Die Provence kann jetzt auf 38 Routen mit dem GPS-Gerät erkundet werden. Die Wege führen durchs Gebirge und entlang der Küste.

Düsseldorf. Die Luft riecht nach Thymian und einem Hauch nach Meer. Geradeaus erstreckt sich das Massif de la Sainte-Baume. Der Blick wandert zum Joug de l’Aigle, dem "Joch des Adlers". So heißt die mit 1147 Metern höchste Erhebung. Dort hinauf soll es gehen - mit Unterstützung aus dem All.

GPS-Wandern heißt der Trend und ist dank einschlägiger Literatur in der Provence auf 38 Routen möglich. Im Fall des Massif Sainte-Baume geht es dabei steil hinauf - mit sehenswerten Abstechern.

Die 14 Kilometer haben es in sich. Schon zu Beginn steigt der Weg an. Noch ist er gut zu erkennen, Satelliten-Unterstützung ist nicht nötig. Nach einer Viertelstunde folgt der erste Abstecher: Statt dem Weg zu folgen, geht es einen steilen Pfad in die Felswand hoch.

Kletterkünste sind nicht nötig. Dort, wo es steil wird, hat ein freundlicher Mensch vor hunderten Jahren Stufen ins Gestein geschlagen. Die Treppen führen zu einer Grotte, die von unten schwer zu erkennen ist. Dort hat - der Legende nach - die heilige Maria Magdalena Jahre der Einsamkeit verbracht. Ihre sterblichen Überreste liegen, ebenfalls einer Legende nach, einige Kilometer weiter nördlich in der Kathedrale von Sainte-Maximin-la-Sainte-Baume. Sie ist, wie die Höhle im Fels, ein Wallfahrtsort.

Unwirklich ist es dort oben. Stufen führen hinein in die dunkle Grotte. Es riecht feucht, irgendwo tropft Wasser. Hier soll ein Mensch über Jahre gelebt haben? Ob wahr oder nicht - der Ort hat eine besondere Atmosphäre. Dafür sorgen die filigranen Altäre vor dem nackten Fels und das Licht, dass durch die überraschend modernen Buntglasfenster ins Innere fällt. Wieder draußen zieht die provencalische Landschaft den Blick des Wanderers magisch an.

Der Pfeil auf dem Display leitet die Wanderer durchs Gebirge

Gegen eine Rast hat jedoch der GPS-Empfänger etwas einzuwenden. Piepend mahnt er, dass wir den Weg in die falsche Richtung gegangen sind. Denn der Abstecher zur Grotte ist nicht programmiert. Zurück auf dem richtigen Weg gilt es, das Massif Sainte-Baume zu erklimmen.

Für sportliche Typen ein leichtes, für Ottonormalwanderer durchaus nicht ohne. Ab einer gewissen Höhe gerät die Wanderung kurzzeitig zur Kletterpartie. Die Belohnung folgt oben: Der Blick reicht zwar nicht bis zum Horizont, aber immerhin bis zum Mont Sainte-Victoire, dem Lieblingsmotiv des französischen Impressionisten Paul Cezanne.

Weiter geht es über den Grat des Massivs. Jetzt kommt das GPS-Gerät zum Einsatz. Nicht, weil der Weg schlecht zu sehen wäre. Es gibt gar keinen. Und die alten Wandermarkierungen sind kaum zu sehen. Inzwischen macht es richtig Spaß, dem Pfeil auf dem Display zu folgen.

Er zeigt an, wie viel Wegstrecke noch vor den Wanderern liegt. Das wirkt motivierend. Zumal Wanderführer Ralf Nestmeyer versprochen hat, dass der Rückweg bergab verläuft. Er muss es wissen, denn er hat die 38 GPS-Routen durch die Provence ausgearbeitet und vorher allesamt erwandert. "Diese Route ist ideal für den Sommer. Im Frühjahr oder Herbst kann der Rückweg durch den Wald matschig sein."

Spricht’s - und verschwindet zwischen zwei Felsen. Der Abstieg beginnt. Nach einer kurzen Kletterpartie verläuft der schmale Pfad flach abfallend durch die letzten Gebirgsausläufer, bevor er im Wald verschwindet. Das letzte Wegstück ist ein Kinderspiel. Das Fazit: Wandern mit GPS macht Spaß und schürt die Vorfreude auf die nächste Tour: Entlang der verträumten Küste zwischen Les Lecques und Bandol.

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