Das Dorotheum
Das Dorotheum ist ein vierstöckiges neoklassizistisches Palais im historischen Zentrum von Wien.

Das Dorotheum ist ein vierstöckiges neoklassizistisches Palais im historischen Zentrum von Wien.

Manche Räume im Dorotheum erinnern an ein Gebrauchtmöbellager. Sitzgarnituren im Stil der 1920er und 1930er Jahre stehen neben massiven Barockschränken.

In den 13 Sälen des Dorotheums sind fast täglich Auktionen zu erleben. Auch wer nicht mitsteigert, ist willkommen.

Dorotheum Wien/dpa, Bild 1 von 3

Das Dorotheum ist ein vierstöckiges neoklassizistisches Palais im historischen Zentrum von Wien.

Wien (dpa/tmn) - Von Schmuck bis zum Barockschrank, das Dorotheum in Wien hat fast alles zu bieten. Im Grand Palais der Pfandhäuser können sich Nostalgiker treiben lassen - und Schnäppchenjäger sofort zuschlagen.

Pfandhäuser gehören in der Regel nicht zu den Sehenswürdigkeiten einer Stadt. In Wien schon. Das Dorotheum, ein vierstöckiges neoklassizistisches Palais im historischen Zentrum, lohnt auch einen Besuch, wenn man keinen dringenden Kredit braucht. 1707 von Kaiser Joseph I. als «Versatz- und Fragamt» gegründet, gilt es heute als das größte Auktionshaus im deutschen Sprachraum und eines der führenden weltweit.

Ein großzügiges Treppenhaus führt zu den Ausstellungs- und Auktionssälen. «Das Dorotheum hat über 40 Sparten», erklärt Pressesprecherin Doris Krumpl. «Design, Tribal Art, antike Teppiche, Münzen hat Medaillen, Orden, Kaiserhaus, historische Instrumente, Oldtimer und vieles mehr.» Die umsatzstärksten Sparten seien Gemälde Alter Meister und des 19. Jahrhunderts, moderne und zeitgenössische Kunst sowie historisches Silber und Möbel.

Man kann das Dorotheum stundenlang durchstreifen wie ein Museum. Wer Interesse an einem der ausgestellten Stücke hat, muss nicht bis zur nächsten Auktion warten. «Hier können Sie auch direkt kaufen und mitnehmen», sagt der Sammler Hagen Walters aus Frankfurt. Er kommt regelmäßig eigens mit seinem Wagen nach Wien. Heute hat er sich Kerzenleuchter und Lampen geschnappt. «Wie schicken Ihnen die Ware auf Ihre Kosten auch gern zu», sagt Verkäuferin Gerti.

Manche Räume erinnern an ein Gebrauchtmöbellager. Sitzgarnituren im Stil der 1920er und 1930er Jahre stehen neben massiven Barockschränken, die in keine moderne Wohnung mehr passen. Stühle reihen sich meterlang aneinander, gegenüber stehen Büroschränke. Aus verschiedenen Jahrzehnten des vorigen Jahrhunderts stammen Tische für Ess-, Arbeitszimmer oder Küche.

Die Frauen zieht es vor allem in die Säle des zweiten Stockwerks. In Dutzenden Vitrinen liegt hier Schmuck - von modischen Ringen bis zu kostbaren Geschmeiden. Alle diese Stücke sind im Freiverkauf erhältlich, also sofort mitzunehmen. Als «größten Juwelier Österreichs» bezeichnet sich die Abteilung selbst - und bringt auch eigene Kreationen auf den Markt.

Fast täglich gibt es in einem der 13 Säle Auktionen. Nicht alle sind so spannend wie jene im April 2010, als ein Gemälde des flämischen Malers Frans Francken aus dem Jahr 1633 den Weltrekordpreis von mehr als sieben Millionen Euro brachte. «Die Auktionen sind öffentlich, Zaungäste sind herzlich eingeladen», sagt Krumpl. «Mitsteigern freut uns natürlich mehr.»

Das Dorotheerkloster, das einst hier stand, gab dem Gebäude den Namen. In Wien ist er längst zum Synonym für das Pfandhaus an sich geworden. Die Einheimischen wissen, dass im «Pfandl» Schnäppchen zu finden sind - aber vor allem dort, wo wenig Touristen hinkommen. In den Bezirken unterhält das Dorotheum zehn Niederlassungen, hinzu kommen weitere in den Bundesländern. Hier spielt sich das tägliche, diskrete Geschäft des Beleihens von hochwertigem Pfand ab.

Das Dorotheum wäre keine Wiener Institution, hielte es nicht für müde Schaulustige und Kaufberauschte in der zweiten Etage einen Ort der Erbauung bereit: ein typisches Kaffeehaus. «Im Vergleich zu anderen Cafés in der Innenstadt ist es meist nicht so überlaufen», sagt Stammgast Walters. Das wissen natürlich auch die Wiener.

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