden.

Überall in der Kruste zeichnen sich Tierspuren ab: die breiten Hufe von Büffeln, die Tatzen eines Wolfsrudels und sogar die gewaltigen Pranken eines Grizzlys. Richard freut sich über die Entdeckungen, als wäre er heute zum ersten Mal hier. Doch zum Parkplatz zurückgekehrt, blickt er sorgenvoll auf eine riesige Rauchwolke, die am Horizont steht. Eines von mehreren Buschfeuern in der Region.

„Wir haben gerade 17 Feuer unter Beobachtung“, sagt der Ranger. Keine Katastrophe, sondern Alltag in Wood Buffalo. „Die Brände sind notwendig für die Erneuerung der Wälder. Die Zapfen mancher Bäume wie der Banks-Kiefer öffnen sich nämlich nur unter Hitzeeinwirkung.“ Die Parkverwaltung greift in diesen Prozess nur ein, wenn Gemeinden oder wichtige Straßen bedroht sind.

Auf dem Rückweg ins nahe gelegene Fort Smith, den Sitz der Parkverwaltung, tritt Richard plötzlich auf die Bremse: Ein Dutzend Büffel trottet gemächlich über die Piste, um seine zottigen Schädel auf der anderen Seite wieder in das frische Gras zu versenken, das zwischen verkohlten Baumstämmen wuchert – so profitieren auch die Waldbisons von den Buschbränden.

Gletschersee und Granitbrocken

Am nächsten Morgen riecht die Luft nach Kiefernnadeln und verbranntem Holz, in der Ferne tobt immer noch das Feuer. In Richards Wagen gleiten die Besucher vorbei an Seen und Sümpfen, dazwischen immer wieder gewaltige Biberdämme. Eine Wanderung führt durch einen Espenwald hinab zum Grosbeak Lake, eine der ungewöhnlichsten Landschaften Kanadas. Roter Lehm schmatzt unter den Füßen, dazwischen knirschen die Salzkrusten dieses eiszeitlichen Gletschersees. Rote, gelbe, graue Granitbrocken liegen verstreut über der Ebene, als hätte eine gewaltige Explosion stattgefunden. Die von Quarzbändern durchzogenen Steine sind von Salz und Erosion zerfressen, andere von feuerroten Flechten bedeckt.

Schließlich erreicht die Gruppe das Ufer eines flachen Sees, über den Köpfen krächzen Möwen. „Das Wasser ist so salzig, dass wir beim Baden nicht untergehen würden“, sagt Richard. Das bizarre Gewässer wurde sogar einmal unter „Canadas Best Beaches“ gewählt.

Der Autor reiste mit Unterstützung der Canadian Tourism Commission.

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