Kirsten Feld-Türkis, Chefin von „airtours“ und TUI-Direktorin, über einen touristischen Wachstumsmarkt.

Die Reisebranche hat ein schwieriges Jahr hinter sich, und auch 2010 verspricht nicht leichter zu werden. Mit einer Ausnahme: "Das Geschäft mit Luxusreisen bleibt ein Wachstumsmarkt", so Kirsten Feld-Türkis, der erste "Luxury-Director" bei TUI. Warum blieb das Geschäft mit Luxusreisen von der Finanzkrise weitgehend unbeeindruckt? Feld-Türkis: Der relevante Kundenkreis hat zwar in der Krise ebenfalls Geld verloren, befindet sich aber finanziell weiterhin in einer überlegenen Position. Für unsere Kunden ist es nicht entscheidend, ob es irgendwo ein paar Prozent billiger oder teurer wird. Mehr als der Preis zählen der gesamte Zuschnitt einer Reise, die Exklusivität und die Gewissheit, den Urlaub unter Gleichen zu verbringen. Den Luxuskunden ist der Preis völlig egal? Feld-Türkis: Nein, ganz und gar nicht. Sie vergleichen penibel und wissen genau, wie man für dasselbe Geld noch mehr Luxus bekommt - etwa die Abholung am Flughafen im Bentley oder ein Upgrade für die Royal Suite. Luxuskunden können rechnen, aber sie knausern nicht. Viele Luxuskunden geben für Nebenkosten - besonderes Essen, Ausflüge, Wellness - oft denselben Betrag wie für die Reisebuchung aus. Immer mehr Anbieter verlegen sich auf Luxusreisen, die Kataloge werden immer dicker. Wieso? Feld-Türkis: Es spricht sich herum, dass mit Luxusreisen noch gutes Geld zu verdienen ist. Aber die Ansprüche sind auch entsprechend hoch. In unseren Katalogen steht meine E-Mail-Adresse, damit unsere Kunden in einen Dialog mit uns treten können. Weil die Luxusreisen-Klientel es sich immer weniger leisten kann, sechs Wochen auf den Seychellen unterzutauchen und die Arbeit daheim liegen zu lassen, reist man kürzer, aber dafür öfter. Wissen Sie, wie groß dieser Luxusreisemarkt heute ist? Und wie viel kann man für eine Luxusreise ausgeben? Feld-Türkis: Der Gesamtmarkt in Deutschland hat ein Volumen von rund 3,5 Milliarden Euro im Jahr. Superluxusreisen machen unter ein Prozent aus. Da können zwei Wochen Mauritius oder Australien in der Präsidenten-Suite mit First-Class-Flügen für zwei Personen durchaus 100000Euro kosten. TUI hat erstmals eine Direktorin für Luxusreisen. Wieso? Feld-Türkis: Diesem Segment kommt wachsende Bedeutung zu. Gerade haben wir die Organisation der Reisen für den Porsche Travel Club übernommen und unter dem Titel "Familienzeit" ein Programm für familiengerechte Luxusreisen erstellt. Seit Jahren wird darüber gestritten, was eine Luxusreise ist. Feld-Türkis: 10000 Euro für zehn Tage zu zweit. Man kann aber nicht allein über den Preis definieren. Wenn ein Zimmer, das 1000 Euro pro Tag kostet, ausnahmsweise für 250 abgegeben wird, bleibt es immer noch ein Luxuszimmer. Wichtiger noch als goldene Wasserhähne sind die Einstellung zum Gast und zur Dienstleistung. Was ist denn für Sie persönlich der Inbegriff von Luxus? Feld-Türkis: Eine Privatvilla auf Mauritius mit eigenem Zugang zum Strand.

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