Auf die Gaukler vor dem Kölner Dom sieht die Stadt mit Sorge. Sie warten auf Touristen, die Geld für ein Foto mit ihnen bezahlen. Ein organisiertes Geschäft. Foto: Oliver Berg
Auf die Gaukler vor dem Kölner Dom sieht die Stadt mit Sorge. Sie warten auf Touristen, die Geld für ein Foto mit ihnen bezahlen. Ein organisiertes Geschäft. Foto: Oliver Berg

Auf die Gaukler vor dem Kölner Dom sieht die Stadt mit Sorge. Sie warten auf Touristen, die Geld für ein Foto mit ihnen bezahlen. Ein organisiertes Geschäft. Foto: Oliver Berg

dpa

Auf die Gaukler vor dem Kölner Dom sieht die Stadt mit Sorge. Sie warten auf Touristen, die Geld für ein Foto mit ihnen bezahlen. Ein organisiertes Geschäft. Foto: Oliver Berg

Köln (dpa) - Straßenkünstler gehören zum Kölner Dom wie das mächtige Turmpaar. Manche Touristen freuen sich über bunte Fotomotive, doch andere fühlen sich belästigt. Auch in der Verwaltung macht man sich mittlerweile Sorgen.

Ein eiskalter Wind weht über den Platz vorm Kölner Dom. An diesem Wintervormittag knipsen nur ein paar Dutzend Touristen das berühmte Wahrzeichen. Einige haben ein anderes Foto-Objekt entdeckt: Ein als Gladiator verkleideter Straßenkünstler steht auf dem Vorplatz, der Domplatte. Er trägt eine aufwendige römische Tracht, winkt in die Menge und lächelt freundlich trotz klirrender Kälte. Ob Römer, Engel oder Zauberer - Gaukler gehören heute fast so sehr zum Dom wie die beiden Türme oder der Heilige-Drei-Könige-Schrein.

Sechs Millionen Menschen strömen jedes Jahr in die Kathedrale. Die meisten von ihnen mögen die kostümierten Figuren. Doch gibt es auch Probleme. Die Straßenkünstler sollen Geld für Fotos verlangen und gelegentlich sogar zudringlich werden. Viele Touristen sind ahnungslos und zahlen.

Kölns Tourismuschef Josef Sommer beobachtet die Entwicklung mit Sorge. «Das ist nicht gut für das Image der Stadt und das Reiseziel Köln. Dass hier Gäste belästigt wurden, stört uns», sagt er. Deshalb seien Maßnahmen getroffen worden: Die Gaukler dürfen nicht mehr auf Podesten stehen und müssen den Touristen mit einem Becher oder Hut signalisieren, dass sie Almosen wollen - und nicht etwa Eintrittsgelder kassieren. «Dann ist das für unsere Gäste international verständlich», erklärt Sommer.

Der Kölner Dompropst Norbert Feldhoff bekam bereits E-Mails von Touristen, die von den Gauklern auf der Domplatte belästigt worden seien. «Eine asiatische Touristin erzählte mir, ein verkleideter Engel habe gesagt, dass er Geld für den Dom sammelt», berichtet Feldhoff.

Das Kölner Ordnungsamt vermutet eine kriminelle Bande. Ordnungsamtsleiter Robert Kilp sagt, seine Mitarbeiter hätten mit Beginn des vergangenen Jahres eine negative Entwicklung festgestellt. «Die lassen sich von den Touristen fotografieren und fordern anschließend deutliche Geldbeträge von 10 bis 15 Euro - und das sehr aggressiv», sagt Kilp.

Über solche Vorfälle möchte der verkleidete Gladiator nicht reden. Seit er vor sechs Jahren aus Rumänien nach Deutschland gekommen sei, stehe er täglich bis zu sechs Stunden auf der Domplatte - für ein, zwei Euro pro Foto. Das mache insgesamt 700 Euro im Monat. Davon müsse er Essen und eine Wohnung bezahlen.

Das Ordnungsamt schickt täglich Personal zur Domplatte - es soll aus dem Wagen heraus die Situation überwachen. Auch die Polizei hat ihren Blick verschärft. «Wenn wir etwas Auffälliges sehen, befragen wir die Touristen, ob das Ganze freiwillig war», sagt ein Polizeisprecher.

Im November 2013 ging die Stadt dazwischen und verteilte Platzverweise. Das sei die wirkungsvollste Maßnahme, weil die Straßenkünstler Bußgelder von 35 bis 100 Euro meist nicht sofort zahlten.

Der SPD-Landtagsabgeordnete Bernhard von Grünberg wirbt für Verständnis: «Die besonders armen Einwanderer kommen nach Deutschland und müssen unterstützt werden», sagt der Integrationsexperte. Die Mittel aus dem europäischen Sozialfonds seien da. «Es darf nicht sein, dass diese Menschen denken: 'Ich muss meine Kinder durchbringen, also muss ich mich kriminell verhalten.'» Dass davon Unterhändler profitierten, liege auf der Hand. «Da werden Menschen fehlgeleitet. Ihnen wird ein toller Job in Deutschland angeboten, wo sie viel verdienen könnten. Nur: Sie müssen dann etwas abgeben.»

Der verkleidete Gladiator hat gegen Mittag genug und verschwindet in der Menschenmasse. Am nächsten Morgen steht er wieder auf der Domplatte - mit einem Becher in der Hand und bereit für ein Foto.

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