Eine alte Dame, die viele Fans hat: Das Kreuzfahrtschiff „MS Astor“ aus der Reederei Transocean hat echte Vorteile.

Elegant und schon 29 Jahre auf den Weltmeeren unterwegs: Die „Astor“ lockt vor allem Stammgäste an Bord.
Elegant und schon 29 Jahre auf den Weltmeeren unterwegs: Die „Astor“ lockt vor allem Stammgäste an Bord.

Elegant und schon 29 Jahre auf den Weltmeeren unterwegs: Die „Astor“ lockt vor allem Stammgäste an Bord.

Die Rendsburger Eisenbahnbrücke wurde zwischen 1911 und 1913 erbaut.

TransOcean, Bild 1 von 2

Elegant und schon 29 Jahre auf den Weltmeeren unterwegs: Die „Astor“ lockt vor allem Stammgäste an Bord.

Diesmal sieht es wirklich so aus, als wäre es zu knapp. Der Schornstein des Kreuzfahrtschiffes ragt hoch empor und scheint gleich gegen die Autobahnbrücke zu donnern, die über den Nord-Ostsee-Kanal führt. Doch natürlich passt es. Die „Astor“ der Reederei Transocean fährt nicht zum ersten Mal durch den berühmten Kanal von Kiel nach Brunsbüttel bei Hamburg, und Kapitän Sergey Strusevich kennt die Durchfahrtshöhen genau. Doch ist es jedes Mal wieder ein verblüffender Anblick, denn der Blickwinkel vom Deck hinauf zur Brücke täuscht, und deshalb sieht es so gefährlich knapp aus.

Unter den Brücken wird es eng

Für viele Passagiere auf der „Astor“ ist die Durchfahrt durch den Kanal von der Ostsee zur Nordsee der Höhepunkt der einwöchigen Tour, die von Bremerhaven aus zunächst nach Schweden in die Städte Göteborg und Malmö und nach einer Station auf Rügen durch den Nord-Ostsee-Kanal weiter nach Hamburg führt. Dort läuft das Schiff zu den Feierlichkeiten des Hafengeburtstags ein.

Die „Astor“ fährt langsam durch den Kanal, zieht vorbei an Feldern, Villen auf dem Lande, an Gasthäusern, Bauernhöfen und Fährstationen. Rechts und links an den Ufern bleiben Fahrradfahrer stehen und winken den Passagieren des Kreuzfahrtschiffes zu. Fotografen lauern dort mit ihren Stativen und machen Aufnahmen von der „Astor“.

An Bord sorgen unterdessen immer wieder die hohen Brücken, die über den Kanal führen, für Aufmerksamkeit. Sie locken die Passagiere mit ihren Kameras an die Reling. Eine besondere Attraktion bildet die Rendsburger Hochbrücke, eine Eisenbahnbrücke, die als formschöne Stahlkonstruktion zwischen 1911 und 1913 erbaute wurde und das Wahrzeichen der Stadt ist.

Es ist viel Betrieb auf dem Kanal. Große Frachtschiffe kommen dem Kreuzfahrtschiff entgegen. Einmal muss die „Astor“ und ebenso das Lastschiff, das schon länger hinter ihr fährt, näher ans Ufer heran und dort warten. Denn ein riesiges Containerschiff fährt genau mittig unter einer der Brücken hindurch – und dafür müssen die entgegenkommenden Schiffe Platz machen.

Die meisten Passagiere sind schon oft an Bord gewesen

Die „Astor“ ist eine alte Dame, die seit 29 Jahren auf den Weltmeeren tourt. Als ein vergleichsweise kleines Kreuzfahrtschiff bietet sie Platz für maximal 578 Passagiere. Das sorgt für einen familiären Charakter, den viele Gäste schätzen. Man kennt sich an Bord. Etliche Mitglieder der Crew sind schon seit mehreren Jahren dabei und begrüßen viele Gäste mit Namen. „Bis zu 70 Prozent sind Stammgäste auf dem Schiff“, berichtet Hotel-Direktor Larry Jackson. Seit 1983 fährt Jackson, der aus Südafrika stammt, schon mit der „Astor“. Die Passagiere lieben den 65-Jährigen für sein würdiges, warmherziges Auftreten. Das und wohl auch seine Körpergröße von knapp zwei Metern haben ihm den Spitznamen „Big Daddy“ eingebracht. Wenn die Passagiere zum Landausflug das Schiff verlassen, steht er an der Gangway und wünscht jedem einzelnen einen schönen Tag.

Doch es gibt auch Gäste, die nicht zum Landgang aufbrechen, wie beispielsweise Magdalene Berger. Die 70-jährige Hamburgerin ist mit ihrem Mann Helmut unterwegs und großer Fan der „Astor“. „Wir sind hier, um das Schiff und die Crew wiederzusehen. Göteborg kennen wir schon, da brauchen wir nicht an Land zu gehen. Wir wollen lieber die Zeit an Bord genießen“, sagt sie und streicht langsam über das glatte Holz der Reling. Rund 25 Reisen hat sie schon auf der „Astor“ unternommen, mehr als 600 Nächte an Bord verbracht. Auch auf dem Amazonas war sie schon mit diesem Schiff. „Da ist man viele 1000 Kilometer von zu Hause weg. Und wenn man dann vom Landausflug zurückkommt, dann liegt da mit der ,Astor’ ein Stück Heimat“, erinnert sie sich lächelnd.

Das kleine Schiff kann direkt vor der Stadt anlegen

An Bord sind manche Attraktivitäten, mit denen die neueren, wesentlich größeren Kreuzfahrtschiffe aufwarten, nicht zu finden. So gibt es keine Wasserrutschen und keine große Bade-Landschaft auf dem Pool-Deck, keinen Kinder-Club und kein 3D-Kino.

Doch die kleineren Ausmaße des Schiffs haben neben der Übersichtlichkeit andere Vorteile. So kann es in Göteborg bis unmittelbar vor das Zentrum fahren und im Innenhafen festmachen. Am Abend genießen die Gäste von Deck aus die Lichter der Stadt, die direkt vor ihnen liegen. Ein anderes, wesentlich größeres Kreuzfahrtschiff hat viel weiter draußen im Industriehafen vor der Stadt anlegen müssen.

Auch in Malmö liegt die „Astor“ direkt vor der Stadt. Nur etwa 15 Minuten brauchen die Gäste zu Fuß bis ins Zentrum, in dem sich alte und moderne Architektur im faszinierenden Zusammenspiel präsentiert. Da der Weg kurz ist, bleibt genügend Zeit für eine Stadtbesichtigung. Zum Beispiel für den Besuch des Lilla Torg, einem Platz in der Altstadt, der von Fachwerkhäusern aus dem 16. bis 18. Jahrhundert gesäumt wird. Viele Cafés und Kneipen beleben den Platz.

Unterdessen sitzt Magdalene Berger glücklich auf dem Außendeck. Während der Landausflüge genießt sie das Gefühl, das Schiff und die Crew fast ganz für sich allein zu haben.

Die Autorin reiste mit Unterstützung von Transocean.

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