Skurrile Hotels gibt es schon. Jetzt erledigen Mitarbeiter skurrile Tätigkeiten – zwischen amüsant und hilfreich.

Düsseldorf. Wenn es sein muss, reimt er sogar auf Begriffe wie "durchnittliche Belegungssrate" und "dünne Personaldecke", auf "eisgekühlter Sauvignon" oder "Trüffelschaum an gedünsteter Fasanenbrust". David Raeburn aus Stratford-upon-Avon verdient sein Geld unter dem Künstlernamen Judge The Poet als Hotel-Dichter.

Seine Aufgabe: In Restaurants von Tisch zu Tisch ziehen, Gäste mit Versen unterhalten und sie auffordern, ihm spontan die Worte zu nennen, die ihnen gerade in den Sinn kommen. Er formt aus dem Stegreif aus diesen Begriffen Gedichte - und gibt sie unter Applaus zum Besten.

Ein Butler nur für Sonnencreme

Ohne Zweifel: Ein Hotel kommt sehr gut ohne eigenen Poeten aus. Auf den ersten Blick spielt der Jobs nichts ein, fördert den Konsum der Gäste nicht - und rentiert sich doch. Denn so ein Auftritt ist noch nicht Alltag in der internationalen Hotellerie, hat deshalb Weitererzählwert, sorgt für die ersehnte Mundpropaganda - und schafft auf diesem Weg Mehrwert. Kuriose Jobs locken im besten Fall zusätzliche neugierige Gäste - auch im Grand Hyatt im omanischen Muscat oder im Peninsula in Hong Kong, wo Judge The Poet jeweils für ein paar Wochen unter Vertrag war.

Ähnlich erklärt sich die rasante Zunahme spezialisierter Butler in der Spitzen-Hotellerie ebenso wie von Getränke-Experten mit eng umrissenem Spezialgebiet gerade in der Hotel-Gastronomie. Auch hier dreht sich alles um die Werbewirkung des Weitererzählwerts. Das geht so weit, dass Ritz-Carlton beispielsweise in Miami einen Sonnencreme-Butler beschäftigt, der zuvor als Model gearbeitet hat und jetzt Gäste bei der Wahl der richtigen Sonnenmilch berät - und auf Wunsch direkt am Pool damit einreibt.

In Cancun hat die Luxushotelgruppe einen Tequilier, auf Jamaika einem so genannten Rumier unter Vertrag. Und wer Sonderwünsche und Fragen rund um Reiswein hat, wird im Grand Hyatt Berlin neuerdings von der dortigen Sake Sommelière Luisa Mehlhose beraten.

Rauf auf 17 000 Kokosnusspalmen

Gleichzeitig ziehen immer kuriosere Hotelprojekte rund um den Globus nach sich, dass immer unüblichere Jobs auf den Gehaltslisten der Herbergen auftauchen. Allein fünf so genannte "Coconut Climber" aus Südindien beschäftigt beispielsweise das neue Shangri-la-Hotel auf der ungewöhnlich großen Malediven-Insel Villigili. Die Männer klettern bei Morgengrauen in die Wipfel aller 17 000 Kokospalmen auf der Insel, um Nüsse und lose Äste abzuschlagen.

Ähnliche Karriere wie Hotel-Poet David Raeburn macht ein Team von Opernsängern mit gewissem Kellner-Talent aus England. Sie lassen sich auf Zeit engagieren, um beim Auftragen von Champignoncreme-Süppchen oder gegrilltem Hummer plötzlich eine Opern-Arie bühnenreif zu schmettern: Einer beginnt, immer mehr "Singing Waiters" fallen in den Chor ein - zur Verblüffung der Restaurantgäste. Und zu deren Verzauberung.

Angestellt für Wagen, die aus der Kurve fliegen

"Gerade in Hotel-Restaurants", so David Raeburn, "rechnen die Gäste nicht im Geringsten mit irgendeiner Form von Entertainment. Und wenn sie die erste Überraschung überwunden haben, sind sie umso begeisterter." Während seiner meist durchschnittlich zweimonatigen Hotel-Engagements steige die Gästezahl der Restaurants kontinuierlich an - weil die Geschichte vom Hotel-Poeten oder von singenden Kellern gerade im Heimatmarkt des jeweiligen Hotels die Runde macht. Das Konzept geht offenbar auf - und sorgt neben dem Weitererzählwert auch für zusätzliches Geschäft.

Das erhofft sich auch das pfälzische Hotel Kloster Hornbach, das kurzfristig nach einem Haustechniker mit einschlägiger Kfz-Werkstatterfahrung Ausschau gehalten hatte. Der Mann sollte in der Lage sein, die neuerdings in einer Suite des angeschlossenen Landhaus Lösch installierte Carrera-Bahn zu warten und Fahrzeuge zu reparieren, wann immer mal wieder eins der Spielzeug-Rennautos aus der Kurve geflogen und arg unsanft gelandet ist.

Als eigenständiger Job musste die Stelle am Ende nicht ausgeschrieben werden: Ein Gärtner mit einschlägiger Carrera-Erfahrung kümmert sich nun um die Strecke. Nebenberuflich, aber mit Begeisterung.

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