Schloss Neuschwanstein
Touristen am Schloss Neuschwanstein: Bei den Übernachtungszahlen liegt Deutschland mit 394 Millionen vor Spanien, Italien, Frankreich und Großbritannien europaweit auf Platz eins. Foto: Stefan Puchner

Touristen am Schloss Neuschwanstein: Bei den Übernachtungszahlen liegt Deutschland mit 394 Millionen vor Spanien, Italien, Frankreich und Großbritannien europaweit auf Platz eins. Foto: Stefan Puchner

dpa

Touristen am Schloss Neuschwanstein: Bei den Übernachtungszahlen liegt Deutschland mit 394 Millionen vor Spanien, Italien, Frankreich und Großbritannien europaweit auf Platz eins. Foto: Stefan Puchner

Berlin (dpa/tmn) - Deutschland legt touristisch noch einmal zu: Die Zahl der Übernachtungen ist im vergangenen Jahr erneut gestiegen. Selbst Spanien und Italien können da nicht mithalten. Besonders die Städte wie Berlin und Hamburg haben hinzugewonnen, aber auch Bayern.

Deutschland als Reiseziel wird oft unterschätzt. Dabei liegt es in der Gunst der Touristen durchaus vorne: Bei den Deutschen selbst sowieso, die rund 30 Prozent ihrer Urlaubsreisen im eigenen Land verbringen, aber auch bei Gästen aus dem Ausland. Insgesamt stieg die Zahl der Übernachtungen zwischen Kap Arkona und der Zugspitze im vergangenen Jahr um 3,6 Prozent auf 394 Millionen - ein neuer Rekord. Deutschland hat sich damit europaweit ganz vorn etabliert. Claudia Gilles, Hauptgeschäftsführerin des Deutschen Tourismusverbandes (DTV), weiß, warum das so ist.

Wie steht Deutschland touristisch da?

Gilles: «Wenn wir fragen, welches sind in Europa wohl die Länder mit den meisten Übernachtungen, hören wir immer 'Spanien' oder 'Italien'. Bei den Übernachtungszahlen liegen wir mit 394 Millionen aber im vierten Jahr in Folge vor Spanien, Italien und Frankreich und Großbritannien europaweit auf Platz eins.»

Die Finanzkrise scheint Deutschland nicht zu schaden?

Gilles: «Nein. Das liegt auch an unserer hohen Binnennachfrage. Nur 16 Prozent der Übernachtungen entfallen auf Gäste aus dem Ausland, 86 auf solche aus Deutschland. Das bringt eine gewisse Stabilität. Wir haben bei den Übernachtungen aber sowohl bei den ausländischen als auch bei den deutschen Gästen zugelegt, insgesamt um 3,6 Prozent. So gut war der Wert schon lange nicht mehr, nur 1999 mit 4,8 und im Jahr darauf mit 5,5 Prozent war er noch besser.»

Wie lassen sich die Zuwächse erklären?

Gilles: «In Deutschland wurde viel in die Qualität, in neue Produkte und gemeinsames Marketing investiert. Damit kann man kurzfristig nicht einfach 200 000 zusätzliche Gäste gewinnen, aber langfristig zahlt sich das aus. Ein wichtiger Faktor sind aber auch die Geschäftsreisenden, die 2011 fast 100 Millionen Übernachtungen gebracht haben. Von ihnen profitieren vor allem die Städte, auch solche, die keine herausragenden Touristenziele sind.»

Welche Bundesländer standen 2011 besonders gut da?

Gilles: «Besonders die Großstädte sind attraktiv, auch bei den ausländischen Gästen. Dieser Trend hält ganz klar an. Am meisten zugelegt haben deshalb Berlin, Bremen und Hamburg. Aber auch Bayern mit rund 80 Millionen Übernachtungen war deutlich im Plus, genau wie zum Beispiel Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz.»

Warum steht Norddeutschland so schlecht da?

Gilles: «Wir sind im Deutschlandtourismus immer auch vom Wetter abhängig, und das haben die Küsten 2011 gemerkt. Fast ein Drittel der Gäste fährt ohne Vorbuchung los und entscheidet sich oft spontan, wenn das Wetter gut ist. Bei miesem Wetter bleibt man zu Hause. Und der Sommer war nicht so gut, der August war mies.»

Gilt Urlaub in Deutschland immer noch als teuer?

Gilles: «Das Image hat sich schon etwas gewandelt. Früher hieß es 'Italien und Spanien sind günstiger'. Aber schon damals war Deutschland kein richtig teures Reiseziel. Jetzt sprechen die Zahlen eine klare Sprache. Hotels in Deutschland sind deutlich günstiger als zum Beispiel in der Schweiz, Dänemark, Italien oder auch Österreich. Es sind in den vergangenen Jahren auch sehr viele Hotels im Low-Budget-Bereich dazugekommen.

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