Zwei deutsche Studenten machten vor vier Jahren ihre Suche nach Reiseschnäppchen öffentlich und gehören heute zu Deutschlands erfolgreichsten Internet-Reiseportalen.

Zwei deutsche Studenten machten vor vier Jahren ihre Suche nach Reiseschnäppchen öffentlich und gehören heute zu Deutschlands erfolgreichsten Internet-Reiseportalen.
Die Gründer und Inhaber der Urlaubspiraten: Sebastian Kaatz (links) und Igor Simonow.

Die Gründer und Inhaber der Urlaubspiraten: Sebastian Kaatz (links) und Igor Simonow.

Den Traumurlaub zum Schnäppchenpreis buchen – das will wahrscheinlich jeder. Internetportale helfen ebenso wie Reisebüros.

Andrea Tapper, Bild 1 von 2

Die Gründer und Inhaber der Urlaubspiraten: Sebastian Kaatz (links) und Igor Simonow.

Der Blick fällt aus einem Penthouse auf den Spree-Bogen in Berlin-Mitte, an einem Kickerspiel reagieren sich lachend ein paar junge Mitarbeiter ab, es duftet nach deftigem Eintopf: „Wir essen gern alle zusammen zu Mittag“, sagt Firmenchef Igor Simonow. Gute Laune bei der Belegschaft ist wichtig für die „Urlaubspiraten“. Vor vier Jahren von zwei Bloggern gestartet, ist die Internetfirma mit dem frechen Namen und schicken Firmensitz zu einem der am schnellsten wachsenden Reiseunternehmen Europas geworden.

Idee kam während der Studienzeit

Die HolidayPirates GmbH, in Deutschland als Urlaubspiraten.de bekannt, sind regelrecht auf Höhenflug. Dafür sprechen die Zahlen: Reiseumsatz im vergangenen Jahr 120 Millionen Euro, eine Steigerung um 71 Prozent zum Vorjahr. Auszeichnung als beste Reise-App des Jahres 2015 und insgesamt 85 festangestellte Mitarbeiter.

Von Deutschland aus versorgen die Piraten zehn Länder mit eigenen Seiten, von Holland über Polen und England bis in die USA. „Dabei ging es uns eigentlich nie ums Geschäft“, sagt Igor Simonow (30), einer der Gründer und Inhaber des Unternehmens. „Im Grunde unseres Herzens sind wir einfache Blogger und Schnäppchenjäger geblieben.“

Die Erfolgsgeschichte von Simonow und seinem Geschäftspartner Sebastian Kaatz (28) begann in Studienzeiten: Beide reisten als Wirtschaftsstudenten mit kleinem Budget um die Welt – und bloggten darüber, der eine als „Urlaubspirat“, der andere als „Reisekobold“. 2012 holte Simonow Kaatz ins Boot, um die Holidaypirates als Firma zu etablieren. Dass ihr Start-up binnen kurzer Zeit so abhob, habe sie „selbst überrollt“, sagt Simonow.

„Wir nehmen Leuten die Arbeit ab, Schnäppchen zu suchen.“

Igor Simonow, Firmengründer

Was haben Verbraucher von den Piraten, oder ähnlichen Diensten wie urlaubsguru.de oder urlaubsheld.de? Schnäppchen sind schwer gefragt, auch in der Reisebranche. Die Suche nach Tiefpreisen nervt jedoch viele Reiselustigste. Nach einer aktuellen Studie von Deutschlands größtem Reiseveranstalter Tui stöbern fast 90 Prozent der Deutschen vor einer Reise im Internet, doch mehr als zwei Drittel buchen ihre Pauschalreisen wie eh und je im Reisebüro. „Die Leute haben keine Zeit und keine Lust, sich durch tausende Schnäppchenportale zu klicken“, wissen Simonow und Kaatz. „Wir nehmen ihnen die Arbeit ab.“

Sie könne sich „auf die Angebote verlassen und brauche nicht selbst danach zu suchen“, sagte die 22-jährige Piraten-Kundin Lena Schulte, Verlagskauffrau aus Hamburg. „Einfach coole Reiseinspirationen“, findet Jan Krüger aus Berlin auf den Piraten-Seiten.

Kooperationen mit Veranstaltern

Das Geschäftsmodell funktioniert so: Die Beute der Urlaubspiraten wird nicht nur durch Suchmaschinen generiert, sondern „es sind handverlesene Rosinen des Reisemarktes“, erklärt Simonow. Hauptquartier der Spürnasen für ganz Europa ist das Berliner Büro. Rund 50 festangestellte Schnäppchenjäger suchen täglich im Netz und bei Veranstaltern nach Sonderangeboten oder Tiefpreisen. Dazu kommen Kooperationen mit Veranstaltern, wie etwa mit Oman Air, die hunderte Billigtickets nach Afrika exklusiv über die Piraten loswurde: „Mit etwa fünf Millionen Facebook-Fans können wir jedes Reiseprodukt innerhalb von Stunden ausverkaufen“, sagt Igor Simonow.

Ein Viertel der Mitarbeiter sind mit der Pflege und Weiterentwicklung der IT- und Webprogramme beschäftigt. Dazu gehört auch ein Newsletter sowie eine schon mehr als drei Millionen Mal heruntergeladene Piraten-App. „Echte Kracher-Angebote“, sagt Kaatz, „werden neuerdings auch per WhatsApp an Interessenten verschickt.“

Mit einem Teil ihres Erlöses unterstützt die Firma das Tierschutzprojekt „World Parrot Trust“ in Costa Rica. Ihr Geschäft machen die Piraten mit eher kleinen Provisionen und dem sogenannten „affiliate marketing“: Kommt eine Buchung zustande, erhalten sie Geld vom Veranstalter. Beide Seiten können digital nachvollziehen, wenn eine Reise über die Piraten angeklickt wurde.

„All-inclusive ist nicht unser Schwerpunkt“, stellt Simonow klar: „Zu unseren Nutzern gehören immer noch viele Studenten, die haben mehr Zeit als Geld und mögen auch mal unbekanntere Ziele.“ Eine weitere Säule des Geschäftsmodells: zeitversetzt buchen. „Wir pushen Reisen nach Preisen und nicht nach dem Datum“, sagt Simonow. Ein echter Pirat schlägt eben zu, wenn’s am günstigsten ist – egal, wohin die Reise geht.

www.urlaubspiraten.de

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