Die Stadt ist für ihr traditionelles Handwerk und modernes Design bekannt. Eine Stadttour der besonderen Art.

bologna
Valeria Sacenti liebt flippige Mode und Accessoires. In ihrer kleinen Boutique finden Kunden ausschließlich Unikate. Fotos (3): Daniela Kebel

Valeria Sacenti liebt flippige Mode und Accessoires. In ihrer kleinen Boutique finden Kunden ausschließlich Unikate. Fotos (3): Daniela Kebel

Cosetta Corticelli ist Schuhmacherin aus Leidenschaft. Sie fertigt Damenschuhe nach Maß für ihre Kundinnen.

Daniela Kebel, Bild 1 von 2

Valeria Sacenti liebt flippige Mode und Accessoires. In ihrer kleinen Boutique finden Kunden ausschließlich Unikate. Fotos (3): Daniela Kebel

Bologna. Die Emilia Romagna ist für vieles berühmt: ihren Parmaschinken, den Parmesan, edlen Balsamico-Essig und handgemachte Tortelloni. Natürlich auch für ihre Stars: Luciano Pavarotti stammte aus Modena, Enzo Ferrari gründete sein Unternehmen in der Provinz Modena, Max Mara wurde in Reggio Emilia und Furla in Bologna gegründet. Große Namen, die für eine unvergleichliche Karriere stehen. In der prachtvollen Altstadt Bolognas mit ihren imposanten Gebäuden, Palästen, Kirchen und Museen sollten Besucher aber nicht nur in die schillernden Schaufenster der bekannten Marken schauen. Ein Blick in die Nebensträßchen lohnt sich: Altes Handwerk und junges Design bilden ein interessantes Gegengewicht zum Mainstream.

Mit leisem Summen öffnet sich die Glastür zu dem kleinen Laden. Cosetta Corticelli kommt aus ihrer Werkstatt, eine große hellgraue Schürze umgebunden. Darunter ein edles Kostüm mit weißer Bluse. Sie hat zarte Hände, obwohl sie täglich hart mit ihnen arbeitet. Seit 35 Jahren ist sie Schuhmacherin – aus Leidenschaft und Tradition, denn ihr mittlerweile 82 Jahre alter Vater stieg bereits vor 60 Jahren in das Familienunternehmen ein.

„Frauen entwerfen für ihre Hochzeit oft ein eigenes Paar.“

Cosetta Corticelli

Wer zu ihr kommt, weiß handgemachte Qualität bei Damenschuhen zu schätzen. „Kundinnen können aus den vorhandenen Modellen wählen“, sagt die 52-Jährige und zeigt die ausgestellten Exemplare von ganz flachen bis zu dramatisch hohen Stöckelschuhen. „Auch die sind bequem, denn innen fallen sie ganz seicht ab und haben ein sehr weiches Fußbett“, erklärt sie. Dann stellt sie den knallpinken Wildleder-Highheel wieder ins Regal.

Auf Wunsch fertigt sie auch ein neues Model, das sie noch nicht in ihren zahlreichen Vorlagen hat. „Frauen entwerfen für ihre Hochzeit oft ein eigenes Paar“, sagt sie. Rund 20 Tage Arbeit stecken in jedem Paar Schuhe, 200 Euro oder mehr kosten sie. Günstiger als so manch teure Marke und wesentlich bequemer.

Ob sie selbst je Schuhe gekauft hat? Cosetta Corticelli erschreckt beinahe. „Natürlich nicht. Mein ganzes Leben lang trage ich nur handgefertigte Schuhe. Ich könnte in anderen wahrscheinlich gar nicht gehen.“

» Cosetta Corticelli Calzature, Via Canonica,

info@corticellicosetta.it

 

Das Pendant für Herren bilden Max und Giovanni. Die beiden Schuster haben 2007 ihre Werkstatt samt Verkaufsraum eröffnet – auch dort gibt es ausschließlich handgemachte Schuhe. „Kunden suchen sich ein Muster aus und wir fertigen jedes Paar auf Wunsch“, sagt Max. Sie arbeiten einen Monat an jedem Paar, das letztlich zwischen 500 und 4000 Euro kostet. „Es ist schon hart, davon zu leben“, gesteht Max. Denn Laufkundschaft gibt es keine. Wer kommt, will Schuhe nach seinen Wünschen. „Es ist unsere Leidenschaft“, sagt der 36-Jährige.

Immerhin gehören mittlerweile Politiker aus aller Welt zu ihren Kunden, die alle die Maßarbeit der Schuster aus Bologna schätzen. In Moskau haben sie sich einen festen Kundenstamm aufgebaut, jetzt versuchen sie es in London und Berlin.

» La Calzoleria di Max e Gio, Via dell’ Inferno

www.lacalzoleriadiemaxegio.com

 

Ausgeflippt ist wohl die treffende Bezeichnung für das, was sich hinter der Eingangstür zu „Le Giraffe“ verbirgt. Vor 20 Jahren hat Valeria Sacenti hier ihr kleines Atelier samt Verkaufsraum eröffnet und bietet Schräges, Schrilles und Ausgefallenes. „Meine Ideen setze ich direkt an der Nähmaschine um“, erzählt die weiß-blond gefärbte Dame und zeigt ihre Werkstatt: Ein winziger Raum vollgestopft mit Stoffen, Taschen, Kleidungsstücken und dicken Nähgarnrollen.

„Ich liebe den japanischen Stil.“

Valeria Sacenti

Im Laden hängt alles ordentlich auf Bügeln – hauptsächlich Kleider und Oberteile schneidert die gebürtige Bologneserin. „Ich liebe den japanischen Stil, den ich dann mit anderen kombiniere“, sagt sie und zeigt weite Hosen mit farbenprächtigen Mustern, kimonoähnliche Kleider und solche mit angenähten Rüschen. Rot mit großen weißen Punkten, metallic-blau oder im Tigerstreifen – wer etwas Auffälliges sucht, findet es hier. Und nimmt garantiert ein Unikat mit nach Hause.

» Le Giraffe, Via Moline.

Verzierte Lampen, Ringe und Kettenanhänger mit Stoffblüten, Töpfe, Tassen und Vasen aus Keramik, Tücher, Taschen und Armbänder – seit drei Jahren stellt Michaela Berti ihre Kreationen aus. „Il mondo in una stanza“ heißt ihr Laden, die Welt in einem Raum. Dabei fertigt sie nicht alles selbst, sondern kauft von anderen Designern überall in Italien und Europa.

„Kunden mögen den ausgefallenen Schmuck am liebsten“, sagt Michaela und zeigt einen Ring mit Blüte aus feinster Gaze mit kleinen Perlen und einen Armreif aus fest verwobenem Leinen mit Natursteinen. Vom kleinen Mitbringsel, wie beispielsweise einem Duftsäckchen mit orangen Ministeinchen, die nach Mango und Papaya duften, bis hin zum individuellen Schmuckstück gibt’s hier für jeden das Passende.

» Il mondo in una stanza, Via Marsala

www.mondoinunastanza.com

Wer sich nicht allein auf die Suche nach den besonderen Läden machen will, kann einen Stadtführer oder Personal-Shopper buchen.

Dazu gibt es dann je nach Wunsch noch einen geschichtlichen Exkurs oder Restauranttipps.

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