Zu der Mönchsrepublik auf Chalkidikis östlichem Finger haben Frauen keinen Zutritt. Doch in den Klöstern ist das Leben längst nicht mehr einsam.

Grüne Hügel, felsige Inseln und ein dunkelblaues Meer bestimmen die Landschaft auf Athos.
Grüne Hügel, felsige Inseln und ein dunkelblaues Meer bestimmen die Landschaft auf Athos.

Grüne Hügel, felsige Inseln und ein dunkelblaues Meer bestimmen die Landschaft auf Athos.

Wandern entlang der Grenze zur autonomen Mönchsrepublik.

Mönch Epifanios kocht leidenschaftlich gern und erzählt Gästen von heilenden Kräutern.

Daniela Kebel, Bild 1 von 3

Grüne Hügel, felsige Inseln und ein dunkelblaues Meer bestimmen die Landschaft auf Athos.

Griechenland. Die Wege sind schmal, kaum breiter als Trampelpfade. Es ist still, die Sonne knallt vom strahlend blauen Himmel. Insekten summen, soweit das Auge reicht erstrecken sich Wiesen und Felder mit tausenden blühen Wildblumen. Manche recken sich bis zu einem Meter hoch, andere bedecken wie ein bunter Teppich den Boden. Blutrot, hell violett oder leuchtend gelb: Wer auf den Feldwegen am Fuße der Mönchsrepublik Athos in Chalkidiki spazieren geht, kann sich kaum sattsehen an der Farbenpracht.

Es geht bergauf, der Weg ist sandig, kleine Steinchen kullern bei jedem Schritt den Hang hinab. Gräser und Blumen wachsen weit in den Pfad hinein, gut dran ist, wer trotz der Wärme eine lange Hose angezogen hat. Es duftet mal herb von wilden Kräutern, mal süßlich, oft auch nach wilder Kamille. Dazu der Blick: Jede noch so kleine Anhöhe eröffnet ein neues Panorama – auf Flächen, die in unterschiedlichen Grün- oder Brauntönen die umliegenden Hänge färben, oder auf das dunkelblaue Meer und die winzigen Buchten mit den von weitem noch viel winziger wirkenden Fischerbooten.

Eine unspektakuläre Grenze zur Republik Athos

Das Gelände, durch das die Wege führen, scheint verwildert – zumindest zu einer Seite. Nämlich der, die durch einen unspektakulären Stacheldrahtzaun abgesperrt ist. Irgendwo in diesem hügeligen Terrain verläuft die Grenze zur Mönchsrepublik Athos. Es gibt nur eine Straße, die hineinführt. Einen groben Schotterweg, der dieses abgeschiedene Landstück mit dem Rest der Welt, besser gesagt mit dem kleinen Ort Ouranoupoli verbindet.

Dort gibt es fast nur Souvenir-Läden mit Ikonen, Schmuck und Büchern über Athos. Die Schaufenster sind gefüllt mit goldenem Prunk, Bildern und religiösen Symbolen. Hin und wieder verstecken sich andere kleine Läden dazwischen: mit Handwerkskunst, Kleidung, Design oder Schmuck.

Schwarz gekleidete Mönche in langen Kutten laufen durch die engen Straßen, Pilger stehen Schlange, um ein Visum zu bekommen. Ausflugsschiffe legen von einem Steg am Hafen ab, Restaurants und Bistros reihen sich an der Uferpromenade aneinander.

Seit 1000 Jahren leben dort Mönche

Von Ouranoupoli ist es nicht mehr weit bis zur unscheinbaren Grenze der Mönchsrepublik. Dicke, hellbeige Gesteinsbrocken liegen zu Füßen der Hinweisschilder, auf denen steht, dass das Betreten des Geländes verboten ist. Mythen und Legenden ranken sich um diesen dritten Finger von Chalkidiki, der kaum mehr ist als ein gigantischer Felsen: Der Berg Athos, der an der Südost-Spitze 2033 Meter emporragt und der Halbinsel seinen Namen gab.

Das Besondere: Dort gibt es nur Klöster und Mönche. Seit mehr als 1000 Jahren. Und ausschließlich Männer. Denn Frauen haben keinen Zutritt zu dem Gelände, auf dem 20 Hauptklöster und weitere kleine Klöster und Mönchsdörfer errichtet sind. Auch weibliche Haustiere dürfen nicht gehalten werden, bei Vögeln und Wildtieren machen die Geistlichen notgedrungen eine Ausnahme.

Pilger, die hinein wollen, benötigen ein Visum, das sie in Ouranoupoli bekommen. Maximal eine Nacht dürfen die Männer bleiben, die Anzahl der Pilger ist streng reglementiert. Frauen können von Ausflugsschiffen einen Blick auf den imposanten Felsen erhaschen – allerdings fahren die Boote nicht näher als 200 Meter an die Küste heran.

Lebten die orthodoxen Mönche ursprünglich sehr zurückgezogen und die meisten in Armut, hat sich das Bild in den vergangenen Jahren verändert. Pilgerreisen und Besucher bringen Geld in die Mönchsrepublik, täglich kommen Handwerker in die Klöster, um zu reparieren oder zu renovieren. Fischer verkaufen ihren Fang an die Geistlichen, Polizisten sehen nach dem Rechten. Die religiösen und kulturellen Besitztümer werden mit EU-Mitteln subventioniert, reiche Geschäftsleute und Politiker spenden Geld für den Erhalt der klösterlichen Schätze.

„Die einen wollen Buße tun, die anderen machen es aus Liebe zu Gott.“

Epifanios, Mönch aus Athos

Auch um den Nachwuchs braucht sich die autonome, zu Griechenland gehörende Republik nicht zu sorgen: Immer wieder verpflichten sich junge Männer einem Leben aus Arbeit und Gebet. Wie Epifanios. Er ging mit 18 Jahren ins Kloster auf Athos, verschrieb sich einem Leben voller Entsagungen. Der heute 60-Jährige hat den Wandel der Zeit miterlebt. Er ist seit vielen Jahren so etwas wie der Haus- und Hofkoch der Mönchsrepublik und überall auf der Welt unterwegs. Er stellt die Weine von Athos auf Messen – sogar in Düsseldorf – vor, kocht nach eigenen Rezepten und wirbt für die Klosterküche bei Kochevents in Hotels der Umgebung.

Die Einsamkeit, die er einst gewählt hat, ist so einsam heute nicht mehr. Gelassen, ruhig und mit wachem Blick redet er vom Essen. Von seinem Kochbuch, das er geschrieben hat, von den Gewürzen, Kräutern und ihren Bedeutungen für die Speisen. Natürlich auch für die Gesundheit – all das ist lang tradiertes Klosterwissen und eigenes Ausprobieren. Auch Schnäpse werden im Kloster gebrannt.

Augen wie Sean Connery

Um die Augen herum hat der Mönch viele Fältchen im gebräunten Gesicht – am Tisch fühlen sich die Gäste an Sean Connery erinnert. Einer spricht es aus. „Das höre ich andauernd“, antwortet Epifanios lachend. Ein paar Minuten später flüstert jemand: „Gucken die denn überhaupt Fernsehen auf Athos?“ Gute Frage. Epifanios lebt in einem kleinen Kloster mit nur drei Mönchen, aber da er oft in Hotels übernachtet, wird er sicher schon mal James Bond-Filme gesehen haben.

Sein grauer Bart ist gestutzt, sein Pferdeschwanz dagegen umso länger. Er sitzt in einem braunen, einfachen Gewand vor Kopf am langen Tisch, als in einem Mehr-Gänge-Menü die Speisen serviert werden. Epifanios hat alles am Nachmittag zubereitet: Gemüse und Fisch, schmackhaft gekocht und gewürzt. Zu jedem Gang gibt es einen anderen Wein. Die Frage, ob auf Athos jeden Tag so üppig gegessen werde, beantwortet der Mönch lediglich mit einem stillen Lächeln.

Ebenso bleiben seine persönlichen Motive, mit 18 Jahren ins Kloster zu gehen, im Dunkeln. Epifanios spricht lieber allgemein von den Gründen, aus denen Menschen sich dafür entscheiden, ihr Leben Gott zu widmen. „Die einen wollen Buße tun, weil etwas ihr Gewissen belastet. Andere machen es aus Liebe zu Gott.“ Es ist etwas Gütiges in seinem Blick, eine besondere, anziehende Tiefe. Doch der Mann bleibt unergründlich, ebenso sein Leben. Ein bisschen Magie von Athos in der Wirklichkeit.

Die Autorin reiste mit Unterstützung des Eagles Palace.

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