Andere Länder, andere Krankheiten – wer in den Urlaub fährt, sollte sich vorab über wichtige Prophylaxen informieren.

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Professor Tomas Jelinek ist wissenschaftlicher Leiter des Centrums für Reisemedizin.

Professor Tomas Jelinek ist wissenschaftlicher Leiter des Centrums für Reisemedizin.

Unbeschwerte Ferien: Ein paar Vorsichtsmaßnahmen und ausreichender Impfschutz machen es möglich. Archiv

Jens Klatt, Bild 1 von 2

Professor Tomas Jelinek ist wissenschaftlicher Leiter des Centrums für Reisemedizin.

Düsseldorf. Nerviges Surren und juckende Stiche – unsere Mücken sind in der Regel lästig, aber ungefährlich. Doch Reisende brauchen nicht bis nach Afrika zu fliegen, um besser auf einen guten Mückenschutz zu achten. Schon in Südeuropa kann die Tigermücke Dengue-Fieber übertragen. Vor allem rund ums Mittelmeer.

„Dengue ist wie eine starke Grippe, aber es gibt keine Medikamente dagegen“, sagt Professor Tomas Jelinek vom Centrum für Reisemedizin (CRM) in Düsseldorf. Zwar sterben nur sehr wenige Menschen am Dengue-Fieber, aber es breite sich weltweit immer stärker aus. „Dengue-Mücken sind Kulturfolger. Sie sind überall, wo es schmutziges Wasser gibt – auch in den Städten.“ Seit zehn Jahren gibt es Dengue in Europa, ursprünglich kam es aus Südostasien.

Zeckenbisse nicht unterschätzen

Kleine Tierchen, die auch in Deutschland gefährlich sind: die Zecken. „Sie sind bundesweit ein Problem“, sagt Jelinek. Sie übertragen Borreliose und die Frühjahrsommer-Meningoenzephalitis (FSME). „Gegen Borreliose gibt es leider keine Impfung, gegen FSME ist sie aber dringend zu empfehlen“, sagt Jelinek. Das sind zwei Spritzen im Abstand von 14 Tagen und eine dritte im Folgejahr gegen die Virusinfektion, die grippeähnliche Symptome und Hirnhautentzündung verursachen kann. Wichtig ist auf jeden Fall der Schutz vor Bissen durch Kleidung und Insektenmittel auf der Haut. Ost- und Nordeuropa sind ebenfalls von Zecken betroffen, lediglich im Norden Skandinaviens ist es zu kalt für die Tiere.

Südeuropa: Gefährliche Quallen im Mittelmeer

„In Süditalien haben Menschen ein achtmal höheres Risiko, an Hepatitis A zu erkranken als in Deutschland“, vergleicht Jelinek und fügt hinzu: „In der Türkei ist es sogar 50 mal höher.“ Als Faustregel gilt: Je niedriger der Hygienestand des Reiselandes ist, desto höher das Hepatitis-A-Risiko. Dabei handelt es sich um eine Virusinfektion, die zum Beispiel über versuchte Meeresfrüchte übertragen wird. Aber vor allem über mangelnde Toiletten-Hygiene oder das gemeinsame Benutzen von Handtüchern nach unzureichendem Händewaschen.

Die Inkubationszeit beträgt zwei bis sechs Wochen, die ersten Symptome sind Fieber und Erbrechen bevor die Gelbsucht beginnt. Bei Erwachsenen kann die Genesung mehrere Monate dauern. „Eine Impfung bietet fast 100-prozentigen Schutz“, erklärt der Tropenmediziner. Nach zwei Impfungen besteht der Schutz für mehr als 25 Jahre.

Quallen bezeichnet Jelinek als „ein immer größeres Thema“ im Mittelmeer. „Früher gab es Feuerquallen nur im Pazifik. Doch die Meere werden wärmer und die tropischen Arten gibt es nun auch im Mittelmeer.“ Urlauber sollten beim Baden unbedingt die Quallenwarnungen beachten, denn Feuerquallen können starke Giftstoffe übertragen.

Die Würfelqualle ist zwar nur so groß wie ein Daumennagel, aber lebensgefährlich, und die Portugiesische Galeere sondert über ihre zehn bis 15 Meter langen Tentakel ebenfalls ein lebensgefährliches Nesselgift ab. „Sie kommen aus Malaysia und werden im Mittelmeer meist im Spätsommer gesichtet“, sagt Jelinek.

„Tollwut gibt es überall auf der Welt.“

Professor Tomas Jelinek, Tropenmediziner

Wer nach Rumänien reist, sollte über eine Tollwut-Impfung nachdenken. Das sind drei Spritzen im Abstand von etwa vier Wochen mit einem Wirkstoff, der laut Jelinek mittlerweile sehr gut verträglich ist und kaum noch Nebenwirkungen hat.

„Russland hat noch den alten Impfstoff, den verträgt man nicht gut.“ Deshalb sei es wichtig, sich vor der Reise in Deutschland impfen zu lassen. „Der Impfstoff ist nicht überall verfügbar und prinzipiell kann jedes Säugetier von der Fledermaus bis zum Affen die Tollwut übertragen.“ Vor allem Indien- und China-Reisende sollten sich impfen lassen, da herrenlose Hunde in den Städten eine Gefahr sein können – natürlich auch in Europa: „Tollwut gibt es überall auf der Welt.“

Ebenso wichtig für Reisen auf den indischen Subkontinent: Eine Impfung gegen Typhus. Durch Salmonellen, hauptsächlich in kontaminiertem Trinkwasser und Lebensmitteln vorhanden, verursacht, erkranken jedes Jahr Millionen Menschen – vor allem in den Entwicklungsländern. „Nach einer Impfung besteht zwar nur ein etwa 70-prozentiger Schutz, aber das ist besser als gar keiner“, rät Jelinek.

Ägypten, Süd- und Mittelamerika: Zahlreiche Hepatitis-Fälle

Durchfallerkrankungen und Hepatitis A stehen in dem beliebten Reiseland Ägypten quasi auf der Tagesordnung. „Es gibt zahlreiche Ausbrüche in Hotels, vor allem aber auf den Nilkreuzfahrten“, sagt Jelinek und rät Urlaubern dringend zu einer Impfung und umfassenden Hygienemaßnahmen wie Händedesinfektion und das Meiden von Salaten sowie ungekochten Speisen. Gleiches gelte für Süd- und Mittelamerika. „Es kommt immer darauf an, wie man reist. Bei einer geführten Tour ist das Risiko geringer, als wenn man allein mit Rucksack unterwegs ist“, so der Experte.

Südamerika und Florida leiden derzeit unter einem „riesigen Ausbruch von Chikungunya-Fieber“, sagt Jelinek. Durch Mücken übertragen kommt es ursprünglich aus Afrika und von den Inseln des Indischen Ozeans. Nach drei bis sieben Tagen bricht die Krankheit aus: mit starken Gliederschmerzen und Fieber. „Einen Impfschutz gibt es nicht, Mückenschutz ist die einzige Möglichkeit.“

Auf rohe Speisen und Eiswürfel besser verzichten

Weiße Strände, Palmen, Meer – die Karibik lockt Touristen in den Traumurlaub. „Viele Menschen fliegen völlig unbeschwert in die Dominikanische Republik, dabei gibt es dort einige Probleme“, erklärt der Tropenmediziner. Zum Beispiel Cholera, die man sich durch verseuchtes Wasser oder Essen einfangen kann. Durchfallerkrankungen und Hepatitis A gibt es ebenso in der Dominikanischen Republik wie Malaria. „Bei letzterer reicht ein Notfallmittel, eine Prophylaxe während des gesamten Urlaubs ist nicht notwendig.“ In guten Hotels sei der Hygienestandard unbedenklich, doch auf ungekochte Speisen und Eiswürfel sollten Reisende besser verzichten. „Die meisten Tropenkrankheiten kommen von Haiti, weil es dort keine funktionierende Infrastruktur gibt und sich Seuchen immer dort ausbreiten, wo Chaos herrscht.“

„In Namibia gibt es für Touristen kaum gefährliche Krankheiten“, sagt der Mediziner. Der Atlantik ist zu kalt für tropische Tiere, das Klima zu trocken für Mücken. Trotzdem empfiehlt Jelinek eine Malariaprophylaxe und vor allem Mückenschutz für den Norden des Landes. Auch eine Hepatitis A- und B-Impfung sei angeraten. Wegen der Leberegel sei zudem „das Baden in Flüssen und Seen nur eine mäßig gute Idee“, sagt der Mediziner. Während es auf dem afrikanischen Kontinent südlich der Sahara Malaria gibt, gilt die Region nördlich der Sahara dagegen als malariafrei.

„Mit ein paar Vorsichtsmaßnahmen und Prophylaxen kommt man gut durch jedes Reiseland und gesund aus dem Urlaub zurück“, sagt Jelinek. Und fügt lachend hinzu: „Oder Sie fahren nach Alaska. Da brauchen Sie nur warme Kleidung.“

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