Globe Theatre
Das Globe Theatre in London.

Das Globe Theatre in London.

David Pearce zeigt in den Innenraum: Das Globe Theatre ist ein Freiluft-Theater.

Martina Thöne, Bild 1 von 2

Das Globe Theatre in London.

London. Sonnenbrand im Theater? Für betuchte Shakespeare-Fans eine undenkbare Vorstellung. Und so bezogen sie dort Position, wo es auch jeder sehen konnte: Die exklusivsten Plätze, die das Globe Theatre zu Shakespeares Zeiten zu bieten hatte, befanden sich in den oberen Rängen - dort war die Aussicht, sich einen Sonnenbrand einzufangen, am geringsten. Wohl dem, der in Londons Freiluft-Theater buchstäblich zu den Randerscheinungen gehörte und auf einem Außenplatz logierte - hoch oben über dem gewöhnlichen Volk, das sich mit harter Arbeit im Freien auskannte und Sonnenbrand ohnehin gewöhnt war.

Ein Dach über dem Kopf zu haben, während tragische Figuren auf der Bühne um ihr Leben kämpften, war ein echtes Privileg. Nicht jeder hatte so viel Glück: Von den maximal 3000 Zuschauern hatten die wenigsten einen Sitzplatz. Wer nicht viel besaß, musste also standfest sein: Die billigsten Karten führten zum Innenhof, der sich vor der Bühne ausbreitete. Dort gab es nur Stehplätze - bei Wind und Wetter.

Das Theater wurde in einem Vergnügungsviertel gegründet

400 Jahre später nutzt David Pearce den Innenhof als Bühne, gestikuliert mit Leidenschaft, "redet" mit beiden Händen und erzählt mit glänzenden Augen von den Uraufführungen, die Hausdichter Shakespeare ermöglicht haben soll. Kein Wunder: Pearce ist Regisseur. Und wenn er nicht selbst Theater macht, führt er Besucher durch das Globe Theatre. Da macht das Zuhören gleich doppelt Spaß. "Ob all seine Werke hier aufgeführt wurden, wissen wir nicht", erklärt Pierce. "Aber: Shakespeare wird es beim Schreiben im Sinn gehabt haben."

Denn das Globe Theatre, das von außen recht unscheinbar aussieht und einem runden Fachwerkhaus ähnelt, hat es in sich. Im ursprünglichen Gebäude, das 1599 in einem Vergnügungsviertel am Südufer der Themse - zwischen Pubs und Bordellen - eröffnet wurde, spielt sich auch jetzt noch Dramatisches ab. Dass die heutige Spielstätte jedoch eine mehrfache Rekonstruktion ist, erfährt man am besten bei einer Führung.

Worauf das Ganze fußte? Auf Säulen, die auch heute wieder zur Kulisse gehören - vor allem aber auf Holz. "Marmor war zu teuer", sagt Pearce. "Deshalb wurde bemaltes Holz benutzt." Eben das ging im 17. Jahrhundert in Flammen auf: Das erste Globe wurde durch ein Feuer vernichtet, das ausbrach, als bei einer Aufführung des Stücks "Heinrich VIII." eine Kanone abgefeuert wurde und das strohgedeckte Dach in Brand setzte.

Im Innenhof, in dem man - wie einst - in den Himmel sieht, hört Pearce übrigens vor allem das Eine: die Frage nach Regen, den die Theaterzuschauer von heute weit mehr fürchten als einen Sonnenbrand. Der Brite antwortet mit einem Schmunzeln: Im heutigen Globe sei alles dem Original nachempfunden. Selbst der Regen also...

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