Eine Flutwelle hat die holländischen Badestrände bei Zandvoort getroffen. Für Pfingsten sind weitere Unwetter an der Küste wahrscheinlich.

World Nature Fund Autumn Dive in Zandvoort
Badegäste am Strand von Zandvoort. Archivbild.

Badegäste am Strand von Zandvoort. Archivbild.

Wettermann Frank Abel kennt sich mit "Meteotsunamis" bestens aus.

Lex Van Lieshout, Bild 1 von 2

Badegäste am Strand von Zandvoort. Archivbild.

Zandvoort. Am Montag hat eine Flutwelle den beliebten Urlaubs-Strand zwischen Katwijk und Zandvoort getroffen. Könnte sich das Naturspektakel am langen Wochenende wiederholen? Frank Abel ist Meteorologe bei der MeteoGroup und beantwortet die wichtigsten Fragen.

Herr Abel, wie genau ist die Welle entstanden, was steckt dahinter?

Abel: In einigen Schlagzeilen wurde dafür gerne das Wort „Mini-Tsunami“ benutzt. Das ist fachlich allerdings falsch, die richtige Bezeichnung hierfür ist „Meteotsunami“. Das bedeutet, dass nicht Erdbeben wie bei einem Tsunami, sondern Wettervorgänge diese Wellen entstehen lassen. Dabei erzeugt ein Unwetter über dem Meer Druckwellen, welche wiederum Wellen auf der Wasseroberfläche anregen.

Damit jetzt so eine mächtigere Flutwelle entsteht, muss die Küsten- oder Hafenform genau so beschaffen sein, dass diese vom Unwetter geschaffenen Wellen sich in diesem Küstenbereich noch weiter aufschaukeln können. Wenn also alles ideal aufeinander abgestimmt ist, und nur dann, kann es zu solch einem stärkeren Meteotsunami kommen. Und dieser ist in Erscheinungsform einem „richtigen“ Tsunami, der von einem Erdbeben erzeugt wird, tatsächlich sehr ähnlich.

Welche Ausmaße kann solch ein Phänomen an den Küsten annehmen, die von hier aus leicht zu erreichen sind, also vor allem Nordsee in Holland und Deutschland und Belgien?

Abel: Dadurch, dass alles genau zusammenspielen muss, gibt es nur sehr wenige dieser Flutwellen. In der Adria treten größere Meteotsunamis über 1 m alle 1 bis 2 Jahre auf.  Und viel mehr als 1 m Wellenhöhe sind an Nord- und Ostsee bisher noch nicht registriert worden. Größere Ereignisse außer dem von diesem Montag in Zandvoort kennen wir vor allem von Sylt vom 14. Juni 1964 und dem 18. Juni 2002, sicher haben auch einige kleinere Ereignisse stattgefunden.

Die höchsten Flutwellen dieser Art haben eine Höhe von rund 4 Metern, sie wurden schon häufiger im Bereich der Kroatischen Adria, besonders in der Bucht von Vela Luka auf der Insel Korcula, beobachtet.

Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit, dass ich als Kurzurlauber eine solche Welle erlebe?

Abel: Sagen wir es so: Wenn ein Tsunami, der durch ein Erdbeben ausgelöst wird, einem Hurricane entspricht, dann entspricht ein Meteotsunami einem Tornado. So ähnlich verhält es sich auch mit der Wahrscheinlichkeit, eine solche Welle zu sehen, denn es müsste ein Unwetter genau die passenden Windstöße in der passenden Zeit am passenden Ort erzeugen. Damit gleicht die Wahrscheinlichkeit, so eine Welle zu erleben, in etwa der eines Lottogewinns, ist also verschwindend klein. Allerdings nicht ganz ausgeschlossen, denn unsere Unwetterzentralen in Belgien, den Niederlanden und Deutschland gehen vor allem in der Nacht zum Samstag von kräftigeren Schauer und Gewittern im Nordseeumfeld aus.

So ein Phänomen ist allenfalls kurzfristig vorhersagbar: Erst, wenn unsere Messgeräte die Wellen registrieren, können wir auch eine Gefahr für Küstenabschnitte hieraus ableiten.

Überhaupt: Wie wird das Wetter in NRW, Holland und Belgien übers lange Wochenende?

Abel: Das Wetter über Pfingsten steht wieder im Zeichen des Wetterwandels, und das bedeutet auch unbeständiges Wetter. Am Samstag überquert uns von der Nordsee kommend eine Kaltfront. Dabei sind Freitag bei viel Sonne in Belgien und den Niederlanden bis nach NRW noch einmal Höchstwerte von 25 bis 30 Grad zu erwarten, an der See 20 bis 25 Grad. Ab der Nacht zum Samstag ziehen dann Schauer und Gewitter herein.

Der schönste Tag wird wohl der Pfingstsonntag werden, denn es gibt nur selten Schauer, und vor allem in den Niederlanden und in Belgien scheint häufig die Sonne neben Quellwolken, aber auch in NRW kommt sie immer wieder gut hervor. Richtung Bergisches Land, Sauerland und Warburger Börde könnte es etwas häufiger wolkig und etwas unbeständiger bleiben. So langsam geht dann die Temperatur zurück mit höchstens 18 Grad am IJsselmeer, 20 Grad in Antwerpen und rund 23 Grad in der Kölner Bucht.

Der Pfingstmontag wird dann wieder unbeständiger, Schauer treten häufiger auf, die Sonne scheint aber auch immer wieder. Glück haben dann die, die ihren Kurzurlaub in Holland an der Nordsee verbringen, dort kommt man oft trocken und freundlich. Die leichte Jacke muss nur wieder her, die Höchstwerte liegen bei uns in NRW, aber auch in Belgien und in den Niederlanden nur im Bereich von maximal 15 bis 20 Grad.

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