Das Auswärtige Amt rät von Reisen nach Kairo und Alexandria ab. In den Urlaubsorten dagegen bleibt es ruhig. Foto: Mohammed Saber
Das Auswärtige Amt rät von Reisen nach Kairo und Alexandria ab. In den Urlaubsorten dagegen bleibt es ruhig. Foto: Mohammed Saber

Das Auswärtige Amt rät von Reisen nach Kairo und Alexandria ab. In den Urlaubsorten dagegen bleibt es ruhig. Foto: Mohammed Saber

dpa

Das Auswärtige Amt rät von Reisen nach Kairo und Alexandria ab. In den Urlaubsorten dagegen bleibt es ruhig. Foto: Mohammed Saber

Berlin (dpa/tmn) - Nach tagelangen teils gewaltsamen Protesten hat das ägyptische Militär Präsident Mursi entmachtet. Doch die Muslimbrüder wollen nicht aufgeben, sie sprechen von einem Putsch. Wer eine Reise in das Land gebucht hat, fragt sich: Soll ich da wirklich hin?

Könnte ich in meinem Ägypten-Urlaub in eine gewaltsame Auseinandersetzung geraten? Sollte ich meine Nilkreuzfahrt lieber absagen? Sehe ich von dem Geld dann nichts wieder? Viele Anrufe mit solchen Fragen gehen derzeit bei den Reiseveranstaltern ein, die Ägypten im Programm haben. Nach der Absetzung des Präsidenten Mohammed Mursi am Mittwoch gab es in der Nacht zum Donnerstag (4. Juli) wieder schwere Krawalle in Kairo und anderen Städten, bei denen mindestens ein Dutzend Menschen starben. Touristiker und Juristen beantworten die drängendsten Fragen:

Welche Orte im Land sollte ich meiden?

Von Tagesausflügen und längeren Trips nach Kairo und Alexandria rät das Auswärtige Amt in Berlin vor dem Hintergrund der gewaltsamen Zusammenstöße ab. Deutsche, die bereits dort sind, sollten sich gut überlegen, ob sie bleiben wollen. Auch vor Reisen in die übrigen Landesteile wird gewarnt. Das gelte insbesondere für das Nildelta, das ägyptisch-libysche Grenzgebiet sowie die Sinai-Halbinsel mit Ausnahme der Touristenorte am Roten Meer. Ein Transitaufenthalt am Hauptstadtflughafen sei aber unbedenklich. «Der Flughafen funktioniert normal und ist gut gesichert», teilt die Behörde in ihren Reisehinweisen für Ägypten mit.

Kann ich noch Urlaub am Roten Meer machen?

Reisen in die Urlaubsgebiete am Roten Meer, die Touristenzentren in Oberägypten wie Luxor oder Assuan sowie Nilkreuzfahrten sind laut Auswärtigem Amt auch weiterhin nicht gefährlich. Auch die Reiseveranstalter geben Entwarnung für die typischen Ferienorte und für Flusskreuzfahrten. Die Reiseunternehmen informieren sich laufend bei ihren Partnern vor Ort über die Lage im Land. «Da herrscht absolutes business as usual», sagt Kai Krämer, der bei Phoenix Reisen für Ägypten zuständig ist.

Alltours hat sicherheitshalber alle Tagesausflüge aus den Feriengebieten nach Luxor abgesagt. In den Urlaubsorten am Roten Meer kämen gelegentlich Menschen zu kleineren Demonstrationen zusammen, sagt Sprecher Stefan Suska. «Aber die sind absolut friedlich, und sonst ist überhaupt nichts zu spüren.» Der Sturz des Präsidenten habe an dieser Situation vorerst nichts geändert, sagt Sibylle Zeuch vom Deutschen Reiseverband (DRV).

Wie reagieren Reiseveranstalter und Reedereien?

DER Touristik und Tui bieten kostenloses Umbuchen oder Stornieren für Reisen nach Kairo bis zum 8. Juli an. Tagesausflüge in die Hauptstadt haben beide Unternehmen vorläufig abgesagt. Zudem hat Tui einen vorläufigen Buchungsstopp für Reisen nach Kairo angeordnet. Dies gelte zunächst bis Montag (8. Juli), danach werde neu entschieden. Phoenix Reisen hat Urlauber aus Kairo in Hotels in den Ferienorten oder auf Nilschiffe gebracht. Bleibe die Situation unverändert, dürften voraussichtlich auch Gäste von Phoenix Reisen, die bereits gebucht haben, kostenlos stornieren oder umbuchen, sagt der Ägypten-Verantwortliche Kai Krämer.

Alltours hat ohnehin keine Übernachtungsgäste in Ägyptens Hauptstadt, Tagestrips dorthin unternimmt der Veranstalter bereits seit zwei Wochen nicht mehr. Auch Neckermann hat derzeit nach eigenen Angaben keine Gäste in Kairo. Alle Veranstalter betonen, dass sich im Moment nur sehr wenige Urlauber in der Hauptstadt aufhalten, weil es für einen solchen Städtetrip im Sommer zu heiß sei.

Aida Cruises hätte am 8. Juli Port Said angelaufen. Die «Aida Diva» werde nun stattdessen in Ashdod (Israel) Station machen, erklärte eine Sprecherin. Bis Oktober stehen noch weitere Anläufe in Port Said auf dem Programm. Wie das Unternehmen mit diesen verfahre, sei noch unklar. Andere Reedereien wie MSC oder Tui Cruises sind derzeit nicht in Ägypten unterwegs.

Kann ich gratis stornieren, wenn mein Veranstalter das nicht anbietet?

Ermöglicht der Veranstalter keine kostenlose Stornierung oder Umbuchung, gilt nach Einschätzung des Reiserechtlers Paul Degott Folgendes: Wenn die Reise massiv beeinträchtigt ist, weil der Urlauber zum Beispiel Museen im Stadtzentrum anschauen wollte, dort jetzt aber gewaltsame Ausschreitungen sind, kann er kostenlos von der Reise zurücktreten.

Schlechtere Karten haben Urlauber, die eine Reise ans Rote Meer planen. Kostenloses Stornieren der Reise ist nicht möglich. «Ein ungutes Gefühl rechtfertigt nie einen kostenlosen Rücktritt», sagt Degott. Daran ändere sich nur dann etwas, wenn es auch in den Urlaubsregionen massive Demonstrationen oder gewalttätige Auseinandersetzungen gibt. In diesem Fall sei die Reise massiv beeinträchtigt - und der Urlauber könne kostenlos zurücktreten. «Ein paar Demonstranten in einer Seitenstraße reichen dazu aber nicht aus», sagt Degott.

Wer auch den Urlaubsorten am Roten Meer nicht traut, sollte einfach mal mit dem Hotel oder der Fluggesellschaft reden, rät Sabine Fischer-Volk, Reiserechtsexpertin bei der Verbraucherzentrale Brandenburg. «Wir empfehlen immer, sich um Kulanz zu bemühen.» Manchmal ließen sich die Anbieter darauf ein, einen Gutschein für einen späteren Aufenthalt oder Flug auszustellen.

Lässt sich der Reisepreis mindern, wenn mein Kairo-Ausflug abgesagt wurde?

Für nicht erbrachte Leistungen gibt es Geld zurück. Ein abgesagter Ausflug zählt dazu. Wer bereits vor Beginn der Reise einen bestimmten Ausflug gebucht hat, der nun umgeroutet wird, kann das Ersatzangebot annehmen, muss es aber nicht. Entscheidet er sich dagegen, muss ihm der Veranstalter laut Degott das Geld zurückzahlen, da er nicht die vertraglich vereinbarte Leistung erbringen konnte.

Gibt es andere Einschränkungen abseits der Proteste?

Die Busfahrer des Veranstalters Alltours hätten am Dienstag (2. Juli) berichtet, dass sie bis zu drei Stunden für Benzin anstehen mussten. «Aber sie haben das Benzin bekommen, und wir hoffen, dass sich das entspannt», sagt Alltours-Sprecher Suska. Die Urlauber bekämen davon aber nichts mit, Ausflüge verzögerten sich deshalb nicht. «Und alles andere ist reichlich da.»

Ähnliches haben die Mitarbeiter von DER Touristik beobachtet: Es gebe momentan Benzinengpässe in Marsa Alam an der Küste im Süden des Landes, «allerdings keine gravierenden», berichtet eine Sprecherin. «Eine ähnliche Situation gab es vor etwa einem Jahr in Sharm El-Sheikh, Transfers und Ausflüge konnten trotzdem planmäßig durchgeführt werden.» Andere Veranstalter haben nach eigenen Angaben von Benzinengpässen nichts mitbekommen.

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