In Keystone können Familien in riesigen Gummireifen eine Rodelbahn hinabschlittern. (Foto: Vail Resorts/Bob Winsett)
In Keystone können Familien in riesigen Gummireifen eine Rodelbahn hinabschlittern. (Foto: Vail Resorts/Bob Winsett)

In Keystone können Familien in riesigen Gummireifen eine Rodelbahn hinabschlittern. (Foto: Vail Resorts/Bob Winsett)

Ein Wintermärchen: Für die jungen Gäste hat man in Keystone eine Schneeburg errichtet. (Foto: Vail Resorts/Brian Bailey)

Skigebiet ohne Ortschaft: In Keystone wohnen nur 300 Menschen das ganze Jahr über. (Foto: Vail Resorts/Winsett)

Auf geführten Pistenraupentouren lernen Wintersportler wenig befahrene Gegenden von Keystone kennen. (Foto: Vail Resorts/Gibson)

Vor 150 Jahren war Breckenridge ein Goldschürfercamp mit Revolverhelden und Rotlichtbezirken. Jetzt bummeln vor allem Wintersportler durch die Straßen. (Foto: Matt Inden/Weaver Multimedia Group)

In Breckenridge können sich Skifahrer auf 155 Abfahrten austoben. Die Berge hier sind allesamt 4000 Meter hoch. (Foto: Vail Resorts/Doran)

In der Blockhaus Lodge «Outpost» fühlt man sich wie auf einem Außenposten mitten im White River National Forest. (Foto: Heike Schmidt)

Breckenridge und Keystone liegen nur eine halbe Stunde Autofahrt voneinander entfernt mitten in den Rocky Mountains. (Foto: Sven-E. Hauschildt)

dpa, Bild 1 von 8

In Keystone können Familien in riesigen Gummireifen eine Rodelbahn hinabschlittern. (Foto: Vail Resorts/Bob Winsett)

Breckenridge (dpa/tmn) - Tradition und Retorte: Breckenridge und Keystone sind zwei ungleiche Skischwestern. Doch Wintersportlern wird die Wahl zwischen urigem Saloon und Kinder-Abenteuerwald leicht gemacht: beides!

Che Guevara trägt Skibrille. Jedenfalls auf diesem feuerroten T-Shirt, das im Schaufenster auf der Main Street von Breckenridge hängt. «Powder for the People» - steht in Blockbuchstaben unter dem Konterfei der Revolutionsikone, «Pulverschnee fürs Volk». Gleich daneben ist ein schicker Designeranorak mit glitzernden Strasssteinchen drapiert.

Es ist ein passendes Bild für das Städtchen im US-Bundesstaat Colorado. Wie andere Skiorte in den Rocky Mountains hat Breckenridge millionenteure Ferienwohnungen, aber man pflegt das Outlaw-Image. Mariah Carey und Kevin Costner sollen ruhig im noblen Aspen über die Pisten wedeln. Zu «Breck» passen besser junge Wilde wie US-Olympiasieger Bode Miller.

«Wir haben schließlich einen Ruf zu verteidigen», sagt Gail Westwood vom lokalen Geschichtsverein Heritage Alliance. Mit Dutt und langem Rock stapft die lustige Mittfünfzigerin auf Stadtführungen durch den knirschenden Schnee, vorbei an kunterbunten Wildwesthäuschen mit windschiefen Holzfassaden. Dabei erzählt sie von den turbulenten Anfängen des Goldschürfercamps vor 150 Jahren, von Riesennuggets, Revolverhelden, Rotlichtbezirken und der Witwe Sylvia, die auf Suche nach einem neuen Ehemann noch immer durch die viktorianische Villa in der South Main Street 130 geistern soll.

Im Vergleich dazu wirkt das Skigebiet zivilisiert. Nadelbäume wachsen fast bis zu den Bergstationen hinauf. Die Gipfel sind zwar allesamt um die 4000 Meter hoch, aber trotzdem nicht richtig zackig. Die Rocky Mountains haben ein paar Jahrmillionen mehr auf dem Buckel als die dramatischen Alpen. Wind und Wetter haben das große Felsengebirge glattgeschmirgelt. Breckenridges Netz von 155 abwechslungsreichen Abfahrten umspannt vier Berge, Peak 7 bis 10.

Lifte und die Achtergondel «Breck Connect» verbinden die Hänge miteinander. Wer über das Naturschutzgebiet Cucumber Gulch schwebt, sollte nach dem griesgrämigen Elch Ausschau halten, der angeblich am Fuß von Peak 7 abhängt. Breite, sanft geneigte und gut gewalzte Waldschneisenpisten finden Skianfänger vor allem im unteren Teil von Peak 9. Skifanatiker surren mit dem «Imperial Express Lift», der höchsten Sesselbahn in Nordamerika, auf 3963 Meter zu Peak 8 hinauf. Wem das nicht genügt, der kann weiter zu den wilden Schluchten von Peak 7 aufsteigen.

Für Snowboarder und Freeskier gibt es gleich fünf Terrain Parks mit zwei großen Halfpipes. Breckenridge ist stolz auf seine Fortschrittlichkeit. Schon vor 25 Jahren erlaubte der Wintersportort als einer der ersten in Colorado die skeptisch beäugten Snowboards auf seinen Pisten.

Wer heute auffallen will, reitet Snow Bike. Dafür muss man nur eine halbe Stunde die kurvige Swan Mountain Road hinunterfahren nach Keystone. In Breckenridges Schwesterresort kann man Schnupperstunden auf den niedrigen Schneerädern buchen. Wie Dreiräder sehen sie aus, nur mit drei Miniskis statt Reifen und langem Sattel. Unter die Füße werden Kurzskis geschnallt.

Keystone ist ein Skigebiet ohne Ortschaft. Nur 300 Leute wohnen hier das ganze Jahr. Sonst gibt es nur Ferienwohnanlagen und Hotels. Auf das Terrain - mit 1,3 Hektar ein Drittel größer als Breckenridge - kam es Skipionier Max Dercum an. Seine Bulldozer schnitten 1971 dort Schneisen, wo sie die besten Abfahrten vermuteten. Inzwischen sind es 135, wovon knapp die Hälfte als schwierig klassifiziert ist.

Die drei Skiberge liegen nicht nebeneinander wie in Breckenridge, sondern etwas verschachtelt. Auf der Rückseite von Dercum Mountain liegt das «Outpost», die Blockhaus-Lodge mit einem Sterne-Restaurant. Und tatsächlich fühlt man sich hier wie auf einem Außenposten mitten im White River National Forest.

Keystone ist preiswerter als Breckenridge und familienfreundlich. Eine lebensgroße Schneeburg mit Zinnen, Wachturm und Labyrinth lädt Kinder zum Spielen ein. Es gibt eine Luftreifen-Rodelbahn, einen Schlittschuhsee und einen Abenteuerwald mit Minen, Tunneln und Brücken für kleine Skischüler.

Besucher müssen sich nicht unbedingt zwischen den beiden Schwestern entscheiden. Die Skipässe gelten wechselseitig, ein gratis Shuttle pendelt zwischen Breckenridge und Keystone.

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